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Kleiderspenden helfen sozialem Projekt in Rumänien

Menschen aus Großenhain und Umgebung haben Sammlungen unterstützt und damit viel bewirken können.

Von Harald Pepel

Grün ist die Farbe der Hoffnung, sagt der 71-jährige Morojan Vasile und sitzt mir gegenüber. In seiner rechten Hand hält er ein altes, scharf geschliffenes Messer und schneidet die überschüssige Weidenrute ab. In der linken Hand hält er jetzt eine grüne Gerte, die er nebenan ins Wasser legt. Eine ausgediente Babywanne aus Plaste nimmt die Weidenrute auf. Zwischen seine Knie klemmt der alte Mann ein Brett mit einem Nagel. Um ihn herum verdichtet er nach und nach ein Geflecht aus Weidenruten zu einem festen Stück. Es ist der Boden des neuen Korbes, ein tragendes Teil, wichtig für den weiteren Aufbau des traditionell gefertigten Gebrauchsguts. Seit seiner Kindheit, so erzählt er, ist er Korbflechter. Gelernt hat er das Handwerk von seinem Vater, einem Roma, der damit seine Familie ernährte. Auch an seiner Tätigkeit hängt das Wohl einer großen Familie.

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Ich bin gedanklich in Rumänien, zu Gast im Hof der griechisch-katholischen Kirchgemeinde Vetis. Sie liegt im nördlichen Teil des Landes, sieben Kilometer westlich der Kreisstadt Sathmar. Die ungarische Grenze ist nahe. Die Gegend ist ländlich geprägt. Die Menschen sind hauptsächlich Selbstversorger. Einige arbeiten im Gewerbegebiet der Stadt, viele sind arbeitslos. Gut ausgebildete Jugendliche suchen das Glück im Ausland. Bei einem Durchschnittslohn von monatlich etwa 420 Euro ist das einleuchtend.

Warme Mahlzeiten für Kinder

Diesem Trend wollen wir etwas entgegensetzen, sagte mir Iosif Buzgau, der Pfarrer der Kirchgemeinde im Frühjahr 2012. Heute ist er froh, dass das Wagnis erste Früchte trägt. Die kleine Kirchgemeinde hat mit deutscher Hilfe eine Richtungsänderung vorgenommen. Vor zwei Jahren startete sie das Projekt Koinonia, ein Sozialprojekt, mit Hilfe dessen Rentner wie Herr Morojan ihre Rente aufbessern und Jugendliche einen Beruf erlernen sollten.

Möglich wurde das durch die Unterstützung des Kirchenbezirkes Großenhain, jetzt Meißen-Großenhain und die deutsche Kleiderstiftung Spangenberg, durch Geld- und Kleiderspenden von Kirchgemeinden und Menschen aus Großenhain und Umgebung, die diese Sammlungen unterstützt haben. Die Kleiderspenden haben mehr bewirkt, als je vorstellbar war. Darum an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön allen, die sich beteiligt haben.

Die Kirchgemeinde hat ein Haus gekauft und renoviert und dort den Sitz des Projektes eingerichtet. Ein Laden ist eröffnet. In ihm werden Kleider an bedürftige Familien verschenkt, ein anderer Teil wird gegen ein geringes Entgelt verkauft. Der Erlös fließt in den Ausbau des Projektes zur Linderung sozialer Not. Ein neuer, eigener Bereich ist so gewachsen.

Koinonia bietet seit März 2014, täglich 20 Kindergartenkindern eine warme Mahlzeit an. Die Kinder – vorwiegend Romas – haben nun die Möglichkeit, zusätzlich zu ihrer Mahlzeit einen geregelten Tagesablauf kennenzulernen und soziale Kontakte zu pflegen. Der Zugang zur Bildung ist gesichert – die Teilnahme daran ist ein enormer Schritt.

Eigene Ideen und fremde Hilfe

„Es ist noch zu früh, um Bilanz zu ziehen“, schrieb Pfarrer Buzgau vor wenigen Tagen. „Wir haben die Schneiderei noch nicht gestartet, denn unser Haus hat kein fließend Wasser und keinen Anschluss an die Kanalisation. Aber die Korbflechterei geht weiter, die Kinder kriegen ihr Essen.“

In Gedanken verlasse ich nun das Projekt und spüre, es ist noch viel zu tun. Aber es gibt Hoffnung und Wille. Und wo ein Wille ist, sagt der Volksmund, gibt es auch einen Weg. Die Kirchgemeinde in Rumänien will ihn weiter gehen. Mit eigenen Ideen und mit fremder Hilfe. Und die wird sichtbar, mit jeder Kleiderspende die hier einen grünen Container erreicht. Grün ist die Farbe der Hoffnung. In Rumänien steht sie nun Pate für einen ungewöhnlichen Weg.

Harald Pepel ist Pfarrer der Kirchgemeinden Wildenhain- Walda-Bauda und Zabeltitz-Görzig

Das Projekt Koinonia Vetis ist ein Soziales Hilfsprojekt der griechisch-katholischen Kirchgemeinde Vetis. Es wird durch den Kirchenbezirk Meißen-Großenhain und durch die deutsche Kleiderstiftung Spangenberg unterstützt. Die Kleidersammlung erfolgt über eigene Container, grüne Container, mit dem Logo der Deutschen Kleiderstiftung. Die Kleiderspenden werden einem sozialen Zweck zugeführt.