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Klein Kanada in Radeberg

An der Waldstraße entsteht ein ungewöhnliches Wohnhaus. Die 45 Fichtenhölzer stammen aus der Nachbarschaft.

© Matthias Schumann

Von Thomas Drendel

Radeberg. Immer wieder bleiben Passanten stehen und staunen. Würde kein Zaun rund um die Baustelle von Dirk Hantschmann stehen, hätte er sicher ab und an neugierige Menschen auf der Baustelle. Über das neue Wohnhaus des Holzkünstlers und Stadtrates (Freie Wähler) an der Waldstraße/Ecke Heidestraße wird diskutiert, wie über kaum ein anderes Wohnhaus in der Stadt. „Ich finde das sehr interessant. Ich wollte mal früher selber ein Blockhaus bauen. Ungeeignet finde ich nur das Grundstück“, sagt ein Radeberger, der in einem benachbarten Betrieb arbeitet und das Baugeschehen von Anfang an beobachtet, wie er sagt. Ein Anwohner erklärt nur kurz: „Mein Ding wäre das nicht.“

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Innen bleiben die Stämme ebenfalls sichtbar. Sie wurden allerdings besonders glatt geschliffen.
Innen bleiben die Stämme ebenfalls sichtbar. Sie wurden allerdings besonders glatt geschliffen. © Matthias Schumann

Dass das Haus Aufsehen erregen wird, war klar: Es besteht aus dicken Fichtenstämmen und erinnert an ein Holzfällerhaus im Norden Kanadas. Gleich gegenüber stehen frisch renovierte Plattenbauten. Der Kontrast könnte nicht größer sein. „Ich kann damit leben. Ein paar Straßen weiter gibt es ja noch ein Blockhaus. Ich bin also nicht ganz alleine“, sagt er.

Ökologisch und robust

Das Grundstück mit gut 600 Quadratmetern hat er von der Stadt gekauft und vorher abgeklärt, ob er das Blockhaus hier errichten kann. Denn etwas anderes als ein Holzhaus kam für ihn nicht infrage. „Das Wohnklima ist einzigartig, außerdem verwende ich keine Chemie, alles ökologisch und robust ist es auch noch“, sagt Dirk Hantschmann. Mit Holz kennt sich der Radeberger aus. In seiner Firma stellt er Geräte für Spielplätze, Bänke und Sauna-Hütten her. Außerdem wird er engagiert, wenn morsche Äste Häuser oder Passanten gefährden.

Ein ganzes Wohnhaus zu errichten, das ist für ihn allerdings Neuland. „Zu Anfang habe ich mir Hilfe von einem befreundeten Blockhausbauer geholt. Der hat mir beispielsweise gezeigt, wie die Stämme zusammengefügt werden ohne, dass der Wind durch pfeift.“ Ansonsten machte Dirk Hantschman alles selber von der Planung bis zu den Sägearbeiten. Die Stämme wurden quasi gleich um die Ecke geschlagen, in der Dresdner Heide. „Ich habe bei Sachsenforst angefragt und schnell eine Zusage erhalten.“

Zusammengesetzt und wieder demontiert

Vor einigen Wochen wurden die bis zu 16 Meter langen Kolosse zunächst zur Werkstatt des Holzkünstlers gefahren. „Neun der 45 Stämme sind Sturmholz, sie wurden beim Orkan Herwarth umgerissen, allerdings mit Wurzel. So konnten sie noch gut verwendet werden.“ An der Werkstatt hatte Hantschmann genug Platz, alles zurechtzusägen. Sieben Wochen dauerten allein diese Arbeiten. „Schon wegen des Lärms wäre das in dem Wohngebiet nicht möglich gewesen.“

Auf seinem Firmengelände wurde dann das Haus auch zum ersten Mal zusammengesetzt. Dann wurden die Hölzer wieder demontiert und in einer akribisch geplanten Aktion auf das Baugrundstück gebracht. „Die Reihenfolge musste ja genau stimmen. Zuerst die unteren Stämme, dann die darüberliegenden und so weiter. Hat alles prima geklappt. Innerhalb von zehn Stunden war der Umzug perfekt und das Haus stand am neuen Ort.“

Geheizt wird mit Fernwärme

Jetzt wird noch das Dach komplettiert, dann kommen Fenster und Türen rein. Anschließend beginnt der Innenausbau. Im Erdgeschoss werden Wohnzimmer und Küche sowie eine Sauna eingerichtet. Ins Obergeschoss kommen Schlafzimmer und weitere Wohnräume. 120 Quadratmeter werden dann zur Verfügung stehen. Geheizt wird über Fernwärme. „Die Leitung liegt ja wegen der Plattenbauten nur wenige Meter entfernt und effektiver geht es kaum.“ Überhaupt wird der Neubau recht günstig. Inklusive Grundstückskauf rechnet er mit Kosten unter 100 000 Euro. „Allerdings zähle ich meine Arbeitsstunden über mehrere Monate nicht mit.“ Schon im September will der Bauherr einziehen.

Auch wenn Dirk Hantschmann wegen des Baus kaum noch weiß, wo ihm der Kopf steht, wie er sagt, der Aufbau macht ihm auch viel Spaß. „Wenn jemand ebenfalls solch ein Blockhaus haben möchte, dann gerne bei mir melden. Dann bekommt er eins hingestellt.“

Kontakt: www.mhdh.de