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Klaus Arauner hängt ein Jahr dran

Der Intendant bleibt ein Jahr länger als geplant am Theater Görlitz. Das heißt für ihn, neu Luft zu holen für große Pläne.

Klaus Arauner arbeitet seit 1986 als Regisseur am Görlitzer Theater, seit 2010 als Intendant.
Klaus Arauner arbeitet seit 1986 als Regisseur am Görlitzer Theater, seit 2010 als Intendant. © nikolaischmidt.de

Herr Arauner, eigentlich wollten Sie sich nach der Spielzeit 2019/20 als Generalintendant vom Gerhart-Hauptmann-Theater verabschieden. Seit einigen Wochen ist klar, dass Sie doch noch nicht in den Ruhestand gehen können, sondern ein Jahr länger bleiben werden. Wie geht es Ihnen damit? Sie hatten sicher schon andere Pläne?

So eine Entscheidung hat immer zwei Seiten. Meine Familie war nicht sehr erfreut, dass ich nun noch ein Jahr länger arbeiten werde, aber meine Frau hat auch Verständnis dafür. Ich bin jetzt seit 1985 an diesem Haus, also den überwiegenden Teil meines Lebens, und hänge daran. Auch deshalb möchte ich dafür sorgen, dass es eine geordnete Übergabe gibt. Und mein Beruf ist keiner, den man nur halb machen kann. Als Intendant muss man voll da sein. Deshalb gab es wenige Alternativen.

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Der Bewerber, der als Nachfolger für die Generalintendanz infrage kam, ist wieder abgesprungen. Es scheint nicht leicht zu sein, jemanden zu finden.

Es gab durchaus mehrere qualifizierte Bewerbungen, aber um jemand geeignetes zu berufen, ist ein mehrstufiges Verfahren zu durchlaufen. Der Kandidat muss über die geeignete Qualifikation verfügen und von allen drei Gesellschaftern akzeptiert werden. Und es kann natürlich passieren, dass ein Kandidat wieder absagt, vielleicht weil er woanders ein besseres Angebot bekommt. Da die Vorbereitung einer Spielzeit bereits ein Jahr vorher beginnt, muss jetzt jemand da sein, der 2020/21 als Intendant mit plant.

Worauf hatten Sie schon gefreut, das Sie aufschieben müssen?

Vor allem freue ich mich auf meine Familie, wir haben inzwischen ein anderthalbjähriges Enkelkind, mit dem ich gern mehr Zeit verbringen werde. Mit unseren Urlaubsplänen wären wir erstmals nicht von den Theaterferien abhängig gewesen. Und natürlich gibt es ganz viele Dinge, die man aufschiebt mit dem Gedanken: Das mache ich, wenn ich endlich Zeit habe. Diese Dinge werden immer mehr und müssen nun noch länger warten. Zumindest habe ich also keine Sorge, dass ich mich im Ruhestand langweilen könnte.

Aber Sie waren auch nicht direkt erleichtert bei dem Gedanken, das Theater mit all seinen finanziellen Schwierigkeiten hinter sich lassen und endlich abschalten zu können?

Die finanziellen Schwierigkeiten des Theaters verfolgen uns seit 15 Jahren, das wäre kein Grund gewesen, das Haus nun zu verlassen. In meinem Alter wird Lebenszeit einfach zunehmend kostbar, deshalb freue ich mich auf den neuen Lebensabschnitt. Aber Intendant ist ein Beruf, der viele schöne Seiten hat und in dem ich mich sehr wohlfühle. Als ich bei der Gala zur Spielzeiteröffnung sagte, dass ich ein Jahr länger Intendant bleibe, bekam ich viel Zuspruch vom Publikum. Das hat mich sehr gefreut und motiviert. Insofern widme ich mich nun gemeinsam mit meinen Kollegen gern den Anforderungen, die das kommende Jahr und das Jahr darauf ganz besonders bereithalten.

Was gehört zu diesen besonderen Anforderungen?

