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Kirchenschätze auf Reisen

Zwei Heiligenfiguren aus der Kreuzkirche Bischofswerda sind seit dem Wochenende in Stolpen zu sehen. Auch für Schiebocker eine Chance, sie neu zu entdecken.

© Tobias Mickel

Bischofswerda. Wer Bischofswerdas Kreuzkirche am Alten Friedhof betritt, schaut gewöhnlich zu ihnen auf: zu Maria, die auf einer Mondsichel steht, und zur Heiligen Barbara. Zurzeit ist das aber nicht möglich. Ende Mai gingen beide Statuen für ein Vierteljahr auf Reisen. Seit dem Wochenende sind sie im Kornhaus auf Burg Stolpen in einer Sonderausstellung zum 800-jährigen Jubiläum der Burgstadt zu sehen.

Damit kehren beide Heiligenstatuen vorübergehend zu ihren Wurzeln zurück. Denn sie stammen ursprünglich aus der Kapelle der Burg Stolpen. Sie kamen als Geschenk des sächsischen Königs Friedrich August nach dem großen Stadtbrand vom 12. Mai 1813 nach Bischofswerda. Für den Monarchen, der sich mit Napoleon verbündet hatte, wohl auch eine Art Wiedergutmachung an der Stadt, nachdem Napoleonische Truppen auf ihrem Rückzug aus Russland ganz Bischofswerda, vermutlich aus Unachtsamkeit, in Brand gesteckt hatten. Selbst die Stadtkirche wurde so stark beschädigt, dass die gotischen Gewölbe wenige Tage nach dem Brand einstürzten.

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„Für die Ausstellung leihen wir die Statuen gern aus“, teilt die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Bischofswerda mit. Denn auch Schiebocker haben davon ihr Gutes: Ihnen gibt die Ausstellung in Stolpen die seltene Gelegenheit, beide Figuren aus der Nähe zu betrachten. In der Kreuzkirche ist das nicht möglich.

Historikerstreit um wahres Alter

Gezeigt werden Maria und Barbara in der Sonderausstellung „Stolpen 800 – Der Anbeginn“, die am Sonntag zu Beginn einer Festwoche eröffnet wurde. Sie soll etwas mehr Licht in Stolpens frühe Geschichte bringen, an der kürzlich ein Streit unter Historikern über das wahre Alter der Stadt entflammt ist. Schon den slawischen Völkern, die ab dem 6. Jahrhundert in diese Region einwanderten, blieb der markante Basaltberg nicht verborgen. „Stolpen“ ist ein slawisches Lehnwort und bedeutet so viel wie „Säule“. Doch siedelten die Slawen vorerst dort nicht.

Ab dem frühen 13. Jahrhundert kolonisierten die Bischöfe von Meißen das Stolpener Land. Bischof Bruno II. kaufte von einem Slawen namens Moyko diesen Flecken, übernahm eine erste Burganlage und machte sie zum Mittelpunkt einer lokalen Herrschaft. Das soll im Jahre 1218 gewesen sein – behauptete jedenfalls ein Gelehrter, der 350 Jahre später eine Chronik verfasste. Der Kaufvertrag ging verloren. Doch hatte sich der Bischof Geld leihen müssen. Und diese Transaktionen erforderten weitere Dokumente, die zumindest teilweise erhalten geblieben sind.

So kann man heute nachweisen, dass 1222 die Örtlichkeit Stolpen erstmals urkundlich erwähnt und 1227 die Burg Stolpen erstmals schriftlich genannt ist. Doch die Stolpener wollten offenbar mit ihrer 800-Jahr-Feier nicht noch weitere Jahre warten (SZ/ir/aw)

Die Ausstellung ist bis zum 12. August täglich von 10 bis 18 Uhr auf Burg Stolpen zu sehen.