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Dresden: Mehr Kita-Erzieher im Einsatz

Personalmangel? Im Juli waren in städtischen Kitas nur noch wenige Stellen unbesetzt. Woran das liegt, und wo Erzieher weiter knapp sind.

Die Personalsituation hat sich in einigen Dresdner Kitas deutlich entspannt. Andere suchen weiterhin nach Erziehern.
Die Personalsituation hat sich in einigen Dresdner Kitas deutlich entspannt. Andere suchen weiterhin nach Erziehern. ©  dpa

Dresden. Wochenlang war Corona das Thema Nummer eins in Dresden. Besonders die Schulen und die Kitas standen dabei im Fokus, es wurde viel diskutiert über Ansteckungsgefahr, Regelbetrieb und Maskenpflicht. Doch wie hat sich die einst so angespannte Personallage in den Dresdner Kitas entwickelt? Die SZ hat bei der Stadt und den freien Trägern nachgefragt.

Wie viele Erzieher sind in städtischen Kitas angestellt?

Ende Juli waren in kommunalen Kindertageseinrichtungen 3.237 pädagogische Fachkräfte angestellt, davon arbeiteten 782 in Vollzeit und 2.455 in Teilzeit.

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Wie viele offene Stellen gibt es bei der Stadt?

Hier hat sich die Lage sehr entspannt. Im Juli 2020 gab es ein stadtweites Personaldefizit über alle 171 kommunalen Einrichtungen von 10 Vollzeitkräften. Bei einem Gesamtbedarf von rund 2.500 Vollzeitkräften entspricht das einem Stellenleerstand von knapp 0,4 Prozent, so die Stadt. Das ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren sehr wenig - offenbar zahlt sich nun die Fachkräfte-Initiative aus, mit der die Stadt für ihre Einrichtungen, aber auch für die freien Träger neue Erzieher für den Beruf gewinnen konnte.

Wie ist die Personallage bei freien Trägern?

Auch beim Roten Kreuz in Dresden sind alle Stellen besetzt. Rund 80 Prozent der Mitarbeiter würden eine wöchentliche Arbeitszeit von 30 bis maximal 35 Stunden wollen. "Wir spüren eine deutliche Veränderung. Wollten die Erzieher in den letzten Jahren verstärkt in Richtung Vollzeit arbeiten, tendiert der überwiegende Teil jetzt in Richtung einer 30- bis 35-Stunden-Woche. Die Work-Life-Balance spielt immer mehr eine Rolle bei der Wahl des Arbeitgebers", so Sprecherin Ulrike Peter.

Dass derzeit alle Stellen besetzt sind, kann auch Hennig Reichel berichten, der beim Caritasverband als Fachbereichsleiter für Soziale Dienste und Kinder- und Jugendhilfe zuständig ist. Dennoch würde er nicht von einer generellen Entspannung der Personallage sprechen. "Durch einen Wechsel oder Kollegen, die in den Ruhestand gehen, gibt es immer wieder Bedarf an neuen Erziehern", so Reichel. 

Zwar habe die Caritas nie einen gravierenden Personalnotstand in ihren Einrichtungen gehabt, sagt Reichel. "Aber es ist nicht mehr so einfach, Erzieher zu bekommen." Dass die Stadt nun so viele Mitarbeiter einstellen konnte, liege vor allem an der besseren Bezahlung und die Sicherheit, die der öffentliche Dienst bietet.

Tatsächlich hat sich die Lage nicht in allen Dresdner Kitas entspannt. Bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Dresden etwa ist die Personalsituation weiterhin problematisch. "Der Fachkräftemangel in den Kitas und unbesetzte Stellen sind ein kontinuierliches Problem in den Einrichtungen", so Sprecherin Ulrike Novy. 

Welche Folgen hat der Erziehermangel in einigen Kitas?

Die Awo bestätigt Auswirkungen auf den Arbeitsalltag. "Bei Kollegen, welche die Stunden aufgrund von Personalmangel ausgleichen müssen, kommt es zu einer sehr starken Arbeitsbelastung", so Novy. Oftmals fehle es an Kontinuität, da ständig neu und flexibel auf die schwierige Personalsituation reagiert werden müsse. Das wiederum führe häufig zu Überlastung, was sich wiederum in Krankheitstagen und langen Ausfallzeiten von Fachkräften niederschlägt. "Das alles kann zu einem erhöhten Konfliktpotential in den Teams führen", sagt sie.

Der Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen wird indes mit ausreichend Personal ins neue Kindergartenjahr starten, heißt es aus dem Rathaus. Insgesamt 250 neue Erzieher wurden dafür eingestellt. Die ersten pädagogischen Fachkräfte haben ihren Dienst bereits im Juli angetreten. Weitere werden schrittweise bis einschließlich September folgen.

In welchen Einrichtungen ist der Personalbedarf besonders hoch?

In den Einrichtungen der Stadtbezirke Prohlis und Gorbitz fällt es schwerer, den Personalbedarf zu decken, als in anderen Gebieten der Stadt. In den großen Plattenbaugebieten leben viele Familien mit geringem Einkommen und Bildungsniveau, was sich letztlich auch in einer aufwendigeren Arbeit der Erzieher bemerkbar macht. Das schreckt Bewerber ab. 

Auch im Bereich der Jugendhilfe sei es mittlerweile sehr schwierig, freie Stellen zu besetzen, erklärt Hennig Reichel vom Caritasverband. Das liegt vor allem an den Arbeitszeiten, etwa wenn Jugendwohngruppen auch in der Nacht betreut werden müssen. "Das ist oft schwer mit dem eigenen Familienleben zu vereinbaren."

Gibt es Kitas, in denen Öffnungszeiten eingeschränkt sind?

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