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Kita-Spielplatz mit Blei und Arsen verseucht

Eigentlich sollte es nur neue Klettergerüste geben. Jetzt stellen die Bodenproben die ganze Einrichtung auf den Kopf.

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Von Jana Mundus

Das Toben im Freien ist momentan verboten. Um den Garten ihrer Spatzenvilla müssen die Kinder der gleichnamigen Kita in der Roquettestraße 59 einen Bogen machen. Er ist gesperrt. Eigentlich sollten dort im kommenden Jahr neue Spielgeräte stehen. Doch aus der Neugestaltung des Außenbereichs wird erst einmal nichts. Ein anderes Problem ist dringender: Im Erdreich wurden erhöhte Werte der giftigen Stoffe Blei und Arsen festgestellt.

Als Marion Dehnhof am Dienstag ihren Sohn aus der Kita abholen wollte, war sie irritiert. „Der Garten war plötzlich gesperrt“, erzählt sie. Nach Bekanntwerden der Messergebnisse hatte der Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen der Stadt Dresden sofort entschieden, die Kinder das Gelände nicht mehr betreten zu lassen. „Sicherlich eine richtige Entscheidung“, findet die Mutter. „Die Erzieherinnen informierten uns auch sofort über den Grund.“

Eigentlich waren im Zuge der Planungen für den neuen Spielplatz im Garten nur Routinemessungen angesetzt. In einem ersten Gutachten Ende April fanden sich bereits auffällige Werte für Blei und Arsen. Das Ergebnis eines Bodengutachtens, das seit dieser Woche vorliegt, ist eindeutig: Auf gut zwei Dritteln der Fläche werden die zulässigen Grenzwerte für Kindertageseinrichtungen überschritten. Festgestellt wurden beispielsweise Bleiwerte von 280 bis 650 Milligramm pro Kilogramm Erdboden. Erlaubt wären aber nur 200 Milligramm. Auch die krebserregende Substanz Benzoapyren taucht im Gutachten auf. „Die Werte aller Stoffe liegen aber weit unter den Grenzen für Park- und Freizeitanlagen, in denen Kinder ja ebenfalls spielen“, erklärt Matthias Hirche, Sprecher des Kita-Eigenbetriebs. Eine akute Gefahr für die Kinder bestünde nicht.

Woher die giftigen Stoffe im Boden kommen, ist derzeit noch unklar. Seit gut 60 Jahren besteht die Kita in der ehemaligen Fabrikantenvilla schon. „Es gab aber auf dem Grundstück nie irgendeine industrielle Nutzung“, so der Sprecher weiter. Denkbar wäre, dass sich um 1900 eventuell eine Lehmgrube an Ort und Stelle befunden hat, die später mit Hausmüll und Erde verfüllt worden war. Bei der Sanierung des Gebäudes in den 2000er-Jahren hatte es allerdings keine Auffälligkeiten in Sachen Boden gegeben.

Damit die Kinder nicht mit den Giftstoffen in Kontakt kommen, werden die belasteten Flächen ab Montag mit einem speziellen Flies abgedeckt, damit die Kleinen dort nicht buddeln können. Darauf kommt noch einmal eine circa 15 Zentimeter dicke Sandschicht. Spätestens Ende nächster Woche ist der Großteil des Gartens damit wieder nutzbar. Lediglich der Bereich um die großen Bäume im Hof bleibt weiterhin gesperrt. „Danach muss dringend geklärt werden, wie standfest die Bäume sind“, erläutert Matthias Hirche. Das ist für den geplanten Bodenaustausch wichtig. Die oberen 35 Zentimeter werden dabei ersetzt. Sobald das Baumgutachten vorliegt, sollen die Planungen beginnen. Die Stadt rechnet mit Kosten von rund 100 000 Euro. Danach kann das Außengelände wie geplant gebaut und gestaltet werden. Insgesamt 350 000 Euro stehen dafür zur Verfügung.

Damit die Kinder der Spatzenvilla aber auch im Laufe der kommenden Woche an die frische Luft können, kooperiert die Kita mit anderen Einrichtungen in der Nähe und nutzt die Gärten der Kitas in der Roquettestraße 16 sowie in der Gottfried-Keller-Straße 39 und 54. Am Freitag war eigentlich das große Sommerfest mit Zirkuszelt im Garten geplant. Das wurde kurzerhand in den Hort der 76. Grundschule in der Merbitzer Straße verlegt. „Toll, dass die Erzieherinnen das so kurzfristig organisiert haben“, sagt Marion Dehnhof.