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Hoyerswerda

Klassentreffen nach 55 Jahren

In Groß Särchen waren die 1954er die Ersten, die die Schulausbildung im Heimatort abschließen konnten.

Gruppenfoto zum Klassentreffen vor der heutigen Grundschule Groß Särchen. In zwei Jahren soll es eine Neu-Auflage geben.
Gruppenfoto zum Klassentreffen vor der heutigen Grundschule Groß Särchen. In zwei Jahren soll es eine Neu-Auflage geben. © Foto: Elvira Hantschke

Von Elvira Hantschke

Es war im Jahre 1962: Da zogen die Groß Särchener Schülerinnen und Schüler vom alten Kirchschulgebäude in ihren Klassenraum in die neu erbaute Schule an der Koblenzer Straße. Und absolvierten dort als Erste die 9. und 10. Klasse. Alle Jahrgänge davor mussten für die letzten beiden Schuljahre zur Schule nach Wittichenau fahren, da in Groß Särchen räumlich keine Möglichkeit bestand, den Abschlussklassen-Unterricht zu organisieren. Die Freude war groß, als sich alle zum ersten Fahnenappell auf dem Schulhof aufstellten ...

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Jetzt, nach 55 Jahren, trafen sich immerhin 19 Ehemalige von einst 31 im Jahr 1954 eingeschulten „Kindern“. Nachdem gemeinsamen Kaffeetrinken in Rudis Café ging es hin zur Grundschule Groß Särchen, in welcher sie als damals erste Klasse, die die Klassen neun und zehn bestreiten konnte. Dort wurden sie bereits freundlich erwartet von Steffen Münster, der sich seit zehn Jahren als Hausmeister um das technische Wohl dieser Einrichtung kümmert. Er begrüßte die gut gelaunte Gruppe mit den Worten: „Ich gestalte ja des Öfteren Führungen durch das Schulgebäude, aber Sie sind mit Abstand die Ältesten – und noch dazu die Ersten, die an dieser Schule ihre Schulzeit beendet haben.“ Nach einem Erinnerungsfoto vor dem Schulgebäude wurde zunächst der alte Klassenraum aufgesucht. Und erstaunlich schnell wurden die einstigen Sitzplätze gefunden, eingenommen und dabei viel gelacht. Gemeinsam erinnerten sich die Ehemaligen an die Zeit des Aufbaus der neuen Schule, wo sie selbst oft als Schüler im Rahmen des NAW (Nationales Aufbauwerk) beim Schuttwegfahren mit geholfen haben. 1962 war es dann so weit. Die Schule war weitestgehend fertig. Allerdings mussten die Schüler noch Bänke und Stühle vom alten Kirchschulgebäude ins neue große und helle Klassenzimmer herübertragen. Und das haben sie ohne Knurren und Murren getan, von der Vorfreude getragen, nun nicht die letzten zwei Schuljahre nach Wittichenau fahren zu müssen.

Gut eine Stunde dauerte die Schulbesichtigung, bei der ganz viele Erinnerungen wach wurden. Zum Beispiel gab es damals noch keine Schulaula, die Schulküche befand sich in einer flachen Baracke neben der Schule, welche zuvor von den Bauarbeitern belegt war. Eine Turnhalle gab es auch nicht. Jetzt ist alles schick – und auch „beisammen“, betont Steffen Münster und meint damit, dass Schule, Hort und Kita quasi unter einem Dach vereint sind. Kaum ein Ort kann so etwas aufzeigen.

Der Hausmeister hatte viel Freude beim Rundgang und erfuhr so einiges von früheren Schulspäßen. Die Schüler betonten wiederholt, wie schön die Schulzeit doch war. Das konnte auch der ehemalige Lehrer für Deutsch und Russisch, Achim Noack, bestätigen. Die Einladung zur Klassenfeier freute ihn sehr. „ Wenn auch mal Späße gemacht wurden, so war man doch eine Respektsperson. „Überhaupt hatte diese Klasse ein Alleinstellungsmerkmal, was es so nie wieder gegeben hat. Da die Jungs in der Überzahl und noch dazu durch die Bank sportbegeistert waren, organisierten sie sämtliche sportlichen Veranstaltungen. So zum Beispiel eine Friedensfahrt über mehrere Dörfer. Sie stellten eine Eishockeymannschaft auf und spielten aktiv Fußball. Alles aus eigenem Antrieb!“

Nach der Schulbesichtigung ging es wieder in Rudis Café. Alte Fotos wurden herumgereicht und so manche „Weißt-du-noch“Geschichte erzählt. Beim Abschied waren sich alle einig: Ein nächstes Klassentreffen sollte schon bald wieder stattfinden – etwa in zwei Jahren.