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Kita mit doppeltem Dachschaden

Erst vor 15 Jahren eröffnet, muss der Kesselsdorfer Kindergarten zum zweiten Mal saniert werden.

© Andreas Weihs

Von Annett Heyse

Kesselsdorf. Ein moderner Flachbau mit großen Fenstern und viel Holz – dem Kindergarten „Haltestelle Kinderherzen“ in Kesselsdorf sieht man sein Problem nicht an. Dennoch musste Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) bei der Haushaltsberatung den Stadträten eine Hiobsbotschaft mitteilen: „Das Dach der Kita muss schon wieder saniert werden.“

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Mit anderen Worten: Das Haus an der Grumbacher Straße entwickelt sich zum Sorgenkind der Stadt. Denn der Bau ist gerade einmal 15 Jahre alt, hat aber schon eine Sanierung hinter sich. Jetzt stehen wieder Bauarbeiten an. Und wieder ist es das Dach, welches Probleme macht.

„Im Sommer 2015 haben wir bei Begehungen Verfärbungen am Holz und eine Mulde im Dach festgestellt“, berichtet Kathrin Walter, Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt Weißeritzkreis (Awo), Betreiber der Kita. Die Verfärbungen könnten nur auf Nässe zurückzuführen sein, befänden sich äußerlich im Bereich der Dachkante. „Im Gebäudeinneren ist nichts zu sehen, die Aufenthaltsräume sind nicht betroffen. Es besteht für die Kinder keinerlei Gesundheitsgefahr“, sagt die Awo-Chefin.

Doch auch so ist der Ärger groß genug. Ohnmächtig und auch enttäuscht fühle man sich bei der AWO angesichts der Situation, sagt Walter. Auch in der Wilsdruffer Stadtverwaltung ist keiner erfreut. Denn die Arbeiterwohlfahrt ist zwar der Bauherr und Betreiber des Kindergartens, aber die Besitzverhältnisse sind über einen Erbbaupachtvertrag geregelt. „Letztendlich sind wir als Stadt in der Verantwortung, weil Kinderbetreuung eine kommunale Aufgabe ist“, erklärt der Bürgermeister.

Schon fünf Jahre nach Eröffnung Feuchtigkeit im Haus

Der Kindergarten wurde 1999 noch zu Zeiten der selbstständigen Gemeinde Kesselsdorf geplant, nachdem das alte Kesselsdorfer Kinderhaus zu klein geworden war. 135 Plätze sollte das neue Gebäude haben und ein Vorzeigeobjekt werden. „Wir sind herumgefahren, haben uns andere Kindergärten angeschaut und bei der Auswahl viel Mühe gemacht“, erinnert sich Kathrin Walter. Ein Planungsbüro aus Freital erhielt den Zuschlag, das Haus wurde 2000/2001 errichtet. Doch schon die Bauarbeiten standen unter keinem guten Stern. „Gleich mehrere Unternehmen gingen in Insolvenz, unter anderem eine Elektrik-Firma und auch ein Dachdeckerbetrieb“, erklärt André Börner, Leiter des Wilsdruffer Bauverwaltungsamtes.

2006 wurden Feuchtigkeitsschäden in Toiletten- und Küchenräumen entdeckt. Als Ursache für die Baumängel machte ein Gutachter unsachgemäß angebrachte Dampfsperren aus, aber auch Planungsfehler und eine falsche Bauausführung. Das Dach musste saniert werden, ein neues Planungsbüro kümmerte sich darum. Um die Kosten entstand ein Gerichtsstreit mit dem Planungsbüro. Börner: „Es kam schließlich zu einem Vergleich, die Versicherung des Planungsbüros übernahm daraufhin die Sanierungskosten.“ Es ging immerhin um 265 000 Euro. Doch das Gericht stellte damals auch fest, dass damit alle Haftungen abgegolten seien.

Und nicht nur das. Für die Schäden, die jetzt entdeckt wurden, können Arbeiterwohlfahrt und Stadt auch nicht auf die Gewährleistung für die Sanierungsarbeiten aus dem Jahr 2007 pochen – die Frist war nach fünf Jahren abgelaufen. „Wir müssen leider noch einmal von vorn anfangen“, sagt Börner. Ein Gutachten ist inzwischen erstellt. Es beschreibt ähnliche Nässeschäden wie 2006/07, möglicherweise wurden bei der Sanierung falsche Materialien verwendet und die Arbeiten wiederum unsachgemäß ausgeführt. Dadurch ist die Holzkonstruktion des Daches beschädigt.

Die Stadt hat jetzt einen neuen Planer, einen Experten für Flachdächer, mit dem Fall betraut. Noch ist nicht bekannt, was die Sanierung kosten wird. Klar ist nur, dass die Arbeiten noch in diesem Jahr durchgeführt werden müssen. Börner: „Wir werden voraussichtlich in den Sommermonaten bauen, dann sind nicht so viele Kinder in der Einrichtung.“