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Eigentümer rettet historische Tierfiguren

Klaus Reepen hat in Schlegel ein altes LPG-Gebäude abreißen lassen. Einen Teil konnte er aber sichern - zur Freude des Zittauer Museums.

Zittaus Museumsdirektor Peter Knüvener (rechts) und Klaus Reepen mit den geretteten Tier-Ornamenten.
Zittaus Museumsdirektor Peter Knüvener (rechts) und Klaus Reepen mit den geretteten Tier-Ornamenten. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Von dem ehemaligen LPG-Gebäude an der Teichstraße in Schlegel steht kein Stein mehr. Verschwunden ist aber nicht alles. Eigentümer Klaus Reepen hat drei historische Ornamente, die an dem Stallgebäude angebracht waren, gesichert und jetzt den Städtischen Museen Zittau gespendet.

Die Rettung der Tonfiguren - zwei Kuh- und ein Pferdekopf - war nicht so einfach. Nicht nur, weil jedes Ornament etwa 80 Kilogramm wiegt. Sie waren zudem in die Außenwand einbetoniert, erklärt Reepen. Mit Hammer und Meisel hätte man sie nicht abhacken können, ohne sie zu beschädigen, meint er. Der Abrissbagger nahm sie stattdessen komplett ab.

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Museumsdirektor Peter Knüvener hält die Tier-Ornamente für ein spannendes Zeugnis. Sie stammen vermutlich aus der Zeit um 1860. Dies erfuhr er von Dr. Jan Mende vom Berliner Stadtmuseum, der sich mit solchen Ornamenten auskennt. Die jetzt abgerissene Teichstraße 10, die zum früheren Schlegler Rittergut gehörte, ist in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet worden.

Hergestellt in Berlin

Die Tierköpfe wurden wahrscheinlich auch in der Hauptstadt hergestellt, von der Tonwarenfabrik Ernst March & Söhne. Diese Firma entwickelte sich nach ihrer Gründung 1836 zum bedeutendsten Unternehmen der keramischen Industrie auf dem europäischen Kontinent. Ornamente, Terrakotten, Reliefs und Balustradenschmuck der Firma sind zum Beispiel heute noch am Roten Rathaus und am Martin-Gropius-Bau in Berlin zu finden. 

Laut Knüvener sind die Ornamente aus Schlegel im Großen und Ganzen gut erhalten - dafür, dass sie 150 Jahre an der Außenfassade Wind und Wetter ausgesetzt waren. Ernst March gelang seinerzeit eine entscheidende Verbesserung: die Eigenschaft der Wetterbeständigkeit ist seine Erfindung. Der relativ gute Zustand der Schlegler Ornamente könnte ein weiterer Beleg sein, dass die Tonfiguren aus Marchs Fabrik stammen."

In der Oberlausitz eine Seltenheit

Auch wenn Ernst March über die Grenzen Preußens hinaus Bekanntheit erlangte, so finden sich seine Tonfiguren doch vor allem in Berlin und Brandenburg. In der Oberlausitz sind sie eher eine Seltenheit, weiß Knüvener. Deshalb ist der Museumsdirektor froh, dass die Ornamente gerettet wurden und somit erhalten bleiben. Die Tonfiguren müssen erst einmal restauriert werden, bevor sie in der Ausstellung gezeigt werden, erklärt er. Knüvener kann sich vorstellen, dass das Zittauer Museum mal eine Sonderausstellung zu Gütern in der Oberlausitz gestaltet, in der dann auch die Tier-Ornamente aus Schlegel präsentiert werden könnten.

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Die historischen Tier-Ornamente sind ein Zeugnis dafür, wie anspruchsvoll in früheren Zeiten Wirtschaftsgebäude gestaltet wurden. "Wer gibt heute noch viel Geld für Industriebauten aus?", meint Peter Knüvener fragend. Damals seien Ornamente und Verzierungen mehr geschätzt worden. Mit der Entstehung des Bauhauses seien Ornamente dann in Verruf geraten. Die anspruchsvolle Gestaltung des ehemaligen Schlegler Rittergutes und seiner Nebengebäude haben dem Zittauer Museum nun zu drei weiteren Kunstobjekten verholfen.

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