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Kisten, Briefe und ein neuer Türke in Görlitz

Was Willi Xylander seit gestern hinter sich hat, steckt Eberhard Nagel noch ein paar Tage gut in den Knochen:Umzugsstress. Der Arbeitsamtsleiter hat sich zwar gestern noch die Zeit genommen, Xylander bei der Eröffnung des Naturkundemuseums zu beehren.

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Von Frank Seibel

Was Willi Xylander seit gestern hinter sich hat, steckt Eberhard Nagel noch ein paar Tage gut in den Knochen:Umzugsstress. Der Arbeitsamtsleiter hat sich zwar gestern noch die Zeit genommen, Xylander bei der Eröffnung des Naturkundemuseums zu beehren. Doch statt Sekt gab‘s Apfelschorle und den Blick auf die Uhr. Nagel musste noch mal ins neue Arbeitsamt in der Lunitz, sein Büro einräumen.

Offenbar hat Nagel auf eine Unterstützung nicht zurückgegriffen, die bei der Museumsneugestaltung sehr hilfreich war: ABM-Kräfte. Dass er viele solcher Stellen fürs Museum bewilligt hat, wurde ihm hoch angerechnet.

Michel Wieler hat offenbar herausgefunden, wie das funktioniert. Der Theaterintendant hat dem Arbeitsamts-Chef einen dicken Umschlag zugesteckt, den Eberhard Nagel in seinem Sakko verschwinden ließ. Ob es nur ABM-Anträge oder aber auch Schmiermittel waren, blieb freilich das Geheimnis der beiden.

Nagel hatte aber immerhin einen Witz aus Russland parat. Dort seien die Behörden zwar genauso schrecklich bürokratisch wie anderswo – aber immerhin korrupt. Soll ein Unternehmer gesagt haben.

Den heiklen Umgang mit Behörden hat auch Matthias Schneider kennen gelernt. Der schnauzbärtige Stadtmarketing-Chef wurde bei einer Bootstour in der Türkei für einen türkischen Matrosen gehalten. Der Kapitän des Schiffes brauchte wohl einige Zeit, um den Hafenbehörden glaubhaft zu versichern, dass sich hinter dem dunklen Schnauzer ein deutscher Tourist verbirgt. Am Festland angekommen, wurde er von Freunden denn auch gleich als „Mustafa“ begrüßt.

Bei Erika Lüders reichten die Überredungskünste auf dem Amt indes nicht aus. Ihr Vorschlag, die Stadt könnte doch mit den Hundemarken auch gleich spezielle Kot-Beutel ausgeben (für ein paar Euro extra), stieß offenbar nicht auf Gegenliebe. So organisierte sich die engangierte Görlitzerin eine Großpackung bei einer Spezialfirma, die sonst nur an Rathäuser abgegeben werden. Jetzt muss nur noch ihr Hund oft genug müssen.