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Kirmes auf der Kippe

Das Aus der Gaststätte Stadt Löbau beschäftigt die Nieder Seifersdorfer. Die Theatergruppe ist bereits abgewandert.

Von Alexander Kempf

Vor der ehemaligen Gaststätte Stadt Löbau in Nieder Seifersdorf stehen zwei Blitzer. Würden deren Einnahmen der Gaststätte zufließen - vermutlich würde es sie noch geben. Doch die Wirklichkeit ist eine andere. Seit Weihnachten hat das Lokal nun schon geschlossen. Schon jetzt wird es schmerzlich vermisst. Denn das Haus ist bis zuletzt mehr gewesen als nur eine Gaststätte. Insbesondere im Saal spielt über Jahre hinweg das kulturelle Leben. Dort führt die Laienspielgruppe über Jahre ihre Stücke auf. Eine Vorstellung reicht da nicht. Für die Stücke müssen stets mehrere Termine angesetzt werden.

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In diesem Jahr stehen keine offiziellen Termine auf dem Programm. Zumindest noch nicht in Nieder Seifersdorf. Viele im Ort fragen sich daher, ob die Truppe mit der Tradition bricht. „Die Laiengruppe hat weite Kreise gezogen und oft Extraveranstaltungen gespielt. Das ist ein mächtiger Verlust für Nieder Seifersdorf“, sagt Roselies Nitsche. Viele im Ort werden der Vorsitzenden des Heimatvereins zustimmen. Immerhin gibt es eine gute Nachricht. Aufgelöst oder gar zur Ruhe gesetzt hat sich das engagierte Ensemble noch nicht. Es ist vielmehr umgezogen und spielt nun demnächst im Schützenaus in Weißenberg.

Ein Umzug bleibt dem Heimatverein Nieder Seifersdorf erspart. Denn er hat sein eigenes Vereinshaus, erklärt Roselies Nitsche. Aber auch für sie stellt das Aus der Gaststätte Stadt Löbau einen großen Verlust dar. Denn dort hat der Verein bisher seine jährliche Kirmes organisiert. Die steht noch immer auf der Kippe. „Das bereitet uns Sorgen“, gesteht die Vereinsvorsitzende. Das Vereinshaus ist für die Großveranstaltung nicht geeignet. „Wo wir die Kirmes machen, ist noch nicht klar“, sagt Roselies Nitsche. Noch gut ein halbes Jahr haben sie und die anderen Zeit, eine Lösung zu finden. Es ist kein leichtes Unterfangen. Denn eine Kirmes gehört in den Ort, die kann nicht einfach verlegt werden.

Kopfzerbrechen bereitet Roselies Nitsche insbesondere die Finanzierung des Festes. Die Gaststätte Stadt Löbau hat bei der Kirmes bisher die Verpflegung gestellt. Die Getränke aber schenkte der Verein aus. Die Einnahmen aus dem Verkauf sind wichtig gewesen, um die Kapelle für die Kirmes zu finanzieren. In der Gaststätte „Zum Landwirt“ geht die bisherige Rechnung so nicht mehr auf. „Wir müssen uns aber auch nichts vormachen. Wenn wir beim Tanz Eintritt verlangen, dann kommt keiner“, sagt die Vorsitzende des Heimatvereins. Ohne Geld keine Kapelle, ohne die kein Tanz. Ganz einfach.

Die Laienspielgruppe Nieder Seifersdorf benötigt keine Kapelle, aber Platz. Es ist nicht leicht gewesen, eine Alternative zum Saal in Nieder Seifersdorf zu finden. Nun habe die Truppe laut Ute Nitsche aber einen schönen Saal gefunden. „Wir spielen weiter. Und wir versuchen, auch im nächsten Jahr weiterzumachen“, sagt sie. Bereits am Wochenende soll es eine Vorstellung geben. Aber darüber möchte Ute Nitsche nicht sprechen. Die Schauspieler befinden sich mitten in den Proben und haben sich darauf verständigt, Fragen der Presse erst nach ihren Auftritten zu beantworten.

Auf Artikel oder Anzeigen sind die Schauspieler auch in der Vergangenheit nie angewiesen gewesen. Sie haben ein treues Publikum. Schon bald wird sich zeigen, ob es ihnen auch nach Weißenberg folgt. Die Truppe ist 1992 wiederbelebt worden. Sie knüpft aber an eine längere Tradition an. Bereits zwischen 1915 und 1955 hat es in Nieder Seifersdorf eine Laienspielgruppe gegeben. Viele Mitglieder sind schon seit vielen Jahren dabei. Kurz nach der letzten Aufführung eines Stücks wird gemeinsam ein neues ausgesucht. Nach einer kurzen Sommerpause im frühen Herbst werden schließlich die Rollen verteilt und einmal wöchentlich geprobt. Ihr Debüt haben die Schauspieler einst mit „Tante Lottchen wird nicht eingeladen“ im Saal der Gaststätte Stadt Löbau gegeben.

Der Saal gehört damals noch der Gemeinde. Die verkauft die Gaststätte Anfang 1998 an die Agrargenossenschaft Nieder Seifersdorf. „Im Kaufvertrag werden wir auch solche Detailfragen klären wie die Probenmöglichkeit der Laienspielgruppe“, verspricht Bürgermeister Horst Brückner damals. Tatsächlich tritt die Truppe weiter im Saal auf. Bis die Agrargenossenschaft das Lokal nach Weihnachten schließt. Die Einnahmen haben nicht gereicht. Die Heizung und das Dach hätten erneuert werden müssen. Dieses Geld ist nicht da gewesen. Dafür hätte es schon die Einnahmen aus den beiden Blitzern benötigt.