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Baustart für Tharandts teure Kita

Im Sommer schon soll der Neubau stehen. Nicht nur die Zeit drängt. Auch die Investition ist viel größer als zunächst gedacht.

Das Baustellenschild steht. In vier Monaten schon soll das neue Kinderhaus bezugsfertig sein. Ist das zu schaffen?
Das Baustellenschild steht. In vier Monaten schon soll das neue Kinderhaus bezugsfertig sein. Ist das zu schaffen? © Andreas Weihs

Lange haben die Tharandter darauf gewartet. Jetzt geht es los. Auf dem Grundstück an der Roßmäßlerstraße im Herzen der Forststadt sind wieder Baufahrzeuge zugange. Nachdem das Gebäude der alten Apotheke abgerissen wurde, geht es nun an den dringend benötigten Neubau.

Keine neue Apotheke, sondern ein Haus für Kinder soll auf dem Areal in die Höhe wachsen. 54 Betreuungsplätze für neun Krippen- und 45 Kindergartenkinder sollen hier entstehen - ein sportliches Unterfangen. Denn mit Beginn des neuen Schuljahres im Sommer soll der Neubau bereits bezugsfertig sein. Die neuen Kapazitäten werden gebraucht, eigentlich schon länger. Die bisher einzige Kita auf der Heinrich-Cotta-Straße in Tharandt wurde der Nachfrage an Kinderbetreuung schon in der Vergangenheit kaum gerecht. Ähnlich verhält es sich im Hort - von der derzeitigen Notbetreuung wegen der Corona-Krise mal abgesehen. Spätestens im Sommer dürfte aber wieder mehr Andrang in den Kindereinrichtungen herrschen. Mehr Platz wird benötigt. Der Neubau auf der Roßmäßlerstraße muss jetzt vorankommen.

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Die Baugenehmigung liegt seit November 2019 im Tharandter Rathaus vor. Erste Bauaufträge für das neue Kinderhaus haben die Stadträte nun vergeben. Um die Baustelleneinrichtung, den Tiefbau und das Fundament kümmert sich zu einer Summe von rund 314.000 Euro die Firma Döhnert aus Kurort Hartha, deren Chef auch für die AfD im Tharandter Stadtrat sitzt. Die Zimmerer-, Klempner- und Dachdeckerarbeiten übernimmt der Dach- und Schornsteinbau von Wolf-Dieter Kuhn aus Tharandt für rund 78.000 Euro und die Bauüberwachung hat die Freitaler Firma TGA Consult für gut 76.000 Euro inne. Den wichtigsten und finanziell größten Anteil übernimmt allerdings kein regionales Unternehmen. Das Gebäude selbst baut die Firma Heinkel Modulbau aus der Tharandter Partnerstadt Blaubeuren zu einer Auftragssumme von mehr als 1,4 Millionen Euro. 

Bei einem gegenseitigen Besuch der Stadtspitzen beider Partnerstädte sei man darüber ins Gespräch gekommen, auch die Baufirmen aus dem baden-württembergischen Blaubeuren in die Ausschreibung um den Kita-Neubau in Tharandt einzubeziehen. Insgesamt vier Angebote gingen bei der Stadt ein, darunter auch jenes der Firma Heinkel aus Blaubeuren. Dieses liegt aber mit mehr als 300.000 Euro über der Kostenberechnung von 1,1 Millionen Euro. "Aufgrund der momentanen Auftragslage im Hochbau und den gestiegenen Baupreisen geht die Stadtverwaltung davon aus, dass die Aufhebung und erneute Ausschreibung mitten im Jahr 2020 kein besseres Ergebnis bringen wird", heißt es zur Erklärung in der Beschlussvorlage der Stadt. Um den Terminplan mit der Fertigstellung zum Sommer halten zu können, bat die Stadtspitze darum, den Auftrag an die Blaubeurener Firma zu vergeben. Dies fand unter den Tharandter Stadträten zwar eine Mehrheit, jedoch keine einhellige Zustimmung, ähnlich wie die anderen genannten Bauaufträge. 

Hickhack um den Kita-Standort

Kritik gab es von Seiten der Bürgerliste "Grün der Zeit" und aus der CDU - vor allem wegen der gestiegenen Kosten. Tatsächlich ging die Stadt vor gut zwei Jahren noch von Baukosten in Höhe von 1,4 Millionen Euro aus. Damals wurde im Sinne des angestrebten Nachhaltigkeitsgedankens der Forststadt eine ökologische Bauweise bevorzugt, mit viel Holzelementen auch im Inneren des neuen Kinderhauses. Selbst ein Architekt war dafür schon gefunden. Doch diese Pläne wurden im Sommer 2018 von der Stadt verworfen, eben aus Kostengründen. Denn es zeichnete sich ab, dass das Projekt mit etwa 1,6 Millionen Euro zu teuer werde. Sogar der Standort an der Roßmäßlerstraße 42 wurde angezweifelt. 

Die Stadt suchte nach Alternativen. Gefunden wurden diese jedoch nicht. Deshalb nahm man im Tharandter Rathaus erneut die Planungen für einen Kita-Neubau am Standort Roßmäßlerstraße auf. Mit dem Ergebnis: Die aktuelle Planung wird erneut teurer. Rund 2,2 Millionen Euro soll der Neubau nun kosten, inklusive finanzieller Unterstützung in Höhe von rund 880.000 Euro. Um die zusätzlichen Eigenmittel für den kostspieligen Neubau aufbringen zu können, greift die Stadt auf eine Investitionsrücklage von gut 300.000 Euro zurück. Außerdem soll das Geld aus weiteren Grundstücksverkäufen im Gewerbepark Kurort für die Finanzierung der neuen Kita genutzt werden.

Dass der Kita-Neubau nun erheblich teure wird als noch vor zwei Jahren prognostiziert, ärgert einige Stadträte. Vor allem weil das Bauvorhaben zwischenzeitlich für den aktuellen Standort gekippt wurde, sei man nicht nur in unnötigen Zeitverzug gekommen, sondern habe nun erhebliche Mehrkosten, obwohl die Stadt das Projekt schon damals für 1,6 Millionen Euro als unwirtschaftlich erklärte, sagt Stadtrat Jens Heinze, der dem Neubau unter diesen Bedingungen nicht zustimmte. Nun würden aufgrund des Zeitdrucks sogar Kosten von 2,2 Millionen Euro hingenommen. Obendrein handele es sich jetzt nicht etwa um einen ökologisch durchdachten Neubau, sondern um ein Gebäude in standardisierter Modulbauweise. 

"Die vorliegende Planung ist demzufolge wesentlich unwirtschaftlicher", sagt Jens Heinze, der gemeinsam mit Milana Müller (beide "Grün der Zeit") und Manuel Wächter (CDU) eine entsprechende Erklärung zum Sachverhalt an die Stadt abgab. Aber auch Jens Heinze weiß: Aller Ärgernisse zum Trotz. Es muss gebaut werden. Eltern brauchen die neuen Betreuungsplätze für ihre Kinder.

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