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Kita-Platz online buchen

Die Stadt stellt die Suche nach Kinderbetreuungsplätzen auf ein Online-System um. Das bringt wesentliche Erleichterungen.

Von Wolf Dieter Liebschner

Längst ist es üblich, dass im Internet eingekauft wird. Vom Buch über Bekleidung und Schuhe bis hin zum Auto – fast alles kann online bestellt werden. Aber nur in wenigen Kommunen ist es heute schon möglich, sich wenigstens darüber zu informieren, in welcher Kindertagesstätte, bei welcher Tagesmutter oder Horteinrichtung eventuell ein Platz frei ist. In Coswig soll sich das in Bälde ändern. Die Stadt arbeitet daran, ein System mit dem schönen Namen Kitaplatzverwaltungsprogramm einzuführen.

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Die Coswiger Tagesmutter Ramona Minschke nutzt das schöne Wetter am Freitag, um mit Nick (links) und Vincent an der frischen Luft zu sein. Auch für sie wird die elektronische Suche nach Kinderbetreuungsstellen Verbesserungen bringen.Foto: Matthias Schuman
Die Coswiger Tagesmutter Ramona Minschke nutzt das schöne Wetter am Freitag, um mit Nick (links) und Vincent an der frischen Luft zu sein. Auch für sie wird die elektronische Suche nach Kinderbetreuungsstellen Verbesserungen bringen.Foto: Matthias Schuman © es gelten meine agb.

„Eigentlich sollte das Kitaplatzvergabeprogramm heißen“, sagt Stefan Sári, der in der Stadtverwaltung unter anderem für diese Einrichtungen zuständig ist. Der Name ist zwar nur unwesentlich kürzer, trifft dafür aber den Kern. Denn es geht darum, den Eltern die Suche nach einem Platz zu erleichtern. Mit diesem Programm kann dies bequem von Zuhause aus am Computer erledigt werden.

„Das Programm greift dann, wenn das Kind geboren und beim Einwohnermeldeamt registriert ist“, erklärt Sári. Diese Bemerkung erscheint zwar reichlich überflüssig, doch Sári weiß das besser. „Es kommt immer wieder vor, dass Eltern versuchen, ihr Kind schon vor der Geburt anzumelden. Dieses Programm gleicht jedoch die eingegebenen Daten ab.“

Schritt 2: Das Programm sucht beispielsweise die Coswiger Kitas und blendet gleichzeitig ein Google-Maps-Feld ein, wo man sich über deren Lage informieren kann. Außerdem sind Informationen zu den pädagogischen Konzepten und weiteren Details der jeweiligen Einrichtung abrufbar. Ist ein gewünschter Platz frei, kann er sofort für 14 Tage online reserviert werden.

„Innerhalb dieser Zeit sollten die Eltern in der Einrichtung erscheinen“, erklärt Sári. „Entspricht der Platz den Vorstellungen der Eltern, wird er sofort blockiert. Ansonsten wird er automatisch wieder freigegeben.“

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Eltern müssen nicht mehr jede Stelle – Coswig hat acht Kitas, drei Horte und vier Tagespflegemütter – einzeln kontaktieren. Außerdem werden dadurch auch Doppelanmeldungen, die anderen Eltern eigentlich freie Plätze als besetzt erscheinen lassen, vermieden. „Das erleichtert auch den Einrichtungen selbst und auch der Verwaltung, die das alles prüfen muss, die Arbeit“, sagt Sári. „Wesentliche Daten, die elektronisch erfasst worden sind, gehen sofort in den Vertrag über. Und auch die Ansprüche des Statistischen Landesamtes in Kamenz können per Knopfdruck bedient werden.“

Lediglich bei der Vermittlung von Tagesmüttern bleibt das Familienzentrum Radebeul nach wie vor zwischengeschaltet. Aber auch diese Funktion ist im Programm vorhanden.

„Gegenüber der gegenwärtigen Praxis ist dies ein großer Fortschritt, vor allem in Sachen Bürgerfreundlichkeit“, betont Sári. Auch müsse niemand Befürchtungen hinsichtlich seiner Daten haben. „Wenn die Verwaltung die Kapazitäten der einzelnen Einrichtungen auf Knopfdruck abruft, dann sind keinerlei persönliche Daten einzusehen“, so Sári.

Überhaupt sei bei der Einführung des Programms der Datenschutz eines der wichtigsten Kriterien. So sitzt der Coswiger Datenschutzbeauftragte Thoralf Lasch bei den Gesprächen mit dem Leipziger Programmanbieter Lecos mit am Tisch. Vor der Einführung wird das gesamte Projekt auch noch einmal dem sächsischen Datenschutzbeauftragten vorgelegt.

„Wir hatten uns schon seit einigen Jahren mit dieser Thematik befasst“, sagt Sári. „Bei einigen Anbietern dieser elektronischen Programme haben wir uns umgeschaut. Das beste Gefühl hatten wir bei der Leipziger Firma Lecos.“

Seit dem vergangenen Jahr laufen die Gespräche mit dem Anbieter. Gegenwärtig wird das Grundkonzept von Lecos auf die konkreten Coswiger Bedingungen erweitert. „Beispielsweise geht es darum, dass unsere Kitas im Gegensatz zu anderen Kommunen sich alle in freier Trägerschaft befinden“, erklärt Sári. „Das muss in diesem System hinterlegt werden.“ Einbezogen sind selbstverständlich auch die Leiterinnen der Kitas und die Träger.

Ein Vorteil für Coswig ist, dass die Stadt Pirna ebenfalls mit Lecos zusammenarbeitet, sogar schon länger als Coswig. „Die Pirnaer werden das Programm auch früher als wir einführen. Wir können also deren Erfahrungen bei uns einfließen lassen“, sagt Sári.

In Coswig gibt es noch keinen festen Termin für die Einführung. „Wir wollen nichts überstürzen und lieber eine Woche länger testen, als zu früh damit zu beginnen“, sagt Sári. „Ich wäre aber froh, wenn wir das Programm noch Ende dieses Jahres, spätestens aber Anfang 2015 anbieten können.“