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Stärkung des ländlichen Raumes

Der Schulkomplex Schleife soll im Dezember fertig sein. Der Umzug der Schüler ist für die Februarferien 2019 geplant.

Die Bauarbeiten am Schleifer Schulkomplex liegen im Zeit- und Kostenplan.
Die Bauarbeiten am Schleifer Schulkomplex liegen im Zeit- und Kostenplan. © Foto: Andreas Kirschke

Schleife. Staunend hielten die Besucher inne. „Diese Schule ist wichtig für die Jugend. Langfristig ziehen wieder junge Familien hierher. Diese Schule ist wichtig für die Zukunft unserer Enkel“, meinten Carola und Ulf Mäkelburg aus Schleife beim Rundgang. Sonnabend beim Tag der offenen Baustelle im entstehenden deutsch-sorbischen Schulkomplex Schleife gehörten sie zu den ersten Teilnehmern. Schüler, Eltern, Großeltern und viele Interessierte (auch aus den Nachbarkommunen) kamen Sonnabend zum Tag der offenen Baustelle. Mit dabei waren auch Ministerpräsident Michael Kretschmer und Vertreter der LEAG.

„Wir liegen im Zeitplan und im Kostenrahmen“, fasste Bau-Ingenieurin Annett Dreißig, Projektverantwortliche der Gemeinde Schleife im Amt für Planen, Bauen und Bergbau, ihre erste Führung zusammen. Auf 54 000 Quadratmetern lässt die Gemeinde als Bauherr das Schulzentrum seit der Grundsteinlegung im September 2017 errichten. 44 Leistungen vergab sie dabei an Firmen. „80 Prozent mussten wir europaweit ausschreiben. Das war immenser Aufwand“, verdeutlichte die Projekt-Verantwortliche. „Für jedes Los gab es zumindest ein Angebot. Alle Firmen, die Aufträge erhielten, kamen aus Deutschland.“ Voran kommt der Innenausbau in Grundschule, Oberschule, Hort, Bibliothek und Sporthalle. Auf einer Fläche von 105 mal 60 Metern entsteht der Sportplatz. Enthalten soll er unter anderem 400 Meter-Lauf-Bahnen, zwei Rundlauf-Bahnen, Anlagen für Kugelstoßen und Weitsprung, Volleyball-Feld, Faustball-Feld und eine Gymnastik-Wiese. Die Sporthalle bietet den Zuschauern 197 Plätze und zwei Behinderten-Plätze. „In der übernächsten Woche wird der Sportboden abgedichtet. Dabei entsteht in der Halle ein pralldichter Belag“, erläuterte Annett Dreißig.

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Voran kommt ebenso die Gestaltung der Außenanlagen. Dort entstehen 74 Parkplätze und vier Behinderten-Parkplätze. Viele Grünpflanzen sollen die Außenanlagen prägen. Im Schulzentrum selbst erhalten viele Räume interaktive Flachbildschirme. Die Klassenzimmer entstehen nach modernem Standard. „Die Mensa verfügt über eine eigene Küche. Geplant ist, dass wir frisch selbst kochen“, so Annett Dreißig. „Die Gemeinde leitet alle wichtigen Schritte ein. Derzeit organisieren wir die Ausschreibungen.“ Insgesamt plant die Gemeinde als Bauherr mit 120 Plätzen für den Hort, mit 220 Plätzen für die Grundschule und mit 250 Plätzen für die Oberschule. Am 12. Dezember soll das Schulzentrum fertig sein. Danach folgen einen Monat lang die Bau-Abnahmen. Der Umzug der Grundschule und der Oberschule soll in den Februar-Ferien 2020 folgen. Zwischen dem neuen Schulzentrum und dem Betonwerk Bierholdt soll eine Lärmschutz-Wand entstehen. Als weitere wichtige „Außen-Maßnahmen“ nannte die Projekt-Verantwortliche den Radweg, die Straßen-Beleuchtung und den Rodelberg. „Das Schulzentrum wird die Lehr- und Lernbedingungen deutlich verbessern. Hier wird weit vorausschauend für die Zukunft gebaut“, staunten Adelheid und Harry Krause aus Lieskau. Ihr Heimatort gehört mit zum Kirchspiel Schleife. Die meisten Lieskauer Eltern, so Harry Krause, wollen ihre Kinder künftig in die Grundschule Schleife schicken. „Die Landesgrenze soll dabei kein Hindernis sein“, meinte der Lieskauer.

