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Dresdner Fernsehturm: "Kleine Variante" gefordert

Die Corona-Krise hat die Debatte um den maroden Turm befeuert. Jetzt gibt es Antworten vom Land und ein Abgeordneter fordert, das Projekt abzuspecken.

Im Zentrum der Debatten: Der Dresdner Fernsehturm soll nur ertüchtigt werden, fordern die Grünen.
Im Zentrum der Debatten: Der Dresdner Fernsehturm soll nur ertüchtigt werden, fordern die Grünen. © Youssef Safwan für Sächsische

Dresden. Kann Dresden sich den Fernsehturm wegen der Folgen der Corona-Krise überhaupt leisten? Die Diskussion um das Projekt ist in der heißen Phase.

Wenn es klappen soll, muss das Geld dafür im Haushalt eingeplant werden. Doch es gibt auch Widerstand, vor allem aus finanziellen Gründen.

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Stadtrat Michael Schmelich (Grüne) spricht von einem "finanzpolitschen Blindflug". Sein Fraktionskollege Thomas Löser sitzt zusätzlich im Landtag. Dort hat er nun eine Anfrage an den zuständigen Minister gestellt.

Die Antwort von Thomas Schmidt (CDU), Minister für Regionalentwicklung, wertet Löser als ernüchternd. Denn vom Land ist bisher kein Geld eingeplant. "lm aktuellen Doppelhaushalt sind für die Kofinanzierung des Projektes keine Mittel gesondert veranschlagt", so Minister Schmidt.

"Der Fernsehturm ist ein markantes Wahrzeichen Dresdens und viele Einwohner wünschen sich nachvollziehbar die Wiedereröffnung als Sehenswürdigkeit", so Löser. "Durch die Anfrage wird allerdings klar, dass aktuell keine Fördermittel seitens des Landes zur Verfügung stehen."

Für die Sanierung des Turms und damit für neue Besuche mit Kaffee und Kuchen und mit toller Aussicht, wären nach bisherigen Berechnungen rund 25,6 Millionen Euro notwendig. Bund, Land und Stadt hatten vereinbart, dass der Bund rund 12,8 Millionen Euro beisteuert, das Land und die Stadt Dresden jeweils 6,4 Millionen Euro.

Ein Berg an Kosten?

Minister Schmidt macht in seiner Antwort deutlich, dass das Land auch kurzfristig auf Gelder aus dem Sonderprogramm Denkmalpflege zugreifen könnte, als Zuschuss zur Sicherung, Nutzbarmachung, Erhaltung und Pflege von besonders hochwertigen und national wertvollen Kulturdenkmalen. So könne die "Absichtserklärung vom Oktober 2019" eingehalten werden, wenn Bedarf besteht.

Da derzeit aber kein Antrag dazu absehbar ist, beabsichtige laut Schmidt die Staatsregierung, "das Thema bei der Planung des Doppelhaushaltes 2021/2022 zu berücksichtigen".

"Nun werden aber die finanziellen Folgewirkungen wie der Straßenausbau am Elbhang, das Verkehrskonzept Besucher vor allem von den Anwohnern zunehmend kritisch gesehen", betont Löser.

Denn der Turmbau macht nur einen geringen Teil der Gesamtkosten aus. Die ersten Berechnungen gehen davon aus, dass das Projekt mindestens 70 Millionen Euro kosten wird. Denn für die Umsetzung des Verkehrskonzepts werden weitere 43 Millionen Euro fällig. Und da sind die Kosten für die Bahnanbindung noch nicht enthalten.

Führungen nach Anmeldung?

Deshalb mahnt Löser nun. "Vor dem Hintergrund der Haushaltssperre infolge der Corona-Krise ist es fraglich, wie die Stadt das leisten kann."

Deshalb bringt Löser einen neuen Ansatz ins Spiel. "Vielleicht sollte man über kleine Lösung nachdenken." Das würde bedeuten, der Turm wird nicht komplett saniert. Stattdessen könnte die Technik so gesichert werden,  dass öffentliche Begehungen möglich werden.

Das sollen dann aber keine Massenveranstaltungen sein, die touristisch beworben werden. "Der Verein Fernsehturm Dresden könnte auf Anmeldung Führungen durchführen", so Löser.  "Damit gäbe es die Möglichkeit für Interessierte den Turm als technisches Denkmal zu besichtigen und den Ausblick zu genießen."

Ohne Massentourismus seien auch keine Verkehrsprobleme zu erwarten. Deshalb müsste auch das Verkehrskonzept nicht für die bisher auf viele Besucher angelegte Variante komplett umgesetzt werden. "Mit dem Wissen um die Auswirkung dieser sanften Öffnung könnte das Konzept in finanzstärkeren Jahren gegebenenfalls weiterentwickelt werden", glaubt Löser.

Immer neue Ausreden?

Dieser Vorstoß stößt beim Verein Dresdner Fernsehturm auf wenig Verständnis. "Im Turm keine Küche einzubauen, sondern diese unten zu lassen, ist bereits die kleine Variante", so Vereinschef Eberhard Mittag. "Hier werden immer neue Krisen herangezogen, um zu erklären, weshalb es nichts wird."

Seit der Eröffnung 1969 sei bekannt, dass die Verkehrsanbindung ungenügend ist. "Es wurde seit der Wende 30 Jahre verschlafen, daran etwas zu ändern", kritisiert Mittag. Klar seien die Anwohner unzufrieden. "Sie fühlen sich verschaukelt, weil nichts passiert", sagt Mittag. "Es wird nach Ausreden gesucht, um nichts zu tun. Vor allem die Grünen verhindern das seit Jahren."  

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