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Kirche betreibt Kita in Krauschwitz weiter

Die Gemeinde hat die Kündigung zurückgenommen. Das verärgert viele Eltern. Sie fordern den Trägerwechsel.

© André Schulze

Von Sabine Larbig

Fast genau vor einem Jahr wurde erstmals öffentlich bekannt, dass es in der Kita Krauschwitz zu Übergriffen zweier Erzieherinnen auf Kinder gekommen ist. Viele Eltern und Bürger fordern seither einen neuen Träger der Einrichtung, die von der evangelischen Kirchengemeinde betrieben wird. Doch die Trägerschaft ändert sich nicht. So hat es der Gemeinderat am Donnerstag in der Sondersitzung beschlossen.

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Mit acht Ja-, sieben Neinstimmen und einer Enthaltung hat der Rat für die Rücknahme der im Mai beschlossenen außerordentlichen Kündigung des Betreibervertrages zum 31. Dezember 2013 votiert. Ursprüngliches Ziel der Gemeinde war es, mit der Kirche die Kita eventuell gemeinsam weiterzuführen. Dazu kam es nicht. Auch ein freier Träger kam seit Mai nicht zustande. Da zwischenzeitlich einige Gemeinderäte nachfragten, ob die Betreibungskündigung noch wirksam sei, ließ die Gemeinde die Rechts- und Sachlage durch Rechtsanwalt Steffen Rehnisch prüfen.

Wie der Rechtsexperte am Donnerstag erläuterte, sieht er für die Beibehaltung der Kündigung der Kitabetreibung keine Chance. Da eine Betriebserlaubnis prinzipiell vom Jugendamt erteilt wird – und das Amt wegen der Vorkommnisse bisher nicht tätig wurde – sei das Belastungsrisiko nicht so hoch, dass eine außerordentliche Kündigung gerechtfertigt sei. „Aus meiner Sicht besteht kein Kündigungsgrund“, so Rehnisch. Zudem warnt er die Gemeinde vor möglichen finanziellen Folgen eines Rechtsstreites mit der evangelischen Kirchengemeinde. Die habe, laut Rehnisch, erst vorige Woche „eine Schadenersatzforderung in den Raum gestellt“. Konkret gehe es um die Summe von 2,5 Millionen Euro. Um Gefahren und großen Schaden durch einen langen Rechtsstreit von der Gemeinde abzuwenden, appelliert Bürgermeister Rüdiger Mönch gegenüber den Räten für Zustimmung der Kündigungsrücknahme. „Wir werden gemeinsam mit der Kirche eine Lösung finden und Arbeitsgruppen gründen“, so Mönch mit Blick auf Eltern und Bürger, die wegen der Vorkommnisse einen Trägerwechsel wollen.

„Die Art und Weise der bisherigen Aufarbeitung der Vorfälle macht uns Sorge, weshalb wir einen neuen Trägern fordern. Denn das Vertrauen zu Kirche und Gemeinde ist inzwischen gestört“, erklärt Andreas Nelte, einer von rund 30 zur Sondersitzung anwesendenden Bürgern. Er kritisierte, dass die betroffenen Erzieherinnen noch nicht gekündigt seien und sich – trotz mehrerer Bewerber für die Kita-Trägerschaft – bisher nur ein diakonischer Interessent samt Konzept offiziell vorstellen durfte.

Nicht überzeugt von der Richtigkeit der Rücknahme der Betreibungskündigung äußert sich auch Gemeinderätin Johanna Blümel (Linke). Bei einer Zustimmung wende der Rat zwar Schaden von der Gemeinde ab. Andererseits komme man damit vielen Eltern nicht entgegen, die einen neuen Träger fordern und schon mit der Herausnahme ihrer Kinder aus der Krauschwitzer Einrichtung gedroht haben. „Sind wir aber für die Beibehaltung der Kündigung, steht Krauschwitz vor großen finanziellen Schwierigkeiten und dem Problem der Suche nach einen neuen Träger“, fasst sie zusammen. „Wir müssen die Eltern für Auswahlmöglichkeiten von Trägern und Konzepten gewinnen, statt ihnen die Pistole auf die Brust zu setzen“, fordert Blümel.

Ob es dazu kommt, ist offen. Laut Ratsbeschluss bleibt die evangelische Kirchengemeinde vorerst weiter Kita-Träger. „Damit sind wir wieder bei Punkt null und haben uns nur im Kreis gedreht“, kritisiert Stefan Schwabe, Vater eines Sohnes, der in der Kita betreut wird. Er befürchtet, dass künftig weniger Eltern ihre Kinder in die Einrichtung bringen. „Was passiert dann mit Kita und Personal?“, so der besorgte Vater. Immerhin würden bereits im August 2014 insgesamt 15 Vorschulkinder die Kita verlassen, in der aktuell 50 Kinder sind.