Auch Maler und Grafiker Jörg Tausch freut sich auf das neue Schulzentrum. Der Rohner ist Meister und Restaurator im Stuckhandwerk. Seit August 2018 unterrichtet er das Fach Kunsterziehung in der Schleifer Oberschule. Möglich ist das durch den Abschluss Bachelor of Arts. Er erwarb ihn 2019 an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin. „Die Räume, Wege und Strukturen im neuen Schulzentrum sind sinnvoll angelegt. Die farbliche Gestaltung ist darauf abgestimmt. Wichtig ist die Behindertenfreundlichkeit der Schule“, meinte der Rohner. „Mein Ziel ist, im Fach Kunsterziehung künftig verstärkt Projekte zur sorbischen Kultur einzubinden.“ Interaktive Tafeln erleichtern den Unterrichtsfluss. Sie ermöglichen viel Kreativität, so Jörg Tausch. Er freut sich auf mehr Platz. Es gibt einen Keramik-Raum und einen größeren Vorbereitungsraum für den Unterricht. „Ich kann größere Gestaltungen mit den Schülern vornehmen. Für Gemeinschaftsprojekte ist das ganz wichtig. Denn sie fördern den Respekt, die Achtung und die Toleranz im Umgang miteinander“, unterstrich der Rohner. Eigens für die Schule gestaltet er derzeit Entwürfe für eine Skulptur. Aus Kunststoff, Bronze oder Beton soll sie entstehen. Sie soll die deutsch-sorbische Verbundenheit im Kirchspiel zeigen. Sie soll eine kreative, freie Gestaltung der Elemente sein. Aufgestellt werden soll sie direkt vor dem künftigen Schulzentrum. Als dessen würdigen Namen favorisieren die Schüler, die Lehrer und die Schulkonferenz Kito Lorenc. Auch der Domowina-Regionalverband und die Kirchengemeinde Schleife unterstützen den Vorschlag. Kito Lorenc (1938-2017) war gebürtiger Schleifer. Der sorbisch-deutsche Lyriker, Dramatiker und Übersetzer lebte zuletzt als freier Schriftsteller und Dichter in Wuischke bei Hochkirch. „Mit seinem Hauptwerk «Struga» setzte er Schleife ein Denkmal. Das ist für unsere Schüler Forschungsgegenstand und identitätsstiftend zugleich“, unterstrich Wolfgang Goldstein, seit 1990 Schulleiter. Von insgesamt 230 Schülern lernen derzeit 110 Schüler Sorbisch nach dem Konzept 2plus. An der Grundschule sind es rund 100. „Die Zahl der Sorbisch-Schüler ist in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen“, erläuterte Petra Rübesam, seit 2006 Leiterin der Grundschule und Lehrerin für Sorbisch, Sport und Englisch. Die Bedingungen zum Sorbisch-Lernen werden sich durch das neue Schulzentrum deutlich verbessern. Jeder 2plus-Klasse steht künftig ein separater Raum für die inhaltliche Arbeit zur Verfügung.

„Das Schulzentrum ist unser größtes kommunales Projekt. Es verlangt immensen Aufwand“, sagte Bürgermeister Reinhard Bork (CDU). Zwischenzeitlich stand das Projekt auf der Kippe. Jetzt wird es dank Unterstützung durch den Freistaat und die LEAG konsequent realisiert. „Das ist nicht selbstverständlich“, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). „Der Bau ist ein klares Signal zur Stärkung und Förderung des ländlichen Raumes.“