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Sebnitz

Wer übernimmt Seelsorge in Coronazeiten?

Keine Gottesdienste. Keine Familienkreise. Wie die Pfarrer Kontakt zu ihrer Gemeinde halten.

Leer Kirchen. Doch es gibt Möglichkeiten zu Seelsorge in Corona-Zeiten.
Leer Kirchen. Doch es gibt Möglichkeiten zu Seelsorge in Corona-Zeiten. © Daniel Schäfer

Die Kirchen im Landkreis sind zu Gottesdienstzeiten mehr oder weniger gut gefüllt. Doch inzwischen dürfen diese nicht mehr gefeiert werden. Und wer bislang auf andere Räume oder heimische Gefilde ausgewichen ist, wird nun auch mit Einschränkungen leben müssen. Eine Herausforderung auch für die Pfarrer, Pastoren und Gemeindereferenten in der Sächsischen Schweiz. 

Das bestätigt Dr. Luise Schramm, evangelisch-lutherische Pfarrerin für Bad Schandau und Porschdorf. "Auch für uns ist das eine noch ungewohnte Situation und wir sind noch am Überlegen, wie wir am besten für die Gemeindeglieder da sein können", sagt sie. Die St.-Johannis-Kirche in Bad Schandau ist täglich für die persönliche Andacht geöffnet. Außerdem wird auf die Gottesdienste in Funk und Fernsehen verwiesen. Und für ihre Kirchgemeinde bietet Pfarrerin Schramm telefonisch seelsorgerische Gespräche an.

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Landesbischof Tobias Bilz macht Mut. "Für uns Christen gilt: Gute und schlimme Tage, Hoffnungen und Sorgen, unverhofftes Glück und plötzliche Not gehören in unsere Beziehung zu Gott. Wir wenden uns besonders dann an ihn, wenn wir nicht mehr weiterwissen. Jetzt erleben wir einen solchen Moment. Deshalb klagen wir Gott unsere Not und erbitten von ihm Zuversicht und Stärke", sagt er.

Pfarrer bleiben weiter erreichbar

Lothar Gulbin, Pfarrer für die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Sebnitz-Hohnstein, findet, dass die geistliche Einschätzung der Situation sehr wichtig ist. "Für Gespräche sind alle Pfarrer über Telefon und E-Mail sehr gut erreichbar und ansprechbar. Bei Facebook und Instagram gibt es den Hashtag #ansprechbar. Ich selbst bin auf Instagram mit dem Namen @bruecken.bauer unterwegs und ansprechbar für alle – egal, woher sie kommen, und egal, wie viel sie mit Kirche zu tun haben", sagt er.

Hausbesuche macht er nur bei dringenden seelsorgerischen Anliegen und unter Beachtung der Hygienevorschriften. Denn erstens ist er als Pfarrer potenzieller Überträger des Virus, da er in den letzten Wochen Kontakt mit sehr vielen Menschen aus unterschiedlichen Gruppen und Orten hatte. Und zweitens möchte er als Pfarrer für die Menschen da sein. Wenn er selbst krank werde, könne er das nicht.  

Er glaubt, gerade jetzt ist dieser Zusammenhalt wichtig. "Wir jüngeren Menschen sind über das Internet gut vernetzt. Aber ich kenne etliche Menschen, denen selbst das Telefonieren schwer fällt, weil sie kaum etwas verstehen. Für manche Gemeindeglieder sind der Sonntagsgottesdienst und der Seniorenkreis der Höhepunkt des ganzen Monats. Wenn das wegfällt, ist das sehr schwer für sie", sagt Pfarrer Gulbins.

 Er empfiehlt aber auf jeden Fall auch persönliche Gottesdienste, Bibellese, Gebet und Beschäftigung mit geistlichen Fragen. Darüber hinaus suche er nach Möglichkeiten, Gottesdienste online zu übertragen, eventuell als Livestream oder als Video bei Youtube. Wer sich  dabei auskenne und unterstützen möchte, könne sich gern bei ihm melden. Darüber hinaus hat die Kirchgemeinde einen Aufruf gestartet unter dem Motto "Wir sind für sie da". Wer Fragen hat oder Unterstützung braucht, sollte sich ganz einfach bei Pfarrer Lothar Gulbins melden.

Kirchen zum Einzelgebet noch offen

Cornelius Epperlein, evangelischer Pfarramtsleiter in Pirna, hat sich ebenfalls an seine Gemeindeglieder gewendet. Er appelliert an sie,  selbst mitzuhelfen, möglichst viele Verbreitungswege des Virus zu minimieren und auch die Bildung von Menschenansammlungen zu vermeiden. "Das trifft uns als Gemeinde, die wir den Gemeinschaftssinn im Namen tragen, im Kern unseres Selbstverständnisses und unserer Arbeit", sagt er. Auch Pfarrer Epperlein hat seine Gemeinde auf einen Notfallplan eingeschworen. So soll zum Beispiel dafür gesorgt werden, die Marienkirche möglichst zu den angegebenen Öffnungszeiten offen zu halten. Das werden die ehrenamtlich Mitarbeitenden weiter tun. Des Weiteren ruft er dazu auf, Gottesdienste über Funk und Fernsehen zu verfolgen, sich im Internet zu informieren und im stillen Gebet auch persönlich zu verharren. Das Pfarramt ist zwar geöffnet. Doch auch da empfiehlt sich der telefonische Kontakt oder auch per E-Mail.

Die katholische Pfarrei St. Heinrich und Kunigunde mit Sitz in Pirna mit ihren neun Kirchen hat sich ebenfalls auf die neuen Bedingungen eingestellt. Man bemühe sich, die Kunigundenkirche auf der Külzstraße 3 in Pirna tagsüber als Rückzugsort und für das Gebet der Einzelnen offen zu halten. Das soll geschehen, bis es die Sicherheitsvorkehrungen nicht mehr zu lassen, sagt Benno Kitzel, Gemeindereferent in St. Heinrich und Kunigunde. Der Raum solle mit seiner Stille und der Möglichkeit, eine Kerze zu entzünden, einen friedlichen Ort bieten. 

Und natürlich müssen sich Pfarrer, Pastoren und Referenten sowie ihre Mitarbeiter auch selbst schützen. Aus diesem Grund werden sie sich künftig nicht mehr persönlich zu Besprechungen treffen, sondern sich über Videokonferenz absprechen.

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