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Löbauer Diebstahlserie im Drogenrausch?

Einer der beiden mutmaßlichen Löbauer Kindergärten-Einbrecher steht derzeit vor dem Görlitzer Amtsgericht – wegen einer ganz anderen Sache.

Auch in die Kita Pfiffikus in Großschweidnitz soll der Löbauer eingebrochen sein.
Auch in die Kita Pfiffikus in Großschweidnitz soll der Löbauer eingebrochen sein. © Matthias Weber (Archiv)

Dieser Angeklagte, 35 Jahre alt und aus Löbau, wird in Handschellen vorgeführt - direkt aus der Untersuchungshaft, die seit dem 9. Oktober 2019 andauert. Das maximal zulässige halbe Jahr ist damit fast genau um. Und damit der Löbauer nicht entlassen werden muss, beginnt dieser Prozess vor dem Görlitzer Amtsgericht überhaupt.

Allen Beteiligten ist klar, dass es sich bei den Vorwürfen in diesem Prozess nur um einen kleinen Bruchteil der Taten handelt, die dem 35-jährigen Löbauer zugeordnet werden. Richter Ulrich von Küster sagt gleich zu Beginn des Verfahrens, dass ihm zwei weitere Anklagen vorliegen, Staatsanwalt Rochus Gun ergänzt, dass etwa zehn weitere Straftaten, bei denen der Angeklagte der Hauptverdächtige ist, in Bearbeitung seien. Dazu gehören auch die Einbrüche in Kindergärten in Löbau und Großschweidnitz im Sommer 2019, die für besonders große Empörung in der Öffentlichkeit gesorgt hatten und für die der Angeklagte gemeinsam mit einem 27-jährigen Mittäter verantwortlich sein soll. Das hatte Christopher Gerhardi, Pressesprecher der Görlitzer Staatsanwaltschaft, auf SZ-Anfrage mitgeteilt.

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Taten eingeräumt

Vor dem Görlitzer Amtsgericht wird schnell entschieden, dass jetzt nur die eine Anklage verhandelt wird. Es wird mit allergrößter Wahrscheinlichkeit sowieso zu einem weiteren, alle vorliegenden Straftaten umfassenden Verfahren kommen, vermutlich vor dem Landgericht. In dem dann zu erwartenden Urteil wird auch das Urteil dieses Prozesses aufgehen. Letztlich geht es also hauptsächlich darum, zu einem Urteil zu kommen, das den Angeklagten in Haft lässt. 

Angeklagt sind drei Straftaten: Der 35-jährige Löbauer soll Ende September 2019 in eine Wohnung eingebrochen sein, und dort Uhren und Schmuck im Gesamtwert von etwa 10.000 Euro gestohlen haben. Zweitens soll er die Räder eines Skoda im Wert von 3.500 Euro in Herrnhut gestohlen oder als Diebstahlware gekauft haben und drittens habe er die Kennzeichen eines Auto gestohlen, lautet die Anklage.

Der Angeklagte räumt diese Taten im Wesentlichen ein, macht aber ein paar Einschränkungen: Er habe viel weniger Schmuck gestohlen als angeklagt. Außerdem habe die Polizei ihn am Folgetag kontrolliert. Da hatte er das Diebesgut noch bei sich. Es wurde komplett eingezogen und dem Opfer sicherlich zurückgegeben. Es sei also kein materieller Schaden entstanden. Motiv sei seine Drogenabhängigkeit und der Druck, neues Geld für neue Drogen zu beschaffen, gewesen. 

Rückfällig geworden

Der 35-Jährige erzählt, dass er zwei Jahre in Görlitz in Haft gewesen sei, danach vier Jahre im Maßregelvollzug mit dem Ziel, seine Drogensucht loszuwerden. Er sei auch clean gewesen, habe mit seiner Freundin, deren Tochter und dem gemeinsamen Sohn zusammen in einer Löbauer Wohnung gelebt. Ein weiteres Kind wurde in diesem Januar geboren. Ende 2018 fing aber die Überforderung an. Er sei auf Montage in der Schweiz und in Österreich gewesen, mit bis zu 18 Arbeitsstunden pro Tag. Er habe Rückfälle erlitten. Dann sei sein Vater gestorben, was ihn sehr mitgenommen habe. Das Jugendamt habe seiner Freundin, die laut Aussage des Angeklagten ebenfalls eine Drogenvergangenheit hat, geraten, sich und ihren Kindern eine extra Wohnung zu suchen. Sie zog dann auch aus. "Ich sah keinen Ausweg mehr und bin exzessiv rückfällig geworden", sagt der Angeklagte. Mit anderthalb bis zwei Gramm Crystal pro Tag und Schlafentzug über mehrere Tage. Die Straftaten seien die Folge von alldem.

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Bezüglich der Autoräder und Kennzeichen erzählt der Löbauer eine Geschichte, die nur schwer zu glauben ist. Er sei nach ein paar Tagen Schlafentzug doch eingeschlafen. Ein Kumpel habe ihm die Autoschlüssels seines nicht zugelassenen Autos, das er reparieren und weiterverkaufen wollte, gestohlen. Als er wieder aufwachte, habe der Kumpel gesagt, er sei mit dem Auto gefahren und habe ihm dafür die Felgen und Kennzeichen besorgt, wohl auch in der Hoffnung, dass der Angeklagte dafür Drogen besorgt. Der Löbauer gibt vor Gericht an, mit dem Auto auch gefahren zu sein, bis er von einer Frau angesprochen wurde, dass das die Kennzeichen ihres Autos seien. Die herbeigerufene Polizei stellte dann auch die gestohlenen Felgen fest. Den Namen des ominösen Kumpels gab der Angeklagte nicht preis. Seine Begründung: Bevor man nach seiner Haftentlassung Probleme mit diesen Leuten bekommt, nimmt man das lieber auf sich.

Die Verhandlung wird am 30. April fortgesetzt. Dann werden die festnehmenden Polizisten und das Diebstahlopfer aussagen.

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