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Kirchspiel will acht Orte bewahren

Damit die eigene Geschichte in der Zukunft nicht verloren geht, soll eine Stiftung entstehen.

Von Andreas Kirschke

Das Kirchspiel Schleife mit seinen acht Dörfern braucht unter den Bedingungen des Bergbaus langfristige Perspektiven. „Zum Erhalt und zur Stärkung der sorbischen Kultur ist die Unterstützung der gesamten Einwohnerschaft aller dazugehörigen Dörfer notwendig“, unterstrich Dr. Fabian Jacobs, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Sorbischen Instituts im Bereich Geschichts- und Kulturforschung, jetzt zur Ratssitzung in Schleife. Hier stellte er das „Konzept zur Ermutigung und Belebung der sorbischen Sprache im Kirchspiel Schleife“ vor. Erstellt hat es Regionalsprecher Manfred Hermasch.

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Wissenschaftlich begleiten Dr. Elka Tschernokoshewa und Dr. Fabian Jacobs vom Sorbischen Institut das Konzept. Es regt die verstärkte Förderung des Obersorbischen in den Projekten Witaj und 2plus an, ebenso eine Aufwertung des Schleifer Sorbisch im Kirchspiel. Dazu gehören die Bewahrung und Pflege des Liedgutes. Zugleich plädiert es für eine klar sichtbare Zweisprachigkeit in den Orten. Dies sollte sich an Straßenschildern und an Beschriftungen kommunaler Gebäude zeigen.

Nachbarschaftshilfe ist gefragt

Zugleich regt das Konzept die Einbindung sorbischer Kultur und Traditionen in das Tourismuskonzept der Gemeinde an. Dazu gehört die Bewahrung und Pflege der Schleifer Trachten und die Profilierung des Sorbischen Kulturzentrums Schleife. Lebensbilder aktiver sorbischer Kulturträger gilt es zu dokumentieren. Insbesondere sollte die Laien- und Nachwuchsarbeit der Kulturvereine im Kirchspiel gestärkt werden. Fabian Jacobs sprach sich für eine Traditionsbesinnung als Dörfer-Gemeinschaft aus. Zugleich mahnte er eine Stärkung der Nachbarschaften und des Ehrenamtes an.

Die langfristige Vision des Konzeptes ist, dass eine Stiftung entsteht. Sie soll zielgerichtet Maßnahmen anregen zur Unterstützung aller acht einzigartigen historisch gewachsenen Orte, zum Schutz der sorbischen Ortstypik und der jeweiligen Ortskultur. „Je Dorf könnte ein Vertreter mitarbeiten. Ein achtköpfiger Stiftungsbeirat könnte gezielt Maßnahmen anregen“, unterstrich Fabian Jacobs. „Diese Vision einer gleichberechtigten, dörferübergreifenden Struktur sollte weiter verfolgt werden.“

Manfred Hermasch, Regionalsprecher der Domowina und Gemeinderat, hob hervor, dass das Konzept noch nicht öffentlich sei, sondern ein Arbeitspapier. „Möglichst im April, Mai wollen wir mit der Staatsregierung über notwendige Maßnahmen reden“, erläuterte er. „Danach gehen wir in die Verhandlungen mit Vattenfall.“