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Freitals Kampf mit den Kitas

Es brauchen mehr Kinder eine Betreuung, als es Plätze gibt. Das hat zum Teil Ursachen, die die Stadt nicht ändern kann. Das Problem muss sie trotzdem lösen.

Haltestelle Kindergarten: Nicht alle finden einen Platz.
Haltestelle Kindergarten: Nicht alle finden einen Platz. © Andreas Weihs

Es fehlen Plätze. So knapp lässt sich die Situation bei der Kinderbetreuung in Freital zusammenfassen. Die Fragen, die daraus resultieren, sind deutlich vielschichtiger und führen von der Ursachenforschung und Fehleranalyse hin zu Lösungsvorschlägen und konkreten Maßnahmen. Im Stadtrat steht am Donnerstag die jährliche Abstimmung über die sogenannte Bedarfsplanung auf der Tagesordnung. Sächsische.de erklärt, was dabei die Probleme sind.

Wie ist die Lage in den Kitas im Jahr 2020?

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Der Stadtrat hat die Zahlen vorliegen. Insgesamt 3.698 Kinder müssen in Freital betreut werden. Davon 666 in der Krippe, 1.645 im Kindergarten und 1.387 im Hort. Für die Grundschüler sind ausreichend Plätze vorhanden. In der Krippe fehlen derzeit sechs Plätze. Das größte Problem zeigt sich im Kindergarten. Hier kann Freital zurzeit 222 Kindern keine Betreuung anbieten, obwohl sie eine brauchen. 

Warum fehlen Plätze vor allem im Kindergarten?

Die Stadt versucht durch Prognosen der Bevölkerungsentwicklung möglichst vorher zu berechnen, wie viele Plätze für die Kinderbetreuung gebraucht werden. Für das Jahr 2019 lag diese Prognose bei 380 Geburten. Tatsächlich leben in der Stadt jetzt 322 Kinder, die im Jahr 2019 geboren sind. Die Stadt ist also sogar von einer höheren Zahl ausgegangen. Das erklärt, warum das Defizit im Krippenbereich deutlich kleiner geworden ist, als befürchtet. Im Kindergartenalter zeigt sich nun aber ein anderer Trend. In den letzten Jahren sind viele Familien nach Freital gezogen. Diese Entwicklung sei so nicht vorhersehbar gewesen, heißt es aus der Stadt. Die meisten Familien ziehen aus Dresden nach Freital. Grund dafür sind sehr wahrscheinlich die Mietpreisentwicklung in der Landeshauptstadt und die vergleichsweise günstigeren Angebote für große Wohnungen an der Weißeritz.

Warum fehlen Freital so viele Erzieher?

Obwohl Freital in den vergangenen Jahren die Betreuungskapazitäten kontinuierlich ausgebaut hat, stehen nicht ausreichend Plätze für alle Kinder zur Verfügung. Das liegt auch an der Veränderung des sogenannten Betreuungsschlüssels durch die sächsische Landesregierung. 2012 betreute eine Erzieherin im Kindergarten 13 Kinder, heute darf sie nur noch zwölf Kinder in ihrer Obhut haben. Das bedeutet: Für dieselbe Anzahl Kinder braucht die Stadt Freital mehr Personal. Da zusätzlich der Bedarf für Kinderbetreuung gestiegen ist, im Gegenzug verfügbare Erzieher auf dem Arbeitsmarkt aber kaum vorhanden sind, wird das Problem noch verschärft.

Welche Möglichkeiten hat Freital und was tut die Stadt?

Da die räumlichen Kapazitäten derzeit nicht das entscheidende Problem sind, bringt ein weiterer Ausbau keine Verbesserungen. Im Fokus steht deshalb die Suche und die Qualifizierung von geeignetem Personal. Deshalb hat die Stadt bereits 2019 den Tag des Erziehers ins Leben gerufen. Dabei können sich Interessierte über Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten in Freitaler Kindertageseinrichtungen informieren und auch direkt auf freie Stellen bewerben. Gerade erst wurde eine Werbekampagne angeschoben, bei der vier Erzieherinnen und zwei Erzieher aus Freital von ihrer Motivation berichten, hier zu arbeiten. Zudem bietet Freital unbefristete Arbeitsverträge und Tariflohn. Das tun andere Städte allerdings auch. Dresden ist dabei sicherlich der stärkste Konkurrent, da viele lieber in der Landeshauptstadt arbeiten.

Was ist die Prognose für die nächsten Jahre?

Auch wenn 2019 die Zahl der Geburten nicht so hoch war, wie vorher angenommen, bleibt die Stadt Freital für die Jahre 2020 und 2021 bei ihrer Prognose von 336 Geburten pro Jahr. Die Entwicklung 2019 könne noch nicht als Trend angesehen werden, heißt es dazu aus der Stadtverwaltung. Zudem geht die Stadt davon aus, dass der Zuzug nach Freital anhält. Das lässt sich an den Zahlen von 2010 gut verdeutlichen. Geboren wurden damals in Freital 344 Kinder. Durch Zuzug hat sich der Jahrgang in den vergangenen zehn Jahren auf 400 Kinder erhöht, die jetzt mit dem Abschluss der 4. Klasse auch das Betreuungssystem verlassen. Insgesamt lässt die demographische Situation darauf schließen, dass die Geburtenzahlen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten rückläufig sind. Der starke Geburtenknick der Nachwendejahre wird sich hier nun in der Elterngeneration bemerkbar machen. Derselbe Effekt zeigt sich bereits im Arbeitsmarkt, denn das ist die Generation, die jetzt zwischen 20 und 30 Jahre alt ist.

In der öffentlichen Stadtratssitzung am Donnerstag, um 18.15 Uhr im Kulturhaus, Lutherstraße 2, wird über den Kita-Bedarfsplan diskutiert und abgestimmt.

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