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„Kirche muss den Mut haben, sich zu öffnen“

Statt in Sohland singen die Prinzen nun in Großpostwitz. Pfarrer Christoph Kästner sagt, warum er sie eingeladen hat.

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© Carmen Schumann

Die Kirchgemeinde Sohland hat Nein gesagt. Sie will nicht, dass die Leipziger Popband die Prinzen auf ihrer diesjährigen Kirchentournee im Sohlander Gotteshaus spielt. Hiesige Prinzen-Fans müssen trotzdem nicht traurig sein. An dem ursprünglich für Sohland vorgesehenen Termin, dem 31. August, gastiert die Band nun in Weißwasser (die SZ berichtete) – und knapp zwei Wochen später noch einmal ganz in der Nähe von Bautzen. Denn die evangelische Kirchgemeinde Großpostwitz öffnet ihre Kirchentür für die Band. Die SZ sprach dazu mit Pfarrer Christoph Kästner.

Die Prinzen kommen nach Großpostwitz. Nach dem Wirbel um die Absage eines Konzertes in Sohland steht nun fest: Die Leipziger Band tritt am 19.September in der Großpostwitzer Kirche auf. Neben ihren bekannten Hits wollen die Prinzen auf ihrer Kirchentourne
Die Prinzen kommen nach Großpostwitz. Nach dem Wirbel um die Absage eines Konzertes in Sohland steht nun fest: Die Leipziger Band tritt am 19.September in der Großpostwitzer Kirche auf. Neben ihren bekannten Hits wollen die Prinzen auf ihrer Kirchentourne

Herr Kästner, warum geht in Großpostwitz, was in Sohland nicht möglich ist?

Es liegt mir fern, die Entscheidung der Kirchgemeinde Sohland zu bewerten. Aber ich dachte, man sollte die Absage nicht einfach so stehen lassen. Kirche sollte den Mut haben, sich zu öffnen. Sie darf auch ein Ort sein, um sich kritisch mit der Gesellschaft auseinanderzusetzen, und sie darf auch politisch sein. Denken Sie an 1989, als sich Kirchen in Ostdeutschland geöffnet und dadurch zu den gesellschaftlichen Veränderungen beigetragen haben. Auch die Prinzen setzen sich in ihren Liedern kritisch mit der Gesellschaft auseinander. Wenn man es genau betrachtet, finden sich in ihren Texten auch Anliegen der Verkündigung. Zum Beispiel die Frage: Warum ist Geld so wichtig?

Wie hat die Kirchgemeinde auf Ihre Idee, die Prinzen einzuladen, reagiert?

Ich habe natürlich als Allererstes den Kirchenvorstand gefragt, und er hat die Idee befürwortet. Aus unserer Sicht spricht unter anderem auch dafür, dass die Bandmitglieder einen christlichen Hintergrund haben, vier haben im Thomanerchor gesungen, einer war im Kreuzchor. Außerdem sind die Prinzen ja schon in vielen anderen Kirchen aufgetreten, vor zwei Jahren zum Beispiel in Bischofswerda. Und nicht zuletzt ist es doch unsere Musik, in den Texten steckt ein Stück unserer Geschichte.

Also gibt es bei Ihnen nur Befürworter?

Auch bei uns gibt es unterschiedliche Meinungen und Menschen, die dem skeptisch gegenüberstehen und meinen, die Kirche sollte sich nur mit der Bibel beschäftigen. Das haben wir schon gespürt, als zum Beispiel unsere Kantorin mit den Kindern das Tabaluga-Musical von Peter Maffay einstudiert hat. Aber ich sehe das nicht so verbissen. Wichtig ist, dass das, was in der Kirche passiert, der christlichen Botschaft nicht widerspricht.

Was versprechen Sie sich vom Auftritt der Band in Ihrer Kirche?

Natürlich wird unsere Region auch ein bisschen interessanter, wenn bekannte Bands mal hier auftreten und man deshalb nicht unbedingt nach Dresden oder weiter fahren muss. Aber es geht mir nicht nur um ein Event, sondern – wie schon gesagt – darum, die Kirche zu öffnen.

Glauben Sie, dass durch solche Auftritte Menschen zur Kirche finden, die sonst nie einen Fuß hineinsetzen würden?

Wir müssen uns einfach fragen, wie wir Interesse wecken können. Mir ist wichtig, dass Kirche, mit dem, was sie tut, bei den Menschen ankommt. Leider gibt es heute ein gewisses Maß an Entfremdung. Deshalb überlegen wir, wie man die Schwellenangst herabsetzen kann. Wir tun das auf vielfältige Weise. So ist unsere Kirche im Sommer jeden Freitagnachmittag offen. Dann kann jeder unabhängig vom Gottesdienst einkehren, Ruhe und Besinnung finden oder sie einfach besichtigen. Erholung und Erbauung in unserem rasanten Alltag – das kann auch ein Konzert bieten.

In der Großpostwitzer Kirche finden öfter Konzerte statt. Gunther Emmerlich war schon da, ebenso Liedermacher Gerhard Schöne. Ist das Prinzen-Gastspiel dennoch eine besondere Herausforderung für Sie?

Die wichtigsten Voraussetzungen sind gegeben. Unsere Kirche bietet ausreichend Plätze, so werden wir 850 Karten verkaufen können. Und sie kann per Lkw angefahren werden, um die Konzerttechnik abzuladen. Im Kirchgemeindehaus können sich die Musiker in Ruhe auf ihren Auftritt vorbeireiten. Trotzdem müssen wir natürlich einige Hausaufgaben machen, unter anderem für einen zusätzlichen Stromanschluss sorgen. Und für den Konzerttag brauchen wir viele freiwillige Helfer, die zum Beispiel den Besuchern den Weg zu den Parkplätzen weisen. Das ist schon eine Herausforderung für uns, zumal wir an diesem Wochenende im September auch noch Erntedankfest feiern und zugleich das 100-jährige Bestehen unseres Kirchgemeindehauses.

Wie ist bisher die Resonanz auf die Konzert-Ankündigung?

Seit dieser Woche gehen die ersten Anfragen ein. Aber der Kartenvorverkauf beginnt wie angekündigt erst Anfang März.

Gespräch: Madeleine Siegl-Mickisch

Die Prinzen gastieren am 19. September, 20 Uhr, in der evangelischen Kirche Großpostwitz. Die Eintrittskarten kosten 39 Euro.

Der Vorverkauf beginnt am 3. März in Großpostwitz im Dorfladen Symmank, Bergstraße 1, 035938 9146, und in Wilthen bei Foto Lohse, Bahnhofstraße 12,

03592 30127. Im Großpostwitzer Pfarramt, Hauptstraße 1, 035938 98237, gibt es ebenfalls Karten, und zwar Dienstag und Donnerstag 9 bis 12 und 15 bis 18 Uhr.