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Klartext von Dynamos Kapitän und Mathematiklehrer

Rechnen verboten! Sagt Marco Hartmann, und er erklärt seine Herangehensweise.

© Robert Michael

Von Tino Meyer

Der Hinweis zum Abstiegskampf in der zweiten Fußball-Bundesliga kommt zur richtigen Zeit und außerdem vom Fachmann. „Einfach die Situation annehmen, wie sie ist und die Punkte sammeln, die notwendig sind. Und wenn es diesmal 45 Punkte sein müssen, dann eben 45“, sagt Marco Hartmann, Kapitän von Dynamo Dresden und studierter Mathematiklehrer.

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Wenn einer diese verrückte wie spannende Arithmetik im Tabellenkeller durchschauen könnte, dann vermutlich er. Am vergangenen Montag hat aber auch Hartmann nicht schlecht geguckt, als der Vorletzte Darmstadt in Unterzahl gegen den Spitzenreiter Düsseldorf gewann. Lediglich sechs Zähler trennten damit sechs Spieltage vor Schluss den Siebenten vom 17.

So viel Gedränge im Abstiegskampf hat auch Hartmann noch nicht erlebt, die Sache aber auch positive Seiten. „Der Vorteil ist, dass wir uns nur auf die eigenen Spiele konzentrieren müssen. Wenn wir Punkte sammeln, wird es genügend Mannschaften geben, die keine Punkte kriegen und hinter uns landen“, sagt der 30-Jährige vor Dynamos Auswärtsspiel am Sonntag bei Eintracht Braunschweig.

Es ist das Duell der punktgleichen Tabellennachbarn, die zudem überraschend den Blick nach unten richten müssen. „Natürlich ist ein gewisser Druck da, da brauchen wir nicht drumherum reden. Die Situation in der vergangenen Saison hat mir besser gefallen“, meint Hartmann. Als beide Teams im Vorjahr am 10. April aufeinandertrafen, spielten sie um eine Aufstiegschance. Dynamo verlor 0:1, musste sich am Ende mit Platz fünf zufriedengeben. Und Braunschweig scheiterte letztlich in der Aufstiegsrelegation am VfL Wolfsburg.

Nur hilft der Blick zurück genauso wenig wie die Tatsache, dass oft genug schon jene 36 Punkte für den Klassenerhalt reichten, die Dynamo bisher gesammelt hat, findet Hartmann. „Es macht überhaupt keinen Sinn, jetzt zu lamentieren, dass diesmal so viele Punkte notwendig sind für den Klassenerhalt. Wer das macht, wird am Ende wahrscheinlich absteigen“, sagt der Mittelfeldspieler, der vergangenen Samstag beim 1:1 gegen Nürnberg sein Comeback gab. Von Krämpfen geplagt, ging er danach vom Platz, fühlt sich nach der – laut Cheftrainer Uwe Neuhaus – sehr guten Trainingswoche aber in besserer Verfassung.

Nicht ablenken lassen, Konzentration schärfen, Druck aushalten – darauf kommt es für Hartmann in dieser entscheidenden Saisonphase an. „Ich habe schon vor ein paar Wochen angefangen, alle Sachen um mich herum ein bisschen auszublenden: Tabelle, Medien, Umfeld. Da muss jeder für sich einen Weg finden, da muss die Mannschaft einen Weg finden. Ich glaube, dass der Druck auf jeden Fall auch leistungsfördernd sein kann“.

Durchgerechnet, wieviel Punkte am Ende reichen, hat aber auch Hartmann nicht. „Die 45 Punkte habe ich einfach nur so gesagt. Es macht als Spieler überhaupt keinen Sinn rumzurechnen oder zu gucken, wer spielt gegen wen und vielleicht wie und wer am letzten Spieltag gegeneinander. Das ist vollkommen irrelevant. Das einzig sinnvolle, womit ich mich beschäftigen kann, ist das Spiel am Sonntag“, sagt er und betont: „Egal, wieviel Punkte die anderen sammeln, wir müssen mehr holen. Das ist die Herangehensweise.“

Das hat Hartmann auch seinen Mitspielern noch mal deutlich gesagt, von denen bis auf Sören Gonther alle 25 fit sind. Nach Braunschweig fahren 18, und elf stehen in der Anfangsformation. Das sorgt für reichlich Enttäuschungen, zumal der Trainer angekündigt hat, nicht viel verändern zu wollen im Vergleich zur Vorwoche.

Doch Hartmann hält dagegen – und ein abschließendes Plädoyer: „Ich glaube, dass wir in dieser Saison sehr viele Wechsel hatten. Jetzt ist die Mannschaft einmal über die Woche gesund geblieben, es gibt keine Sperren. Aber dafür gibt es Trainingsleistungen, mit denen man sich anbieten kann. Und es ist ja auch nicht so, dass wir letzte Woche 5:0 gewonnen haben. Es gibt also genug Möglichkeiten, in die Mannschaft reinzukommen.“