merken
PLUS

Klassische Musik zwischen alten Maschinen

Das 23. Festival Mitte Europa gastiert in Pirna. Ein renommierter Bratschist spielt in der Fensterfabrik Hengst.

Von Marcus Herrmann

Pläne, was mit der seit 2007 stillgelegten Fenster- und Holzbaufirma Friedrich Hengst auf der Maxim-Gorki-Straße passieren soll, gibt es viele. Die Stadt möchte dort gern kulturelle Veranstaltungen sehen. Bisher ist in dieser Hinsicht noch nichts passiert.

Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden

Zur langen Einkaufsnacht unter dem Motto "Late Night Shopping" lädt das City Management Dresden am Freitag, 2. Oktober, in die Dresdner Innenstadt ein. Vom Neumarkt an der Frauenkiche bis zur Prager Straße beteiligen sich zahlreiche Händler und die großen Einkaufsgalerien an der Aktion.

Doch jetzt steht erstmals ein kultureller Höhepunkt ins traditionsreiche Haus. Am 16. Juli veranstalten die Organisatoren des Festivals Mitte Europa einen Abend in Pirna. Das vom 15. Juni bis 3. August stattfindende Ereignis geht in seine 23. Auflage und wartet mit zahlreichen Ausstellungen, Workshops und Konzerten in den Grenzregionen zwischen Sachsen, Bayern und der Tschechischen Republik auf.

„Dabei suchen wir traditionell bewusst nach Spielorten mit einer besonderen Geschichte, die gern auch in kleinen Städten und Gemeinden liegen dürfen“, sagt der künstlerische Leiter des Festivals, Professor Thomas Thomaschke. Der einstige Konzert- und Opernsänger aus Pirna wird mit einem kleinen Team von meist studentischen Mitarbeitern aus Deutschland und Tschechien die Maschinenhalle der alten Fensterfabrik am 16. Juli in einen Konzertsaal verwandeln. Bis zu 200 Leute sollen darin Platz haben.

„Wir werden natürlich für eine angemessene Beleuchtung und Sitzmöglichkeiten sorgen, möchten aber an dem Ambiente gar nicht viel ändern“, verrät der 70-jährige Thomaschke. Gerade das Wechselspiel der vielen etwas verstaubten, aber noch voll funktionsfähigen Maschinen mit der Musik soll für ein ganzheitliches Erlebnis bei den Zuschauern sorgen, ihnen die architektonischen Besonderheiten des Raumes näher bringen und auch zum Nachdenken anregen, was für die Nutzung der Fensterfabrik sinnvoll sein könnte.

Für die musikalische Untermalung sorgt in diesem Jahr der gebürtige Bremer Nils Mönkemeyer. Der mehrfach ausgezeichnete, international bekannte Bratschist und Dozent an der Münchner Hochschule für Theater und Musik wird ab 19.30 Uhr auf der Viola Solo-Recitals von Johann Sebastian Bach zum Besten geben.

Einen besonderen Moment für alle Gäste planen die Veranstalter: „Während des Spiels des Künstlers haben wir vor, die Klänge der Viola und einer der Maschinen im Zusammenspiel zu Gehör zu bringen“, sagt Thomaschke. Dazu wird der heutige Verwalter und langjährige Geschäftsführer der ehemaligen Fensterfabrik Hengst, Christian Dinter, die Hobelmaschine oder die elektrische Säge anwerfen. Der 77-Jährige hofft auf einen effektvollen Abend, der viele Leute in das denkmalgeschützte Bauwerk locken soll.

Zukunft der Fabrik weiter ungewiss

„Nach der Wende haben in den Räumen über 60 Leute gearbeitet. Mitte der Neunziger bis zum Jahr 2000 hatten wir sogar 105 Angestellte, die hier Fenster produzierten“, sagt Dinter. Der riesige, 1900 errichtete Gebäudekomplex mit seinen Jugendstilelementen habe es verdient, wieder einer sinnvollen Nutzung zugeführt zu werden. Derzeit vermietet Dinter einen Teil der von ihm verwalteten Räume und Stellplätze an Privatpersonen, den Kreissportbund oder den Tourismusverband.

Ob der Fabrikkomplex nach dem Konzert dauerhaft für kulturelle Ereignisse genutzt wird, ist nicht sicher. „Es existieren diverse Skizzen und Grundrisse, die den Bau eines Veranstaltungs- und Kongresszentrums Hengst vorsehen“, erklärt Dinter. Die Pläne dazu hat er selbst auf dem Tisch. Ob diese am Standort Pirna finanzierbar sind, wird sich zeigen. Dinter und Professor Thomaschke hoffen durch die Festivalveranstaltung auf neue Impulse für zukünftige Nutzungskonzepte. Was nicht passieren dürfe, sagt Thomaschke, ist ein jahrelanger Stillstand. „Denn dann verfällt alles nach und nach. Dass es nicht so weit kommt, dazu wird das Konzert von Nils Mönkemeyer hoffentlich einen Beitrag leisten.“

Das Festival Mitte Europa ist nach längerer Abstinenz seit 2003 wieder verstärkt im Raum Sächsisch-Böhmische Schweiz aktiv. In diesem Jahr wird es 60 Veranstaltungen mit Musik, Theater, Literatur und bildender Kunst geben. Nicht nur in Pirna, sondern unter anderem auch in Graupa, Struppen, Weesenstein oder Naundorf.

Eintrittskarten für das Konzert in der Fabrikhalle Hengst sind noch vorhanden und kosten 14 Euro. Bestellung entweder telefonisch oder im Internet.

03501 58530, web www.festival-mitte-europa.com