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Klaus Sühl mit 98 Prozent OB-Kandidat der Linken

Die Linke will mit ihm am 8. Juni einen CDU-Sieg verhindern. Sie hofft, dass Sühl im 2. Wahlgang Oberbürgermeister wird.

Von Bettina Klemm

Stühle müssen hereingestellt werden, weil der Platz im Saal des Kongresszentrums nicht ausreicht. Die Linke wählt am Sonnabend ihren Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl im Juni. Das wollen viele der zu einem großen Teil recht betagten Parteimitglieder nicht verpassen. Ironie oder realistische Einschätzung? Auf dem Transparent hinter dem Präsidium im Saal steht: „... versuchen wir das Unmögliche“.

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Zunächst wollen Die Linken einen Sieg der CDU-Kandidatin Helma Orosz im ersten Wahlgang verhindern. Dann hoffen sie, mit einem Spitzenergebnis im zweiten Wahlgang den gemeinsamen Kandidaten aller linken Parteien zu stellen. Im Vorfeld hatten sich Die Linke, die SPD und die Grünen nicht auf einen Kandidaten einigen können. So treten jetzt auch Peter Lames für die SPD und Eva Jähnigen für die Grünen an.

Die Linke setzt auf den Ex-Staatssekretär aus Mecklenburg-Vorpommern und gebürtigen Niedersachsen Klaus Sühl. „Er ist die allererste Wahl“, versichert Partei-Chefin Cornelia Ernst den fleißig applaudierenden Zuhörern im Saal. Er habe die nötige Draufsicht und Verwaltungserfahrungen, mit ihm könne ein CDU-OB in Dresden als „verlängerter Arm des Ministerpräsidenten“ verhindert werden.

Locker, im dunklen Anzug mit Weste, tritt dann Sühl an das Mikrofon und gesteht, sich vor zwei Monaten mit gemischten Gefühlen erstmals als möglicher Kandidat präsentiert zu haben. Dann dankt er für die ehrliche Art und Weise, mit der ihn die Genossen aufgenommen hätten. „Es gab kein Fremdeln, keine falsche Rücksichtnahme auf den Neuen.“ Kritik sei auf den Tisch gekommen und er zu der Überzeugung: Dresden und Klaus Sühl, das passe gut zusammen. Er sei inzwischen Dresdner geworden und wohne gemeinsam mit seiner Frau in der Pfotenhauerstraße. Das sei ein Zeichen. Grinsen im Saal, viele denken an den früheren SED-Parteichef Hans Modrow. Doch Sühl erinnert an Friedrich Wilhelm Pfotenhauer, der 1853 zum ersten Oberbürgermeister der Stadt Dresden ernannt wurde und 27 Jahre die Geschicke geleitet hat.

Übrigens haben sich Sühl und seine Frau, die Journalistin und ehemalige Fernsehmoderatorin Bärbel Romanowski, 1992 in Dresden kennengelernt und einige Zeit in der Stadt gemeinsam gelebt.

In seiner Rede erklärt Sühl, welche Schwerpunkte er als Oberbürgermeister setzen will. Die sind auch in einer 17-seitigen Broschüre nachzulesen. Am Ende zollen die Genossen stehend Beifall. 409 von 414 geben ihm schließlich ihre Stimme. 98,6 Prozent – ein Ergebnis fast wie zu DDR-Zeiten. „Und es ist auch noch ein schöner Mann“, schwärmt Stadträtin Angelika Zerbst. Sie ist überzeugt, die Spaltung der Fraktion im Stadtrat in Die Linke und die Linksfraktion.PDS habe letztlich zum Aufstellen von Klaus Sühl geführt. Zuvor seien Stadträte als Kandidaten im Gespräch gewesen.