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Kirche ist immer noch das Zentrum von Deuben

Ehe sich im Jahre 1900 Schweinsdorf und 1915 Niederhäslich politisch mit der größten Industriegemeinde im Plauenschen Grunde, nämlich Deuben, vereinigten und 1921 mit Potschappel und Döhlen die Stadt Freital gründeten, war dem ein Jahrhunderte währender Prozess des Zusammenwachsens vorangegangen.

Von Peter Locke

Ehe sich im Jahre 1900 Schweinsdorf und 1915 Niederhäslich politisch mit der größten Industriegemeinde im Plauenschen Grunde, nämlich Deuben, vereinigten und 1921 mit Potschappel und Döhlen die Stadt Freital gründeten, war dem ein Jahrhunderte währender Prozess des Zusammenwachsens vorangegangen. Es waren zunächst die geografische Nähe, dann die spätere gemeinsame Gerichtsbarkeit durch das Amtsgericht Döhlen, und zuletzt 1877 der Ausbau des ursprünglich morastigen, kaum passierbaren Weges im Poisental zur Poisentalstraße, die diese drei Dörfer immer näher zusammenrücken ließ.

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Namentlich wird Deuben unzweifelhaft 1378 erstmals als „Duben“ erwähnt. Auch dieser Name geht eindeutig auf sorbische Wurzeln zurück: dub = Eiche. Der Vergleich mit anderen deutschen und auch tschechischen Ortsnamen mit dem gleichen Wortstamm „dub“ erhärtet diese Deutung.

Deuben entwickelte sich in zwei Ortsteilen rechts und links der Weißeritz an der Einmündung des Poisenbaches gelegen. Spätestens seit 1432 ist Deuben als Lehen wirtschaftlich dem Rittergut Potschappel zugeordnet. In jener Urkunde, die das belegt, finden wir auch eine „möle uff dem anger“ erwähnt. Also am rechten Ufer (in Fließrichtung). Linkerseits befanden sich die Felder der Deubener Bauern. Alte Quellen sprechen noch vom „Bauerndorf“. Doch bleiben wir zunächst auf der rechten Seite.

Der rechtsseitige „Anger“ wird schon in den ersten Urkunden genannt, war aber lange Zeit nur „ein häuserleerer, ertragloser Platz mit kiesigem Boden, welchen niemand umsonst mochte“ (Leßke). Eine Mühle hingegen, seit 1877 die Egermühle, lässt sich bis in die Anfangszeiten der Besiedlung zurückverfolgen. Sie war möglicherweise die Ursache der Erstbesiedlung bzw. der Ortsgründung von Deuben. Nach 1830 beginnt dann aber doch die Bebauung dieses Areals in der noch heute vorhandenen Gliederung.

Und links der Weißeritz? 1809 wird der Weg nach Tharandt zur Straße ausgebaut, von Dresden nach Freiberg über Tharandt führend. Diese heutige „Dresdner Straße“ gab der weiteren Entwicklung und Bebauung von Deuben die entscheidende Richtung.

115 Einwohner vermerken die Akten für Deuben 1814. Im Jahre 1871 hingegen sind es schon 4371. Rund 130 Händler und Handwerker versorgten die Deubener Bevölkerung mit allem Notwendigen. Die Aussicht, im Plauenschen Grunde Arbeit und damit eine Existenzgrundlage für ihre Familien zu finden, lockte Arbeiter aus nah und fern, ja sogar katholisch Gläubige aus dem Böhmischen und dem Schlesischen an. So kam es, dass im protestantischen Plauenschen Grunde in Deuben eine katholische Gemeinde entstand und seit 1895 in der Kirche St. Joachim in der Johannisstraße beheimatet ist.

Aber auch die ansässigen evangelischen Kirchgemeinden, namentlich Döhlen und Pesterwitz, standen ob des Bevölkerungs- und damit Mitgliederzuwachses vor größten Problemen: zu kleine Kirchen und zu kleine Friedhöfe. So blieb nur, Deuben aus der Parochie Döhlen herauszulösen, eine eigen-ständige Kirchgemeinde zu begründen und in Deuben eine neue und ausreichend große Kirche zu bauen nebst Friedhof. Nach Plänen des damals 23-jährigen Architekten August Pieper (1844-1891) entstand 1868/69 der monumentale neogotische Sakralbau mit 1200 Plätzen.

Drei neue Schulhäuser

Hochachtung muss der Deubener Bildungspolitik entgegengebracht werden. Binnen 28 Jahren, nämlich 1844, 1861 und 1873, baut die Gemeinde Deuben für ihre Kinder drei (!) Schulhäuser an der heutigen Krönertstraße. „Mit einer einfachen Volksschule, einer höheren Volksschule und einer Fortbildungsschule ist Deuben Vorreiter in Sachsen. Nirgendwo gibt es sonst eine höhere Fortbildungsschule und ein so fortschrittliches Schulsystem“ (Festschrift zum 100-jährigen Bestehen 2007).

1883 folgt die vierte Schule auf der Pestalozzistraße, die 1899 nochmals durch zwei Flügel erweitert werden muss. Denn: Von den rund 11000 Einwohnern sind etwa 2200 lernende Kinder und Jugendliche. 1906 wird mit dem fünften Schulgebäude unter der Leitung des Potschappler Baumeisters Timmel begonnen. Nur ein Jahr später, am 16.September 1907, wird mit einem wirklich riesigen Volksfest, dem Daurafest, das Schulhaus auf der Krönertstraße eingeweiht. Seit 1956 die „Penne“, ist es heute das „Weißeritzgymnasium“. Auch bemerkenswert: 1876 wird in Deuben ein Kindergarten eröffnet und 1880 die Schul- und Volksbibliothek mit 392 Bänden.

Schon 1888 erbaute die Gemeinde ein ihrer Bedeutung gemäßes Rathaus, das nach gelungener Rekonstruktion seit 1995 wieder Ort kommunaler Verwaltung ist. 1905 bekommt Deuben endlich seinen Bahnhof, ein Sieg der Gemeinde.

Von Deuben und seinem verdienstvollen und weitsichtigen Gemeindevorstand Rudelt (1860-1946) ging überhaupt die Initiative zur Gründung der Stadt Freital aus.

Deuben ist das Ergebnis einer industriell geprägten Stadtentwicklung ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Heute eine Balance zwischen dieser Geschichte und zeitgemäßem Wohnen und Arbeiten zu finden, das beschäftigt den Stadtteil immer noch und immer wieder.

Folgende Ortsteile sind bereits in der Serie erschienen: Potschappel; Birkigt; Döhlen; Burgk und Zschiedge;