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Sachsens Kirchen verlieren immer mehr Mitglieder

Deutschlandweit gab es letztes Jahr so viele Austritte wie nie. Und wegen Corona gibt es auch weniger Kirchensteuer.

Die Evangelische Landeskirche als größte Kirche Sachsen hat im vergangenen Jahr 13.500 Mitglieder eingebüßt. Und auch die Katholiken verlieren Gläubige.
Die Evangelische Landeskirche als größte Kirche Sachsen hat im vergangenen Jahr 13.500 Mitglieder eingebüßt. Und auch die Katholiken verlieren Gläubige. © Thomas Kretschel

Dresden. Es ist ein Trend, der anhält, auch in der Corona-Zeit: Die beiden großen Kirchen im Freistaat verzeichnen erhebliche Mitgliederverluste. Zudem drohen im Zuge der Pandemie finanzielle Einschnitte.

Die Evangelische Landeskirche als größte Kirche Sachsen hat im vergangenen Jahr 13.500 Mitglieder eingebüßt. Ende 2019 gehörten ihr noch 663.525 Gläubige an. Und diese Entwicklung dürfte sich Prognosen zufolge fortsetzen, die für das Jahr 2040 nur noch 416.000 Mitglieder vorhersagen.

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Auch die Katholiken verlieren Gläubige. Das Bistum Dresden-Meißen zählte in seinem Kirchengebiet mit Gemeinden in Sachsen und im Osten Thüringens zuletzt 140.363 Mitglieder. Das ist nach einem längeren Anstieg bei den Zahlen das dritte Jahr mit einem Rückgang seit 2017. Mehr als 2.000 Katholiken traten hier aus der Kirche aus. Ein leichtes Minus verzeichnete auch das kleinste deutsche Bistum: Görlitz. In den Gemeinden, die sich auch auf Brandenburger Gebiet erstrecken, lebten Ende des vergangenen Jahres 29.621 Katholiken – 50 weniger als ein Jahr zuvor.

Zahlen sind "Wegweiser zu Gott"

Die Daten gehen aus den Statistiken hervor, die Kirchen Ende Juni für ganz Deutschland veröffentlichten. Im ganzen Bundesgebiet ist demnach die Tendenz rückläufig. Die Mitgliederverluste erreichten 2019 einen historischen Höchststand. Über eine halbe Million Protestanten und Katholiken verließen ihre Kirchen. Nur noch 52 Prozent der Deutschen sind in einer der beiden großen christlichen Glaubensrichtungen konfessionell gebunden.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, gibt zu, dass jeder einzelne Austritt schmerze – auch weil die Mitarbeiter in den Gemeinden hochmotiviert seien. Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, betonte: „Die Austrittszahl zeigt, dass die Entfremdung zwischen Kirchenmitgliedern und einem Glaubensleben in der kirchlichen Gemeinschaft noch stärker geworden ist.“ Dresdens katholischer Bischof Heinrich Timmerevers sieht die Kirche im Umbruch. „Wir werden unser Denken verändern müssen.“ Die Zahlen sollten aber nicht als Bedrohung sondern als „Wegweiser auch auf dem Weg hin zu Gott“ verstanden werden.

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Neben dem Mitgliederschwund gibt es auch einen Einnahmeschwund. Die evangelische Landeskirche erwartet für 2020 rund 17 bis 24 Millionen Euro weniger Kirchensteuer. Das entspricht einem Verlust von 15 bis 20 Prozent. Das Bistum Dresden-Meißen rechnet mit einem Rückgang um elf Prozent. Grund ist vor allem die coronabedingte Kurzarbeit. Die Steuer ist an die Lohn- und Einkommenssteuer gekoppelt. Auf Kurzarbeitergeld wird aber keine Kirchensteuer erhoben. (mit epd)

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