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„Klare Strukturen helfen gegen die Angst“

Die Corona-Pandemie sorgt bei vielen Menschen für Verunsicherung. Das Fachkrankenhaus Bethanien in Hochweitzschen richtet eine Hotline ein.

Francisco Pedrosa Gil ist Ärztlicher Direktor und Chefarzt am Fachkrankenhaus Bethanien. Die Klinik hat eine Telefonhotline eingerichtet. Ratsuchende können sich hier von psychologischen Mitarbeiten beraten lassen.
Francisco Pedrosa Gil ist Ärztlicher Direktor und Chefarzt am Fachkrankenhaus Bethanien. Die Klinik hat eine Telefonhotline eingerichtet. Ratsuchende können sich hier von psychologischen Mitarbeiten beraten lassen. © Archiv/André Braun

Hochweitzschen. Gerade für Menschen, die unter Depressionen leiden, stellt die aktuelle Situation eine besondere Herausforderung dar. Denn sie nehmen Furcht und Angst ohnehin extrem wahr. Aber auch Menschen ohne psychische Vorerkrankung geraten in der Krise häufig an ihre Belastungsgrenzen.

Auch aus diesem Grund hat das Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie Bethanien in Hochweitzschen eine Telefonhotline eingerichtet. Ratsuchende können sich hier kostenlos in allen Problembereichen von psychologischen Mitarbeitern beraten lassen und sich dabei auf Anonymität und ärztliche Schweigepflicht verlassen.

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Es steht jeweils ein Psychologe oder eine Psychologin der Klinik als Ansprechpartner zur Verfügung. „Es geht darum, dass sich Menschen Rat holen können, ohne dass sie gleich ins Krankenhaus kommen müssen“, sagte Dr. Francisco Pedrosa Gil, Ärztlicher Direktor und Chefarzt am Fachkrankenhaus Bethanien. 

Der Experte am Telefon könne dann entscheiden, ob das Gespräch ausreichend war oder ob eventuell weitere Hilfe in Anspruch genommen werden sollte. „Für uns war es wichtig, für den Landkreis ein solches Angebot zu entwickeln, bei dem die Menschen keine große Hemmschwelle überwinden müssen“, so Pedrosa.

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Der Chefarzt hat darüber hinaus Empfehlungen zusammen gestellt, um Menschen bei der Bewältigung der aktuellen Situation zu helfen. „Für mich ist es an erster Stelle von großer Bedeutung, angstbesetzte Themen wie Krankheit und Tod, ausgelöst jetzt auch durch die aktuelle Krise, offen anzusprechen“, erklärt Dr. Francisco Pedrosa Gil. 

Für ihn liegt darin auch die Chance, sich bewusst mit diesen häufig tabuisierten Themen auseinanderzusetzen. „Das Wort „Krisis“ stammt aus dem altgriechischen und kann sinngemäß auch Meinung, Beurteilung, Entscheidung bedeuten, es kann also durchaus auch einen positiven Aspekt darstellen“, fährt der Chefarzt fort. 

Für ihn ist es zudem entscheidend, zwischen rational bedingten Gründen, wie finanziellen Rücklagen für den Krankheitsfall, und irrationalen Ängsten zu unterscheiden. Letztere können in unbewussten, nicht kontrollierbaren Panikzuständen enden. 

„Rationales beziehungsweise vernünftiges Denken sollte nicht durch Angst oder irrationale Affekte überlagert werden. So hilft es, Ängste zu lindern, wenn beispielsweise auch Vorsorgemöglichkeiten offen geklärt werden. Das sind erste Schritte, um mit einer Gefahr umzugehen, die schwierig einzuschätzen ist.“

Tipps für den Alltag

Der Experte hat Tipps zusammengestellt, um den Alltag zu bewältigen. „Es ist wichtig, eine klare Tagesstruktur zu haben“, so Pedrosa. Dazu gehört ein an den Bio-Rhythmus angepasster Tagesablauf mit festen Zeiten für Aktivitäten und Entspannung. „Aus vielen Untersuchungen wissen wir, wie wichtig Bewegung auch für die psychische Gesundheit ist“, erklärt der Experte. Daher sollten Sport und Bewegung fester Bestandteil des Tagesprogramms sein. 

Auch das Einhalten eines festen Schlaf-Wach-Rhythmus zählt zur Prävention, denn längere Schlafstörungen können zu psychischen Störungen wie Depressionen führen. Im Hinblick auf Entspannung empfiehlt Dr. Pedrosa, dass nicht permanent die Nachrichten mit den aktuellen Corona-Zahlen verfolgt werden. „Es ist wichtig, dass man sich auch mal eine Auszeit nimmt“, so der Chefarzt.

Entspannungstechniken wie autogenes Training oder auch das Hören klassischer Musik seien mögliche Mittel, um abzuschalten. Ein soziales Netzwerk aus Familie und Freunden ist hilfreich für die psychische Gesundheit und Balance. Dank Telefon, Videochats und Onlineforen können Kontakte sogar in der Quarantäne gepflegt werden. „Wir haben zu Hause kürzlich mit einer befreundeten Familie über das Internet kommuniziert. Beide Familien hatten Kaffee und Kuchen und so haben wir gegenseitig sehen können, wie jeder seinen Kuchen verspeist. Das hat richtig Spaß gemacht“, berichtet Pedrosa aus eigener Erfahrung.

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In der Fachklinik Bethanien Hochweitzschen werden die Patienten weiterhin stationär versorgt. Auch wenn hier derzeit noch kein durch Corona-Ängste ausgelöster Zuwachs an Patienten zu verzeichnen ist, ist man auf eine Zunahme der Anfragen eingestellt. „Laut internationaler Literatur ist zu vermuten, dass es eine Dunkelziffer gibt. In unserer Region gibt es aktuell keinen Zuwachs an Patienten, aber wir müssen abwarten, wie sich das weiterentwickelt“, so Pedrosa.

Die Hotline des Fachkrankenhauses Bethanien ist unter der Telefonnummer 03431/656123 täglich (außer am Wochenende und feiertags) von 10 bis 12 Uhr erreichbar.

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