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Kittel und Co. haben das nicht verdient

über die neuen Doping-Enthüllungen

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Berthold Neumann

Unter Tränen hatte Erik Zabel vor sechs Jahren öffentlich erklärt, dass er „einmalig in seiner Laufbahn, 2006, Epo genommen habe.“ Von allen Doping-Beichten war diese vielleicht der emotionalste Moment. Da gab ein Geläuterter anscheinend reumütig einen Fehler zu, bat mit stockender Stimme um Vergebung. Hatte die Gesellschaft nicht auch einem einstigen Straßenkämpfer verziehen, der später sogar deutscher Außenminister wurde?

Nach den neuesten Enthüllungen aus Frankreich steht Zabel nun nicht nur als weiterer Doper, sondern auch als eiskalter Betrüger da. Gehörten die Tränen damals noch zu einer geplanten Inszenierung? Und das ausgerechnet beim früher vermeintlich ehrlichen „Ete“.

Dass viele der Protagonisten eines ganzen Jahrzehnts im Dopingsumpf versunken sind, fand nun die medizinische Bestätigung. Es ist ein Beweis, der jetzt im Grunde niemanden mehr verblüfft. Auch wenn die Glaubwürdigkeit einen neuen schweren Schlag erlitten hat.

Die früheren Vergehen der Ullrich, Pantani, Cipollini und anderer notorischer Doping-Leugner taugen aber nicht dazu, den Radsport nun wieder in Bausch und Bogen zu verdammen. Ein Marcel Kittel, ein Tony Martin und andere Hoffnungsträger haben sich mehrfach von der verseuchten Doping-Vergangenheit ihrer Vorgänger distanziert. Die junge deutsche Generation steht bisher für sauberen Sport – der Thüringer Kittel hat dies als vierfacher Etappensieger bei der Tour de France bewiesen. Das sollten auch die öffentlichen Erregungsfanatiker bei ihren Empörungsritualen bedenken.