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Kleine Spätstarter in den Wäldern

Wird´s doch noch ein versöhnliches Pilzfinale? Sammler entdeckten in diesen Tagen in den Moritzburger Wäldern, im Zellwald bei Nossen und im Tharandter Wald einige der begehrten Hutträger: Maronen, Wiesenchampignons, Rötelritterlinge, Täublinge.

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Von Dieter Hanke

Wird´s doch noch ein versöhnliches Pilzfinale? Sammler entdeckten in diesen Tagen in den Moritzburger Wäldern, im Zellwald bei Nossen und im Tharandter Wald einige der begehrten Hutträger: Maronen, Wiesenchampignons, Rötelritterlinge, Täublinge. Selbst einige Steinpilze lugten aus dem Boden.

„Ich freue mich, wenn die Leute Sammelglück haben“, sagt der Radebeuler Pilzsachverständige Eckhart Bürkner. Doch er sei eher skeptisch. „Für mich ist die Saison gelaufen. Es war ein miserables Pilzjahr“, bemerkt der 62-Jährige. Zwar könnten an feuchten Stellen und Senken noch typische Herbstpilze wie Graukappen, der fuchsige Trichterling, Ritterlinge oder auch noch robuste Maronen den Korb füllen, doch die Zeit ist gegen die Pilzjäger. In der Nacht sinken nach und nach die Temperaturen.

„Mit den ersten Frösten ist zumeist die Pilzsaison beendet“, sagt der Radebeuler Sachverständige, der beruflich als Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik in einem Planungsbüro arbeitet. In den letzten Tagen haben gerade mal zwei Leute ihre Pilzfunde von ihm begutachten lassen. „In anderen Jahren war zu dieser Zeit Andrang.“

Vorschlag: auch am bunten Laub erfreuen

Damit die Pilzpirsch in den nächsten Tagen nicht gänzlich erfolglos bleibt, rät der Radebeuler, an Baumstämme zu schauen. Der Schwefelporling wächst oft an Eichen, der Riesenporling an Buchen. „Und dann haben wir ja noch den Hallimasch. Er ist verlässlich. Trotzt fast jedem Wetter. Im Oktober ist seine Zeit“, sagt Bürkner.

Auch der Moritzburger Forstamtsleiter Bernd Dankert dämpft die euphorische Pilz-Stimmung einiger zum Saisonfinale: „In den Moritzburger Wäldern ist momentan nicht viel zu finden.“

Doch die Leute sollten nicht traurig sein: „Die beginnende Laubfärbung macht ebenso viel Freude wie Pilzfunde“, tröstet der Forstmann.

Hitze und Trockenheit

forderten ihren Tribut

Dass 2003 zum Fiasko für die Pilzsammler wurde, ist der Witterung geschuldet. Die lang anhaltende Hitze und Trockenheit forderten nicht nur auf Äckern und in Gärten ihren Tribut. Die Pilzgeflechte stag-nierten in ihrem Wachstum. „Der Regen in den letzten Wochen hat auch nicht mehr viel gebracht. Der Boden ist bis in tiefere Schichten zu trocken“, sagt Bürkner.

Wer auf die kulinarischen Pilzgenüsse dennoch nicht verzichten möchte, hat als Alternative den Gang zum Frischemarkt. In einem Radebeuler Gemüsegeschäft wurde gestern zum Beispiel eine Stiege mit frischen Steinpilzen aus Deutschland angeboten. Ursel Bürkner, die mit ihrem Mann regelmäßig auf Pilzsuche geht, gab den Tipp.

Und wenn sie schon nicht im eigenen Korb landen, so können Pilzfreunde zumindest einige Exemplare an diesem Wochenende betrachten.

Zum Waldfest im Dresdner Albertpark (zwischen Bautzner und Fischhausstraße) sind am Sonntag von 13 bis 17.30 Uhr Pilzberater aus der Landeshauptstadt vor Ort. In einer Ausstellung wollen sie über die begehrten Früchte des Waldes informieren. 2003 gibt es also mehr Pilztheorie, die Praxis ist (hoffentlich) 2004 angesagt.