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Jauernicker können in der Heimaterde begraben werden

Jetzt gibt es auf dem Friedhof in Jauernick-Buschbach eine Gemeinschaftsanlage für Urnen. Lange wollte das die katholische Kirche nicht.

Gemeinschaftsurnengrabfeld auf dem Friedhof Jauernick-Buschbach
Gemeinschaftsurnengrabfeld auf dem Friedhof Jauernick-Buschbach © Gabriela Lachnit

Trotz allem Schmerz: Es ist ein schöner Ort zum Trauern. Angehörige, die Verstorbene künftig auf dem Gemeinschaftsurnenfeld auf dem Friedhof in Jauernick-Buschbach bestatten, können über die sanierte Friedhofsmauer auf den Berzdorfer See schauen. Im oberen Bereich des Friedhofes gibt es jetzt ein Feld für insgesamt acht Urnen. Steinsetzmeister Klemens Burkhardt hat es vor wenigen Wochen hergerichtet.

"In die Mitte jedes Feldes wird noch eine Trauerweide gepflanzt", erklärt Christian Thomas. Er ist aktiv in der katholischen Gemeinde Heiliger Wenzel, die für den Jauernicker Friedhof zuständig ist. Die Anlage könne sofort genutzt werden. Allerdings ist dafür eine Änderung der Friedhofssatzung erforderlich. Das passiert derzeit, wie Pfarrer Norbert Joklitschke erklärt. "Die Kosten für eine solche Bestattung veröffentlichen wir mit der veränderten Satzung.  Falls kurzfristig ein Erfordernis entsteht, werden wir eine Lösung finden", sagt er.

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Sollte sich der Bedarf an Liegeplätzen in dieser Gemeinschaftsurnenanlage erhöhen, könne die Fläche erweitert werden, informiert Christian Thomas.

Die Katholische Kirche St. Wenzeslaus in Jauernick-Buschbach ist seit Langem wegen Baufälligkeit gesperrt. Teile des Friedhofes sind mit einem Bauzaun abgesperrt.
Die Katholische Kirche St. Wenzeslaus in Jauernick-Buschbach ist seit Langem wegen Baufälligkeit gesperrt. Teile des Friedhofes sind mit einem Bauzaun abgesperrt. © André Schulze

Unterschriftensammlung im Dorf

In Ermangelung einer Gemeinschaftsanlage für Urnen, wie es sie mittlerweile auf fast jedem Friedhof gibt, wurden in den letzten Jahren viele Bewohner des Dorfes auf anderen Friedhöfen beigesetzt, unter anderem in Kunnerwitz und in Görlitz. Vor allem die Sorge, sich einmal nicht mehr selbst um das Grab der Angehörigen kümmern zu können, führte zu den Entschlüssen, Verstorbene außerhalb ihres Heimatortes in Gemeinschaftsanlagen beizusetzen. 

Das ließ Renate Mühle nicht los. Die Dorfbewohnerin machte sich Anfang des vergangenen Jahres auf den Weg und sammelte im Bergdorf Unterschriften von Befürwortern. Die Liste und ein entsprechendes Schreiben übergab sie an Christian Thomas. Der kümmerte sich um das Anliegen. Renate Mühle erfuhr zwar nur zufällig davon, dass die Gemeinschaftsanlage errichtet ist, aber sie freut sich darüber. Jetzt haben die Einwohner des Bergdorfes die Möglichkeit, einen nahezu pflegefreien, aber dennoch ansprechenden und würdigen Platz für die letzte Ruhe zu bekommen. Denn viele Einwohner haben hier keine Verwandten mehr. "Die Kinder wohnen weit weg und können sich nicht selbst um die Grabpflege kümmern, wollen aber trotzdem einen würdevollen Platz für ihre Verstorbenen in deren Heimat", erläutert Roswitha Mühle. 

Katholische Kirche änderte ihre Meinung

Lange hatte sich die katholische Pfarrgemeinde Heiliger Wenzel gegen eine solche Gemeinschaftsurnenanlage gestellt. Es sei kein Bedarf vorhanden, hieß es immer wieder.  Bereits vor fünf Jahren kam aus dem Ortschaftsrat Jauernick-Buschbach eine Anregung zu einer derartigen Fläche, auf der Urnen beigesetzt werden können, und die keiner größeren Pflege bedarf. Davon wusste die Kirchgemeinde, wie sie  es in einem Schreiben an Renate Mühle bestätigt. Immer häufiger wichen Angehörige von Verstorbenen aus dem Bergdorf auf andere Friedhöfe aus, weil es  die Bestattung in einer Gemeinschaftsanlage in Jauernick-Buschbach nicht gab.

Das neue Feld auf dem Friedhof ordnet sich ein in ein offensichtliches Umdenken der katholischen Pfarrei St. Wenzeslaus. Die noch vor wenigen Jahren strikte räumliche Trennung auf dem Friedhof zwischen katholischen und evangelischen Beisetzungen gibt es jetzt nicht mehr. "Jetzt werden die Grabfelder der Reihe nach belegt, unabhängig von Konfessionen", bestätigt Christian Thomas.

Waldfriedhof als Ort des Gedenkens

Eine Erklärung, warum die Pfarrei von 1945 bis 1962 insgesamt 20 Menschen außerhalb des Friedhofs auf einem extra dafür geschaffenen Waldfriedhof bestatten ließ, hat Christian Thomas nicht. Bei den Menschen, "die ihre Heimat verloren haben", - wie eine Gedenktafel es umschreibt - handelte es sich ausnahmslos um Aus- und Umsiedler, die 1945 vor allem aus Schlesien in den Ort gekommen waren.

Pfarrer Norbert Joklitschke dagegen fand eine Erklärung: Wenn es um den Waldfriedhof geht, so hängt diese Anlage wohl damit zusammen, dass nach alten Friedhofsordnungen nur Bewohner von Jauernick auf dem örtlichen Friedhof begraben werden durften. Im Nachgang des 2. Weltkrieges kamen aber unter anderem auch Flüchtlinge, also zunächst mal Nicht-Bewohner des Dorfes, die vor Ort verstarben und für die man auf diese Weise auch einen würdigen Bestattungsort einrichtete, erläutert der Pfarrer.

Zusätzlich war es damals so, dass der Friedhof schlicht zu klein war, also fast ganz belegt, sodass auch aus diesem Grund ein Ausweichplatz nötig wurde. Im Dorf selbst waren alle Flächen vergeben. Deshalb, so erklärt der Pfarrer weiter, hat man eine nahe gelegene Fläche gleich neben bewohnten Grundstücken genutzt, also durchaus dicht im Wohnumfeld.

Heute wird der Waldfriedhof als Ort des Gedenkens gepflegt. Beisetzungen finden dort seit 1962 nicht mehr statt. Christian Thomas errichtete im Vorjahr dort einen neuen Zaun, den die Kirchgemeinde finanzierte. Die Rasenfläche wird regelmäßig gemäht.

Der Waldfriedhof in Jauernick-Buschbach. Er wird als Gedenkstätte weiter gepflegt.
Der Waldfriedhof in Jauernick-Buschbach. Er wird als Gedenkstätte weiter gepflegt. © Gabriela Lachnit

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