Der „Kulturpakt“ des Freistaates Sachsen hat auf der einen Seite für die Mitarbeiter eine wünschenswerte Verbesserung gebracht, sie werden nun endlich wieder nach Tarif bezahlt. Aber die Gesellschafter kommen damit natürlich unter einen neuen finanziellen Druck, den es zu bewältigen gilt. Wir haben auf allen politischen Ebenen neue Gremien, im Stadtrat, im Kreistag und im Landtag, mit denen wir jetzt die Weichen für die zukünftige Struktur der Theaterlandschaft im Kulturraum stellen müssen. Für mich ist klar, mich dafür einzusetzen, dass das kulturelle Angebot des Theaters auf dem Niveau bleiben kann, das wir dem Publikum seit Jahren bieten.

Die Jungen Konzerte gehören zu Arauners Lieblingsangeboten des Theaters. Durch die Verlängerung seiner Intendanz wird er auch das 100. im Jahr 2021 erleben.
Die Jungen Konzerte gehören zu Arauners Lieblingsangeboten des Theaters. Durch die Verlängerung seiner Intendanz wird er auch das 100. im Jahr 2021 erleben. © nikolaischmidt.de

Bei der Spielzeiteröffnung haben Sie auch große Baumaßnahmen angekündigt, die auf das Görlitzer Theatergebäude zukommen.

In den vergangenen 20 Jahren sind die Anforderungen an den Brandschutz enorm gewachsen. Jetzt ist es Zeit, diese Auflagen zu erfüllen. Sie betreffen vor allem die Bereiche hinter der Bühne, die das Publikum nicht zu sehen bekommt, und reichen vom Bühnenturm bis hinunter in den Keller. Während dieser umfangreichen Sanierung werden wir an einem alternativen Spielort auftreten, denn das Theatergebäude können wir in dieser Phase nicht mehr nutzen.

Für wann ist diese Sanierung geplant und werden Sie auch ein Zelt als Ausweichquartier nutzen, wie es die Zittauer vor einigen Jahren getan haben?

Baubeginn ist für Herbst 2021 geplant. Die zwei Jahre bis dahin benötigen wir für die Planung, für die Absicherung der Finanzierung und für die Suche nach einem möglichen Spielort. Im Moment sind dafür mehrere Optionen in der Prüfung.

Was verbinden Sie Gutes damit, dass Sie bis 2021 am Theater bleiben?

Zum einen wollen wir uns als Theater an der 950-Jahr-Feier der Stadt Görlitz beteiligen. Ich freue mich sehr, dass ich das erleben kann, weil ich mich gern an die 900-Jahr-Feier im Jahr 1971 erinnere. Da war ich 13 Jahre alt und wahnsinnig stolz darauf, in einer so alten und schönen Stadt zu leben. Jetzt ist sie noch schöner und ich bin mit ihr 50 Jahre älter. Außerdem freue ich mich darauf, im Jahr 2021 das 100. Junge Konzert zu erleben. Diese erfolgreichen Konzerte liegen mir sehr am Herzen als Angebot, Kinder ans Theater heranzuführen. Und ich freue mich auch auf das Lausitzfestival, das ja mit regionalen Angeboten überregional wirken soll. Besonders unser Tanzensemble und das Orchester könnten sich mit besonderen Projekten einbringen, ohne dass sich etwas von dem wiederholt, was wir dem Publikum ohnehin bieten. Ich habe große Hoffnung, dass sich dieses Festival etabliert und in der Region wirkt, und ein gutes Gefühl in der Zusammenarbeit mit dem Hamburger Intendanten Daniel Kühnel.

Für die kommenden Monate haben Sie besondere Höhepunkte des Musiktheaters auf den Spielplan gesetzt, unter anderem „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Kurt Weill und Bertolt Brecht, die Sie selbst inszenieren. Bewusst mit Blick auf Ihre vermeintlich letzte Spielzeit?

Ja, denn „Mahagonny“ ist ein unvergleichliches Stück, auf das ich mich sehr freue. Insgesamt haben wir einen Spielplan zusammengestellt, der im Folgejahr nur schwer zu toppen sein wird. Das ist nun eine wunderbare Herausforderung für alle Beteiligten.

Was wird, wenn auch im nächsten Jahr kein Nachfolger gefunden wird. Bleiben Sie dann noch mal ein Jahr?

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Das Gerhart-Hauptmann-Theater wird vor Herbst nichts mehr aufführen. Generalintendant Klaus Arauner vertraut auf die Vorfreude des Publikums.

Nein, dieses eine Jahr, nicht länger. Ich denke, dann ist es auch Zeit, dass jemand Neues ans Theater kommt. So ein Wechsel ist auch immer eine Chance.

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