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Niesky

Klein Krauscha ist nicht das Ende der Welt

Dennoch fühlen sich die Einwohner allein gelassen, auch was ihre Wünsche betrifft. An Ideen mangelt es ihnen aber nicht.

Im vergangenen Jahr zeigten die Männer von Klein Krauscha, wie sie mit der Sense umgehen können. Anlass war ein kleines Dorffest im Gut Krauscha.
Im vergangenen Jahr zeigten die Männer von Klein Krauscha, wie sie mit der Sense umgehen können. Anlass war ein kleines Dorffest im Gut Krauscha. © Lothar Kieslich

Wer in Klein Krauscha, einem Ortsteil in der Gemeinde Neißeaue, lebt, hat schöne Natur rund ums Dorf, mit viel Wald und Wiesen, auf denen, dank einheimischer Öko-Bauern, fast das ganze Jahr glückliche Kühe grasen.

Aber reicht das wirklich für ein angenehmes Leben in einer ländlichen Gemeinde? Das fragen sich seit Längerem schon einige Bürger der Ortschaft - und wollen das ändern. Auch wenn Klein Krauscha nur rund 90 Einwohner zählt, so haben sie ebenfalls einen Anspruch auf ein lebenswertes Umfeld.

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Lothar Kieslich ist in Klein Krauscha aufgewachsen und lebt jetzt als Rentner in dem Haus seiner Großeltern, die die Wirtschaft einst als Gasthof führten. Vor seinem Grundstück steht seit Jahrzehnte eine Litfaßsäule. Bis kurz nach der Wende klebten daran bunte Plakate für Veranstaltungen, Versammlungen und Vergnügen. Seit einigen Jahren blieb sie grau, keiner hatte an ihr mehr etwas mitzuteilen. Das änderte sich im vergangenen Jahr, als die Klein Krauschaer ein kleines Fest organisierten. Während die Männer zeigten, wie sie mit der Sense umgehen können, saßen die kleinen Besucher am Tisch und malten bunte Bilder nach ihren eigenen Vorstellungen.

Fachlichen Rat und manche Hilfe bekamen sie von Em Manúsch. Geboren in Zürich, studierte er Malerei in Basel, Berlin und Lissabon. Seit einigen Jahren lebt und arbeitet der aus Berlin zugezogene Künstler in Klein Krauscha und leitet dort einen Malzirkel. Mit den Kindern kam die Idee, ihre Zeichnungen zum Dorffest an der Litfaßsäule anzubringen. Später wurden diese kleinen Kunstwerke noch wetterfest gemacht und die Hobby-Malerinnen vom Blauen Haus haben mit ihren Märchenbildern zur Komplettierung beigetragen. Seitdem hat Klein Krauscha einen Hingucker, der als bunter Farbtupfer am Straßenrand auch die Aufmerksamkeit der Vorbeifahrenden erregt.           

Ein Fußweg entlang der Straße fehlt

Die Straße selbst ist aber das Sorgenkind der Anwohner. Lothar Kieslich sagt, warum: "Ein Fußgängerweg an der viel befahrenen Hauptstraße fehlt. Uns ist dieser wichtig, damit unsere Schulkinder ungefährdet zum Schulbus und wieder nach Hause kommen, und ein Spaziergang für Familien und Rollator-Benutzer nicht im Straßengraben endet."  

Dabei handelt es sich hier um eine Kreisstraße, aber die Gemeinde und ihr Rat können sich dafür stark machen. Einer der vergangenes Jahr neu gewählten Gemeinderäte wohnt in Klein Krauscha. Mit seiner Familie ist Martin Scheuner als gebürtiger Schweriner vor zwei Jahren in den Ort gezogen. Als Lehrer für Biologie und Chemie ist er besonders der Umwelt zugetan. 

Auch wenn sein Sohn noch zwei Jahre hat, bevor er mit dem Bus in die Schule fährt, hält er einen Fußweg entlang der Hauptstraße genauso für wichtig. Schließlich ist Klein Krauscha ein Straßendorf und die Kreisstraße die Lebensader. Und noch etwas ist dem 36-Jährigen aufgefallen: "Von Klein Krauscha aus führen einige Wege durch den Wald in die Nachbarorte. Sie sind aber im schlechten Zustand und eine Beschilderung fehlt ganz." Natürlich lässt sich das nur im Zusammenspiel mit den Waldbesitzern umsetzen, das weiß Scheuner. Aber hier sieht er Chancen und Möglichkeiten, die seinen Heimatort auch touristisch aufwerten. 

Sella Mevert, sie ist für die Vermarktung im Gut Krauscha zuständig, ergänzt, dass Radfahrern nur die Straße bleibt, um nach Kodersdorf oder Görlitz zu kommen. Die Wege durch den Wald wären da gefahrloser und gesünder, sagt sie. Vorausgesetzt, sie sind mit dem Fahrrad auch befahrbar.         

Touristen machen Station

Denn dass sich Touristen nach Klein Krauscha "verirren", bestätigt Lothar Kieslich  anhand der Gäste in seiner Pension. Aber auch Hans Joachim Mautschke, der seit 2006 Eigentümer von Gut Krauscha ist, hat öfter mal ein Wohnmobil auf seinem Hof stehen. Seit sein Gut im bundesweiten Stellplatzführer "Landvergnügen" vorgestellt wird, steuern die Touristen mit ihren Campern auch Klein Krauscha an. "Das ist eine Möglichkeit, Menschen in unsere Gegend zu bringen, auch wenn sie meist nur über Nacht bleiben", sagt der Landwirt. 

Mit seinem Betrieb will Mautschke das Dorfleben unterstützen. Und das machen er und seine 20 Angestellten bereits. Nicht nur, dass er im Gut den einzigen Raum im Ort für Versammlungen und Zusammenkünfte zur Verfügung stellt. Auch die jüngst wiederbelebten Feste für die Einwohner fanden auf seinem Gelände statt. Ein Dorn im Auge sind ihm  nach wie vor die Wertstoffcontainer vor seinem Betrieb. Inzwischen gehört die Fläche bis an die Straße dem Gut Krauscha, aber ein alternativer Standort für die Container scheint noch nicht gefunden zu sein. Sind die Container weg, stören sie nicht mehr das Bild zum gegenüberliegenden Teich. Schon länger im Gespräch ist, dort einen Rastplatz einzurichten, für Einwohner und (Rad-)Wanderer gleichermaßen.  

Hans-Joachim Mautschke steht dem Vorhaben positiv gegenüber: "Die Initialzündung muss aber vom Dorf ausgehen. Wir unterstützen das Anlegen eines Rastplatzes gern, aber die Bürger müssen sich daran beteiligen."  Das wird aber nicht als einzige Aufgabe angesehen. Die Klein Krauschaer nehmen die Gemeinde Neißeaue bei der Erneuerung der DDR-Straßenbeleuchtung genauso in die Pflicht wie den Landkreis bei seiner angekündigten Breitbanderschließung.  Bliebe da noch der Mobilfunk:  "Zum Telefonieren mit dem Handy muss man schon mal eine Runde durchs Dorf laufen, um Empfang zu haben", ist Lothar Kieslichs Erfahrung.