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Droht dem Kirnitzschtal der Kollaps?

Die Straße im Tal ist gerade jetzt proppenvoll. Nicht jeder Kraftfahrer ist auf der Suche nach einem Parkplatz. Einen zu finden, ist dennoch schwer.

Das Kirnitzschtal ist rammelvoll. Nicht erst seit Corona. Doch wohin mit den vielen Fahrzeugen.
Das Kirnitzschtal ist rammelvoll. Nicht erst seit Corona. Doch wohin mit den vielen Fahrzeugen. © Steffen Unger

Urlauber sind in der Sächsischen Schweiz immer herzlich willkommen. Allerdings ist das Elbsandsteingebirge offenbar nicht auf so einen Massenansturm vorbereitet, wie sich derzeit vor allem im Kirnitzschtal zeigt. Sächsische.de hat die Zahlen und Fakten dazu.

So viele Fahrzeuge sind tatsächlich unterwegs

Dass die Betten in Hotels und Pensionen derzeit gut ausgelastet sind, ist leicht zu ermitteln. Das gilt auch für die Übernachtungen auf Campingplätzen. Schwieriger wird es festzustellen, wie viele Tagestouristen sich auf den Weg ins Kirnitzschtal machen, ob sie mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind.

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Was die Fahrzeuge betrifft, kann das an der automatischen Dauerzählstelle am Ortsausgang von Bad Schandau gut nachvollzogen werden. Diese unterhält die Gesellschaft für Verkehrswesen und ingenieurtechnische Dienstleistung (List) wie 98 weitere im Freistaat im Auftrag des Sächsischen Verkehrsministeriums. Die aktuellste Auswertung gibt es für Mai 2020. Die Staatsstraße S 165 befuhren in dem Monat durchschnittlich 2.310 Fahrzeuge täglich. Das verteilt sich ziemlich genau zur Hälfte in jede Fahrtrichtung. Zum Vergleich: das waren 2,5 Prozent mehr als im Mai 2019. Dabei waren erst ab Mitte Mai 2020 wieder touristische Übernachtungen möglich. Der Zuwachs dürfte sich im Juni und Juli noch mal erhöht haben.

Seit Jahren nimmt der Verkehr zu. Im Jahr 2018 stieg der durchschnittliche Wert erstmals über 2.000 Fahrzeuge pro Tag. Das wurde auch 2019 mit 2042 Fahrzeugen pro Tag erreicht. Das ist etwa 20 Prozent mehr als 2010. Dass das Tal die Autoflut nicht aufnehmen kann, zeigen erst recht die absoluten Tageshöchstwerte. Am 21. Mai dieses Jahres wurden – beide Richtungen summiert - 4.294 Fahrten registriert. Das ist beinahe der absolute Höchstwert, der jemals gemessen wurde, seit die Zählstelle vor 24 Jahren in Betrieb ging. Lediglich am 2. Oktober 2011 waren es mit 4.312 und am 23. Mai 1999 mit 4.672 Fahrzeugen mehr. Wo sollen die mehr als 2.000 Autos hin, die im Extremfall ins Kirnitzschtal einrollen? Oder muss ab dieser Zahl das Tal geschlossen werden?

660 Parkplätze für 2.000 Fahrzeuge

Die Suche nach einem Parkplatz im Kirnitzschtal kann in diesen Zeiten schnell zum Kampf um diesen ausarten. Und es sollen sich durchaus auch schon unschöne Szenen abgespielt haben. Ein Test von Sächsische.de vor einigen Tagen kam zu dem Ergebnis dass, wer einen Parkplatz im Kirnitzschtal ergattern möchte, schon weit vor dem Mittag vor Ort sein muss. Spätestens dann sind die freien Plätze belegt. Wer sich dann trotzdem noch ins Parkverbot stellt, riskiert einen Strafzettel. Das Sebnitzer Ordnungsamt stellte allein an zwei Juliwochenenden 132 Verstöße nur im Kirnitzschtal fest. Doch wo sollen die mehr als 2.000 Autos hin, die im Extremfall ins Kirnitzschtal einrollen? 

Entlang des Tales gibt es an den Gaststätten Parkplätze, aber auch kleinere Wanderparkplätze zwischendurch. Die Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz  unterhält im Kirnitzschtal insgesamt 120 kostenpflichtige Parkplätze und 95 kostenlose Parkplätze vor. An den Gaststätten entlang des Tales gibt es noch einmal 275 Parkplätze, die aber vorwiegend für Besucher in den Gaststätten gedacht sind. In Summe kommen im Kirnitzschtal somit 490 Parkplätze zusammen. 

Hier kann im Kirnitzschtal geparkt werden. Zusätzlich gibt es noch drei kleinere Parkplätze in Lichtenhain, Mittelndorf und Altendorf.
Hier kann im Kirnitzschtal geparkt werden. Zusätzlich gibt es noch drei kleinere Parkplätze in Lichtenhain, Mittelndorf und Altendorf. © SZ Grafik

Weiter oben im Sebnitzer Ortsteil Hinterhermsdorf kommen weitere 170 kostenpflichtige Parkplätze der Stadt Sebnitz hinzu. Auch von hier kann das Kirnitzschtal erwandert werden. Summa summarum stehen 660 Parkplätze im Wandereinzugsgebiet Kirnitzschtal zur Verfügung. Nochmal zur Erinnerung. In Spitzenzeiten rollen 2.000 Fahrzeuge oder auch mehr ins Tal. Droht dem Kirnitzschtal bald ein Verkehrs-Kollaps.  Gibt es bereits Überlegungen, dass Tal zu sperren, wenn genug Fahrzeuge die Straße passiert haben? 

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Vorerst gibt es die Empfehlung, auch weiter entfernt liegende Parkplätze mit zu nutzen. Zwei größere gibt es da in Ottendorf und Saupsdorf und drei kleinere in Mittelndorf, Lichtenhain und Altendorf. Auch auf den Parkplatz am Nationalparkbahnhof in Bad Schandau wird verwiesen. Allerdings, so zeigte der Test von Sächsische.de ist der am Wochenende auch meist am frühen Morgen bereits voll. Die Nationalparkverwaltung appelliert an die Besucher vor allem die öffentlichen Verkehrsmittel und dann die Nationalpark-Buslinie nach Hinterhermsdorf beziehungsweise die Kirnitzschtalbahn zu nutzen. 

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