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Kleine Straßenkünstler erobern die Altstadtbrücke

Projekt. Grundschüler aus Görlitz und Zgorzelecmalen gemeinsam mit Kreide die Jahreszeiten auf die Altstadtbrücke.

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Von Cornelia Sommerfeld

Der Herbst ist rot und orange, der Sommer gelb und violett, der Frühling grün und braun und der Winter blau und dunkelblau. Zu jeder der Farben gehört eine deutsch-polnische Schülergruppe. Die Kinder greifen natürlich zu allen Farben, die die Kreidekiste bietet, und im Handumdrehen ist die Altstadtbrücke von vorn bis hinten mit bunten Bildern bedeckt.

„Wir und die Jahreszeiten“ stellten die Erstklässler der Freien Evangelischen Schule in Görlitz und ihrer Zgorzelecer Partnerschule gestern als Schuljahresabschlussprojekt dar. Hintergrund der Aktion ist das „Görlitzer Sprachbrückenmodell“, ein Konzept der Freien Evangelischen Schule für gemeinsames Sprachenlernen für Eltern und Kinder. „Die beiden Brücken in der Stadt dienen dabei als Allegorien für das alte, schon Dagewesene – also die Stadtbrücke – und das junge, neue – die Altstadtbrücke“, erklärt Schulleiter Rafael Damian Deschka das Konzept. Zum Teil „Stadtbrücke“ gehören die Erwachsenen, denen Deschka einen Crashkurs Polnisch anbietet und gemeinsame Treffen deutscher und polnischer Eltern organisiert. Die neue „Altstadtbrücke“ verkörpern die Schüler. Von der ersten Klasse an haben sie Polnischunterricht und einen gemeinsamen Unterrichtstag pro Woche sowie Exkursionen mit ihrer Zgorzelecer Partnerschule. „Das Ziel ist ein lebendigeres Lernen“, sagt Deschka.

Beim Malen wiederholten die Kinder gleichzeitig die Lerninhalte, die sie im Laufe des Schuljahres auf Polnisch und Deutsch behandelten: Neben den Farben und Jahreszeiten sind das Begriffe zu den Themen Obst und Gemüse, Körperteile, Wetter, Freizeit, Berufe und Nikolaus, Weihnachten und Ostern. Es entstehen aber nicht nur Äpfel und Pflaumen, Mützen und Stiefel, Gewitterwolken und Sonnen auf dem Asphalt, sondern auch viele Fantasiegebilde.

Im August beginnt für die Grundschule der zweite Jahrgang. Eine neue erste Klasse wird eröffnet. Die Freie Evangelische Schule will Schüler und Eltern interessieren und informierte deshalb an einem Infostand mitten auf der Brücke über ihr Konzept und die Zusammenarbeit mit Polen. Zum frühen Morgen sei die Zielgruppe laut Sprecherin Claudia Jochmann allerdings noch kaum vertreten gewesen. Ein Hingucker für die Passanten und die Grenzbeamten war die Aktion auf der Brücke dennoch.