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Der Plan für Flüchtlingsunterkünfte

Im Kreis Meißen sind aktuell 1.132 Asylbewerber. Neuzuweisungen sind ab Anfang April ausgesetzt.

Das Asylbewerberheim in Radebeul-Naundorf ist das größte im Landkreis Meißen. Heydarfezaiye aus Afghanistan hat hier seine Unterkunft.
Das Asylbewerberheim in Radebeul-Naundorf ist das größte im Landkreis Meißen. Heydarfezaiye aus Afghanistan hat hier seine Unterkunft. © Norbert Millauer

Landkreis Meißen. Im Kreis Meißen sind 1.132 Asylbewerber untergebracht. Bekommen Flüchtlinge jetzt einen Heimkoller, wenn sie allenfalls einkaufen gehen dürfen? Ist die Hygiene, sind die Abstände in den Unterkünften gewahrt? Was passiert, wenn Corona unter Flüchtlingen im Kreis Meißen festgestellt wird? Die SZ hat sich in der größten Unterkunft, dem Radebeuler Heim im Ortsteil Naundorf, sowie bei Barbara Schwedler, Leiterin des Ausländeramtes, erkundigt.

Gibt es neue Zuweisungen von Flüchtlingen im Kreis?

Aktuell ist die Neuzuweisung für den Kreis ausgesetzt, heißt es vom Ausländeramt. Und die beruhigende Antwort auf die Nachfrage: Nein, es gibt im Kreis Meißen noch keinen nachgewiesenen Corona-Fall unter Asylbewerbern.

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Wie wird für die Hygiene vor allem in den Heimen gesorgt?

Auf die Einhaltung der Hygieneregeln in den Gemeinschaftsunterkünften achtet das hierfür eingesetzte Personal, wie etwa der Heimleiter und die Hausmeister. Wilfried Pohl, mit seiner Firma ITB Betreiber des Radebeuler Heimes: „Wir haben Desinfektionsspender aufgehängt. Tagsüber sind üblicherweise drei Personen mit dem Hausmeister zur Sicherheitsüberwachung im Heim. Nachts sind es zwei Personen.“

Die Regeln zur Hygiene sind in mehreren Sprachen im Heim ausgehängt worden. Das Personal achte darauf, dass es möglichst keine Gruppenbildung gibt. Für Hausmeister und Sicherheitspersonal selbst stehen Schutzmasken bereit, so Pohl. Allerdings sei Zwang und Mindestabstand einhalten unter Flüchtlingen schwierig. Barbara Schwedler: „In Anbetracht der aktuellen Situation ist jedoch auch festzustellen, dass die Bewohner selbst verstärkt auf Hygiene acht geben.“

Wie kann Hilfe organisiert werden, zur Essenversorgung?

Derzeit ist das noch nicht notwendig, heißt es vom Ausländeramt. Die Bewohner sind eigenverantwortlich für ihre Versorgung zuständig. „Sollte im Quarantänefall Unterstützung notwendig sein, wie etwa einkaufen oder die Versorgung mit Essen, werden wir diese Hilfen organisieren bzw. bei der Organisation unterstützen“, so Barbara Schwedler.

Können Familien durch das Amt unterstützt werden?

Grundsätzlich erfolgt keine Unterbringung von Familien in den Heimen, so die Leiterin des Ausländeramtes. Insbesondere deshalb, weil auf die speziellen Situationen wie abgetrennte Schlafzimmer und Kinderzimmer oder sanitäre Einrichtung nur für die Familie nicht überall und vor allem aus baulich bedingten Gründen nicht eingegangen werden kann. 

Daher werden Familien im Landkreis Meißen in der Regel in Gewährswohnungen untergebracht. Das sind Wohnungen, die das Landratsamt angemietet hat. Nur in Ausnahmefällen erfolgt auch eine vorübergehende Unterbringung von Familien in den Heimen, etwa wenn derzeit keine adäquate Gewährswohnung zur Verfügung steht oder die Familie bereits bestandskräftig vollziehbar ausreisepflichtig ist.

Was passiert, wenn es infizierte Personen im Heim gibt?

Wenn es doch zu einem Corona-Ausbruch kommen sollte, dann gibt es seitens des Amtes einen klaren Plan. Ist es eine Person, kann diese in ihrem Zimmer isoliert und dort auch versorgt werden. Dazugehörige Sanitäreinrichtungen würden für andere Menschen gesperrt, so das Ausländeramt. Barbara Schwedler: „Ähnlich würden wir verfahren, wenn es einen Flur oder einen Flügel des Heimes betrifft. Steht das ganze Heim unter Quarantäne, gibt es einen Plan, wie Ver- und Entsorgung am Zaun erfolgen.“ Da nicht alle Heime voll belegt sind, stünden auch Ausweichzimmer für eine Umsiedlung zur Verfügung, so das Amt.

Wie viele Asylbewerber sind wie im Kreis untergebracht?

In den vier Gemeinschaftsunterkünften, also Asylbewerberheimen, sind insgesamt 230 Flüchtlinge untergebracht. Das sind die Heime in Radebeul-Naundorf, zwei in Riesa Am Birkenwäldchen und der Nickritzer Straße sowie ein Heim Am Kupferberg in Großenhain. Die große Mehrheit der Flüchtlinge lebt in Wohnungen - 830 Asylbewerber in 301 Wohnungen. 99 Menschen sind in privaten Unterkünften (keine genauere Angabe; alles Stand 31. März 2020). Bis zum 31. März wurden dem Landkreis im Jahr 2020 genau 31 Personen zugewiesen. Im vorigen Jahr waren es insgesamt 351 (2018 = 394; 2017 = 437).

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.

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