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Sebnitz

Kommt Hilfe für das Kirnitzschtal von oben?

Die Landwirte oberhalb des Tales haben breitere Grünstreifen angelegt, das geht allerdings nicht auf Dauer. Ein Experte erklärt, warum das so ist.

Mehrmals stürzten im vergangenen Jahr Wasser, Schlamm und Geröll ins Kirnitzschtal.
Mehrmals stürzten im vergangenen Jahr Wasser, Schlamm und Geröll ins Kirnitzschtal. © Marko Förster

Das Kirnitzschtal musste im vergangenen Jahr gleich mehrere Starkregen hintereinander verkraften. Geröll und Schlamm wälzten sich von den Hängen ins Tal, machten es unpassierbar. Mehrmals musste die Straße gesperrt und das Geröll beiseite geräumt werden.  Und das könnte immer wieder passieren. Denn wenn in kürzester Zeit unverhältnismäßig große Mengen an Regen niedergehen, reißt das Wasser von lockerer Erde bis hin zu großen Steinen alles mit. So fielen zum Beispiel Mitte Juli 2019 am  Lichtenhainer Wasserfall nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes 31 Liter Regen pro Quadratmeter in einer Stunde. Der Grenzwert für ein Unwetter liegt bei 25 Litern.

Dazu kommen  die topografischen Besonderheiten des Elbsandsteingebirges hinzu. Auf mittlerer Höhe, auf den sogenannten Ebenheiten, wird auf fruchtbaren Lehmböden Landwirtschaft betrieben. Die Felder grenzen unmittelbar an die steilen, bewaldeten Hänge. Der Wald an den Steilhängen vermag das Wasser nicht aufzuhalten. Die starken Niederschläge führen somit schnell zu Erdrutschen, die auch im Wald selbst Schäden verursachen.

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Ob eine andere Bewirtschaftung der Felder oberhalb des Kirnitzschtals die jüngsten Erdrutsche hätte verhindern können, ist nicht erwiesen. Aber es gab inzwischen mehrere Gespräche mit den Landwirten, sagt Jörg Hempel, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Saupsdorf. Der Betrieb hat mehrere Flächen oberhalb des Kirnitzschtales zum Beispiel in Mittelndorf und Altendorf gepachtet. Derzeit laufe ein Projekt der Bergakademie Freiberg. Das solle Schwachstellen aufzeigen, wo sich das Wasser staut beziehungsweise kanalisiert,  bevor es ins Tal schießt, sagt er. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Zumindest auf den Feldern, die die Agrargenossenschaft bewirtschaftet, habe man einen größeren Grünstreifen als sonst gelassen. Das geht allerdings nur für fünf Jahre. 

Das Problem ist, dass die Bewirtschafter meist nicht Eigentümer sondern Pächter sind.  Entsprechende EU-Richtlinien schreiben vor, dass man das fünf Jahre als Grünland lassen kann. "Dann muss umgebrochen werden. Ansonsten wird es für immer als Grünland eingestuft", sagt Jörg Hempel. Und es könne ja durchaus sein, dass der Eigentümer die Flächen als Ackerland behalten wolle. Das hat auch einen wirtschaftlichen Hintergrund. Denn für Ackerland kann man mehr Pacht verlangen als für Grünland. Auf jeden Fall wird in den nächsten fünf Jahren ein breiterer Grünstreifen vorhanden sein, der das Wasser schon erst einmal teilweise auffangen kann, bevor es ins Tal schießt. Ob es eine mögliche zusätzliche Schutzmaßnahme ist, muss allerdings beobachtet werden.

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