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Kita-Schließung sorgt für Protest

Die einzige Kita im Viertel steht auf der Streichliste. Die Chefin des Eigenbetriebs wirbt um Verständnis – vergebens.

Von Tobias Hoeflich

Kinderlachen hallt aus der Oskar-Seyffert-Straße 11. Seit 1955 werden in dem einstigen Wohnhaus, umringt von schmucken Eigenheimen, Kinder betreut. Während die Kleinen an diesem Dienstagnachmittag im Hinterhof herumtollen, ist die Stimmung vor dem Gebäude angespannt. Kita-Chefin Sabine Bibas will Eltern und Plauener Ortsbeiräten erklären, warum die einzige Kita in Gittersee diesen Sommer geschlossen werden soll.

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Zu den Wartenden zählt Kerstin Windisch aus dem Elternbeirat. Ihrem ältesten Sohn, der in der Kita betreut wird, hat die zweifache Mutter nichts von den Plänen erzählt – die sie völlig überrascht haben. „Eigentlich hieß es immer, das Gebäude wird saniert“, sagt die 31-Jährige. Gemeinsam mit anderen Eltern kämpft sie für den Erhalt der Einrichtung. Mit Platz für maximal 41 Kinder geht es hier familiär zu. „Eine Kita in dieser Größe mit kleinen Gruppen, das gibt es in Dresden kaum noch“, so Windisch. Auch für ihren jüngsten, sieben Monate alten Sohn wünscht sie sich, dass er in der Oskar-Seyffert-Straße betreut wird.

Doch die Stadt hat andere Pläne. Zwar ist das Gebäude 2007 schon zum Teil saniert, Dach und Fassaden erneuert worden. Doch bei den Sanitäranlagen und der Elektrik gebe es noch gravierende Mängel. Sabine Bibas führt Eltern und Ortsbeiräte durch das Gebäude, deutet auf die kaum sichtbaren Schwachstellen, die sich in Form von Aluminium-Stromleitungen hinter den Wänden verbergen. „Die Sicherheit der Kinder ist hier nicht gegeben“, erklärt Dresdens Kita-Chefin. Um die geltenden Standards einzuhalten, müssten bis zu 600 000 Euro investiert werden. „Wenn ich so viel Geld ausgebe, muss dauerhaft die Auslastung gesichert sein.“ Langfristig rechnet die Stadt aber wieder mit sinkenden Geburtenzahlen, hat zudem mehrere Kitas im Umfeld saniert oder neu gebaut. „Es muss ein vernünftiges Kosten-Nutzen-Verhältnis da sein.“

Punkten kann Bibas mit ihren Argumenten kaum. Umgeben von Buntstiften, Kostümen und Basteleien im Obergeschoss der Kita stellt Kai Bruns, dessen Tochter hier bis 2013 betreut wurde, die möglichen Kosten infrage. „Mein Vater hat ein Haus von 1910 saniert. Ich habe nach der Wende ein neues gebaut. Beides zusammen hat keine 600 000 Euro gekostet“, rechnet er vor. Bei Altbausanierungen drohen regelmäßig Überraschungen, entgegnet die Kita-Chefin. „Da sind uns die Kosten immer davongeschossen.“ Sie verweist auf den Bau in der Hohen Straße, der statt 700 000 Euro mehr als das Vierfache kostete.

Doch nicht nur das familiäre Flair spreche für die Einrichtung, so Bruns weiter. Es ist auch die letzte in Gittersee. „Wenn sie schließt, geht ein Stück Vielfalt verloren.“ Wieder kontert Kita-Chefin Bibas: „Ich möchte nicht, dass größere Kitas per se als schlechter gelten.“ Jede Einrichtung hätte Vor- und Nachteile. Bei größeren könnten personelle Engpässe besser ausgeglichen werden. „Ich habe Verständnis für die Eltern. Aber ich muss den Blick aufs Ganze richten, nicht auf eine Einrichtung.“

Gefruchtet haben Bibas’ Argumente nicht. Der Plauener Ortsbeirat lehnte in seiner Abendsitzung am Dienstag den neuen Kita-Fachplan ab, will den Standort Oskar-Seyffert-Straße erhalten. Ein entsprechender Antrag der FDP-Ratsmitglieder Dietmar Keil und Siegbert Liebig wurde einstimmig angenommen. „Wenn es hier keine gravierenden Mängel gibt, wäre es eine Schande, das Haus zu schließen“, urteilte Michael Hauck vom Bündnis Freie Bürger. Per Handschlag verabschiedete er sich nach dem Rundgang mit Sabine Bibas bei der Kita-Leiterin Sylke Kühn: „Ich wünsche Ihnen noch ein langes Bestehen.“