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"Na klar habe ich Angst, mich anzustecken"

Krankenpfleger André Wolff arbeitet beim DRK-Blutspendedienst in Ostsachsen. In diesen Tagen sind er und seine Kollegen bis an die Belastungsgrenze gefordert.

Von Jana Ulbrich
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Krankenpfleger André Wolff aus Niesky arbeitet beim DRK-Blutspendedienst in Ostsachsen.
Krankenpfleger André Wolff aus Niesky arbeitet beim DRK-Blutspendedienst in Ostsachsen. ©  Rafael Sampedro

Der Mundschutz ist lästig. Normalerweise trägt André Wolff bei der Arbeit keinen. Jetzt aber ist das Pflicht. Und André Wolff, Krankenpfleger beim DRK-Blutspendedienst, muss sich zähneknirschend fügen. Dabei kann er sich auch mit dem blauen Stoff vor Mund und Nase nicht unbedingt sicherer fühlen. "Ich trage das Ding ja nicht in erster Linie, um mich vor den anderen zu schützen, sondern um die anderen vor mir zu schützen", erklärt der 53-Jährige.

Die Anderen, das sind jeden Tag bis zu hundert Menschen und mehr, denen André Wolff bei seiner Arbeit viel näher kommen muss, als es die Allgemeinverfügung zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus vorschreibt. Und es sind immer wieder andere Menschen. Beim letzten Blutspendetermin in Löbau waren es über 100, ein paar Tage später in Neugersdorf 92. 

Dieses Gefühl hatte er in den ganzen elf Jahren nicht

Zwar werden die Blutspender gegenwärtig nach bestem Wissen und Gewissen auch auf eine mögliche Corona-Infektion hin abgeklopft, doch 100-prozentig ausschließen könne es niemand, dass jemand das Virus mitbringt. "Na klar habe ich Angst, mich anzustecken", sagt André Wolff ganz ohne Umschweife. Es sei eine gesunde  Angst aus gesundem Menschenverstand heraus, fügt er hinzu, aber es sei auch ein Gefühl, das er so in den ganzen elf Jahren nicht hatte, die er nun schon beim Blutspendedienst arbeitet.

André Wolff gehört zu denjenigen, die den Blutspendern die Kanüle anlegen und das Blutabnehmen neben dem Spenderplatz überwachen. Sein Job ist schon in normalen Zeiten lebenswichtig für andere, in Corona-Zeiten erst recht. Blut kann nicht künstlich hergestellt werden. Blutspenden werden dringend gebraucht - 2.000 Konserven jeden Tag alleine in Sachsen.

Für André Wolff und seine Kollegen gibt es kein Homeoffice. Und es wäre undenkbar, die Arbeit vorübergehend ruhen zu lassen. Im Gegenteil: Pfleger André und seine Kollegen vom DRK-Blutspendedienst Nordost schieben in diesen Tagen Überstunden. Wegen der verschärften Sicherheitsmaßnahmen ziehen sich die Abläufe bei der Blutspende in die Länge. 10-, 11-Stunden-Tage sind jetzt normal. 

"Es ist für uns alle eine große Stresssituation", sagt André Wolff. "Aber wir wissen ja alle auch, wofür wir das machen." Auch an diesem Tag wird er erst kurz vor Mitternacht wieder zu Hause in Niesky sein. 

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