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Klauen die dreisten Diebe weiter?

Vier Männer haben eine Werkhalle „entkernt“ und obendrein ihre Opfer verhöhnt. Nun werden sie mit weiteren Taten in Verbindung gebracht.

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Von Thomas Mielke

Der Investor hat schon in den Startlöchern gestanden. Er wollte eine der Hallen auf dem Werksgelände hinter dem Klärwerk an der Chopinstraße, direkt an der Neiße, übernehmen und eine Firma darin ansiedeln. Als er zu verhandeln begann, war die Halle nutzbar: Es lag Strom an, es gab Licht und Wasser... Doch Diebe aus dem Nachbarland leisteten Mitte November ganze Arbeit. Die Halle sei quasi entkernt, sagte der Investor der SZ. Die Stromleitungen wurden herausgerissen, die Lampen sind kaputt, die Metallteile entfernt. Nun ist sie nicht mehr nutzbar – und der Investor hat seine Pläne für die Halle aufgegeben.

Die Diebe aber haben nicht aufgegeben. Sie waren in der Nacht zum vergangenen Montag wieder da. „Der Notruf ging gegen 6.20 Uhr bei der Polizei ein“, teilte André Schäfer von der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien gestern auf SZ-Anfrage mit. Diesmal gingen eine Bohrmaschine, ein Bohrhammer, zwei Winkelschleifer, eine Rüttelplatte und eine Kettensäge aus einer anderen Halle über die Neiße. Der Wert der Beute beläuft sich auf etwa 2 000 Euro. Dazu kommt ein Sachschaden auf dem Werksgelände in Höhe von 1 000 Euro.

Ob es sich bei den Tätern um dieselben handelt, über deren Diebstähle die SZ bereits am 24. November berichtete, weil sie ihre Opfer sowie Polizisten mit Stinkefingern und anderen obszönen Gesten beleidigt haben, und wegen denen der Investor abgesprungen ist, konnten die Ermittler gestern noch nicht eindeutig sagen. Aber der Verdacht liegt sehr nahe. Immerhin fanden die Polizisten ein Schlauchboot. Genau so eins hatten die Diebe bereits bei den Diebstählen im November benutzt.

Als die SZ am 24. November das Foto der Diebe samt des zusammengerollten Bootes veröffentlichte, hatte sich ein Zittauer gemeldet, der einen Kleingarten an der Gerhart-Hauptmann-Straße, ebenfalls direkt an der Neiße hat. Das auf dem Bild sei sein Boot, das ihm gestohlen wurde, mutmaßte er.

Inzwischen geht auch die Polizei davon aus, dass es das Boot sei, das für die Diebstähle ein paar Kilometer flussabwärts benutzt wurde. „Zu diesen Sachverhalten ermittelt die Kriminalpolizei gegen vier polnische Staatsbürger im Alter von 18, 20 und 23 Jahren“, teilte Polizeisprecher Thomas Knaup auf SZ-Anfrage mit. Vom vierten ist das Alter noch nicht bekannt. Den Männern würden die Diebstähle am 15. beziehungsweise vom 20. zum 21. November in das Gewerbeobjekt Chopinstraße und am 14. bis 16. November in drei Gartenlauben der Kleingartenanlage an der Gerhart-Hauptmann-Straße vorgeworfen.

Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts des besonders schweren Falls des Diebstahls. Danach soll die Staatsanwaltschaft Görlitz entscheiden, wie es weitergeht. „In die Ermittlungsarbeit werden auch Erkenntnisse der polnischen Polizei einbezogen“, so Schäfer. Zudem sind die Kollegen im Nachbarland über die Vorgänge in Zittau informiert. Warum sie nicht eingreifen, ist unklar. Eine entsprechende Anfrage der SZ blieb gestern von der polnischen Polizei unbeantwortet.

Die deutsche Landespolizei darf die Polen nur auf frischer Tat oder bei einem Haftgrund festnehmen. Auf frischer Tat ertappt wurden die Diebe bei keinem der Fälle, ein Haftgrund liegt bisher nicht vor. Noch schlimmer: Die im November zu Hilfe gerufenen Polizisten mussten tatenlos zusehen, wie die Polen nur wenige Meter entfernt, aber auf der anderen Seite der Neiße mit ihrem Diebesgut verschwanden – und sich dabei auch noch verhöhnen lassen.