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Frohe Botschaft im Briefkasten

Wegen Corona müssen Christen diesmal Ostern anders feiern als gewohnt. Das bringt auch kreative Ideen hervor, wie ein Beispiel aus Kamenz zeigt.

Die Kamenzer Pfarrer Claudia Wolf und Michael Gärtner freuen sich auf das Osterfest - auch wenn sie die Gottesdienste diesmal auf ungewöhnliche Art und Weise feiern.
Die Kamenzer Pfarrer Claudia Wolf und Michael Gärtner freuen sich auf das Osterfest - auch wenn sie die Gottesdienste diesmal auf ungewöhnliche Art und Weise feiern. © Matthias Schumann

Kamenz. "Die frohe Botschaft zuerst: Ostern wird auch 2020 nicht ausfallen!"Die das mit einem Schmunzeln auf den Lippen sagen, wissen, wovon sie sprechen. Claudia Wolf und  Michael Gärtner sind als Pfarrer bereits seit 2011 für die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde  Kamenz im Dienst. Die Beiden spüren, was ihre "Schäfchen" momentan brauchen: Zuwendung, ein offenes Ohr, Verständnis und am besten ein ganz persönliches Wort. 

Genau das verschickt die Kirchgemeinde derzeit  per handgeschriebener Osterkarte an alle Mitglieder, einschließlich Cunnersdorf und Schmeckwitz. "Natürlich schaffen wir es nicht, rund 2.000 Osterkarten allein zu schreiben", sagt Claudia Wolf.

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Viele Briefschreiber haben geholfen

Aus diesem Grund ziehen alle mit - vom Kirchenmitarbeiter bis zum Kirchenmusikdirektor, von der Jungen Gemeinde bis zum Kirchenvorstand. "Ganze Familien saßen allabendlich an den Tischen und verfassten ihre ganz persönliche Botschaft an andere Gläubige. Auch das hat verbunden", weiß die Pfarrerin.

Die Briefe wurden in den meisten Fällen persönlich in die Briefkästen der Gemeindemitglieder gesteckt. "Einen Vordruck gab es von uns als Kirche darauf und einen Zusatz, wo man uns in der schweren Zeit erreichen kann", sagen die Pfarrer. Erste Rückmeldungen habe es bereits gegeben. Vor allem ältere Leute seien begeistert von der Briefaktion, aber auch Kinder. "Wann bekommt man heutzutage schon noch einen handgeschriebenen Brief", sagt die Pfarrerin.

Solche handgeschriebenen Osterkarten wurden an 2.000 Gemeindemitglieder in Kamenz, Schmeckwitz und Cunnersdorf verschickt. Ein Mega-Projekt vieler fleißiger, ehrenamtlicher Hände.
Solche handgeschriebenen Osterkarten wurden an 2.000 Gemeindemitglieder in Kamenz, Schmeckwitz und Cunnersdorf verschickt. Ein Mega-Projekt vieler fleißiger, ehrenamtlicher Hände. © 2017 [email protected]

Das Osterfest wird diesmal anders. Seit Wochen wird die Bevölkerung darauf eingeschworen. Auch wenn Verständnis für die Situation da ist, kommt das im Herzen nicht immer vollständig an. Keine Gottesdienste, keine Andachten, keine Konzerte - den Menschen wird etwas fehlen. "In den letzten Tagen erreichten uns viele Anrufe von Gemeindemitgliedern, die einfach darüber sprechen mussten. Es gab  Fragen, was die Kirche vorbereitet, damit Ostern doch irgendwie Ostern wird", sagt Michael Gärtner. 

Seelsorgerische Aufgaben stehen in der Corona-Krise an vorderster Stelle. Doch der Zusammenhalt wächst, Hilfsbereitschaft und kreative Ideen sprudelten in den letzten Tagen. "Ich denke, im normalen Alltag wurden diese  Dinge in der Vergangenheit zu wenig abgerufen. Da schlummert Potenzial in uns", so Claudia Wolf. Auch wenn Hilfsangebote der Kirchgemeinde noch nicht genug genutzt werden. "Andererseits zeigt es, wie intakt unsere Gesellschaft im Kleinen doch noch ist."

Regenbogen-Aktion für Kinder

Eine schöne Aktion im Vorfeld des Osterfestes ist aber auch die Aktion "Kommt, wir malen einen Regenbogen".  In einer Galerie auf der Homepage der Kirchgemeinde werden die Fotos der Kinder  gezeigt, außerdem werden sie ins eigene Fenster gehängt. Die schönsten drei bekommen einen Preis. Und auf dem Osterspaziergang mit der Familie können die Regenbogenbilder stadtweit gesucht werden.

St. Marien zeitweise zum Gebet geöffnet

Wer das Bedürfnis hat, am Karfreitag und Ostersonntag  der Kirche nah zu sein, hat die Möglichkeit, zum persönlichen Gebet vorbeizuschauen. "Es finden natürlich keine Gottesdienste statt, dafür haben wir zwei Video-Andachten vorproduziert, denen man im Internet folgen kann. Am Sonntag sogar einen für Familien und Kinder", so Michael Gärtner. "Aber jeweils zum großen Geläut öffnen wir St. Marien für eine Stunde -  Freitag 15 Uhr und Sonntag 10 und 12 Uhr.

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