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Kistenweise Kerzen

Zweimal in Folge hatte es bei der Riesaer Kerzensammelaktion einen Rekord gegeben. Ein drittes Mal auch?

Von Christoph Scharf
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Einer schleppt, einer misst, eine schreibt: Am Freitag wurde in der Elbgalerie das Ergebnis der diesjährigen Kerzensammelaktion ermittelt - unter anderem von Gunter Spies (l) und Andree Schittko (r).
Einer schleppt, einer misst, eine schreibt: Am Freitag wurde in der Elbgalerie das Ergebnis der diesjährigen Kerzensammelaktion ermittelt - unter anderem von Gunter Spies (l) und Andree Schittko (r). © Sebastian Schultz

Riesa. Die Aufgaben sind klar verteilt. In kurzärmeligem Hemd wuchtet Gunter Spies mit Arbeitshandschuhen eine Kiste nach der anderen auf die Wage. Gegenüber liest Andree Schittko die Werte von der elektronischen Anzeige ab, wie immer in Anzug und gebügeltem Hemd, die Krawatte sitzt korrekt. "29 Kilo, 16 Kilo, 14,8", gibt er die Werte nach hinten durch, wo eine Dame konzentriert einen Block ausfüllt. Um sie herum hat sich an diesem Freitagvormittag schnell ein kleiner Auflauf gebildet. Während manche Kunden mit vollgepackten Einkaufskörben vorbei hasten, bleiben andere im Zentrum der Elbgalerie stehen, um die Aktion zu beobachten. 


Der Klassiker: Die von Schülern aus Riesaer Wachsresten handgefertigten Schmuckkerzen.
Der Klassiker: Die von Schülern aus Riesaer Wachsresten handgefertigten Schmuckkerzen. © Sebastian Schultz
Die Nützlichen: Aus Holz- und Wachsresten entstehen praktische Grill- oder Kaminanzünder.
Die Nützlichen: Aus Holz- und Wachsresten entstehen praktische Grill- oder Kaminanzünder. © Sebastian Schultz
Die Neuen: Holzstab, Konservendose, doppelt getränkte Toilettenpapierrolle - solche Fackeln eignen sich auch als originelle Mitbringsel zur Gartenparty.
Die Neuen: Holzstab, Konservendose, doppelt getränkte Toilettenpapierrolle - solche Fackeln eignen sich auch als originelle Mitbringsel zur Gartenparty. © Sebastian Schultz

Seit 2010 sammelt der Stadtbahnverein in der Weihnachtszeit Stummel ein, ungeliebte Dekokerzen, Wachsreste aller Art. Was mit dem Ziel begonnen hatte, die im Hotel Mercure anfallenden Kerzenreste sinnvoll zu verwenden, hat sich über die Jahre zu einer echten Großaktion entwickelt: 2018 war erstmals die Ein-Tonnen-Marke geknackt worden, 2019 waren es mehr als 1,2 Tonnen. Folgt nun der dritte Rekord? Braumeister Gunter Spies wuchtet weiter Kiste um Kiste auf die Waage. Schüler der Diakonie-Förderschule aus Großenhain heben sie wieder runter und stapeln sie in Rollcontainern auf. "11,4 Kilo, 15,2 Kilo", verkündet Centermanager Andree Schittko, während neben ihm Mitarbeiter der Diakonie Riesa-Großenhain die Endprodukte der jährlichen Aktion auf Tischen in Szene rücken. Kerzen in allen möglichen Farben, rund und eckig, dick und schlank haben sie vor sich aufgebaut. Die Schüler stellen sie immer donnerstags her, dann ist "produktiver Tag" in der Förderschule. Während sich die Jugendlichen bei der Produktion ausprobieren können, sorgen erfahrene Ehrenamtliche dafür, dass zwischen Schmelzbehälter und Formenlager technisch auch alles aufgeht.

Zwei Stunden eindrucksvolles Flammenbild

Dieses Mal hat man in der Kerzenzieherei ein völlig neues Produkt entwickelt: eine Recyclingfackel für den Garten. Die besteht aus einer Art angespitztem Besenstiel und einer aufmontierten Konservendose. Befüllt wird sie mit einem Wachsobjekt, das auf den ersten Blick optisch an einen Baumkuchen erinnert - aber in der Form verdächtig einer Rolle Toilettenpapier ähnelt. Die steckt auch drin, verrät ein Schüler. "Wir haben sie versuchsweise in ein Bad mit heißem Wachs getaucht. Nach dem ersten Mal sah es noch nicht so doll aus, aber nach dem zweiten Tauchen ist es sehr schön geworden." So befüllt, soll die Gartenfackel zwei Stunden am Stück brennen - mit "eindrucksvollem Flammenbild", wie erste Versuche ergaben. Zweckmäßig: Für die Fackeln können auch die bunt vermischten Wachsreste genutzt werden, mit denen sich keine farblich anspruchsvollen neuen Kerzen mehr gießen lassen. "So eine kaufe ich mir gleich", sagt Andree Schittko, der mittlerweile mit dem Ablesen der Wiege-Werte fertig ist. "Die nächste Sommerparty kommt bestimmt", sagt er, während im Hintergrund die Gewichte zusammengerechnet werden.

Die Spannung steigt: Wird es zum dritten Mal in Folge ein Rekord? Alle Augen richten sich auf Schittko, der nun das Ergebnis mitgeteilt bekommt: 979 Kilogramm sind es. "Kein Rekord, aber mehr als erwartet", sagt der Centermanager, der mittlerweile schon ein Auge für die Menge der gefüllten Kartons hat. "Wir bedanken uns bei den vielen Bürgern, die mitgemacht haben." Ein Teil des Erlöses kommt dem Betrieb der Riesaer Stadtbahn zugute.

Zu haben sind die Produkte im Diakonieladen in Großenhain an der Naundorfer Straße, eine Auswahl gibt es auch in der Riesa-Information an der Hauptstraße. Die Kerzen kosten je nach Größe etwa fünf bis zehn Euro, die Fackel samt zwei Wachsrollen zehn Euro.