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Kleiner Bahnhof für ein großes Bauwerk

Am Freitag wurde die Grotte am Rakotzsee in Kromlau eingeweiht. Der Termin für das Gesamtensemble steht auch fest.

Ministerpräsident Michael Kretschmer ließ sich von Steinbildhauer Dirk Bretschneider den Aufbau der Grotte erklären, die anhand einer Animation erfolgte. Zum Wiederaufbau wurden alte Steine katalogisiert, gesäubert, mit neu angefertigten Steinen verbaut.
Ministerpräsident Michael Kretschmer ließ sich von Steinbildhauer Dirk Bretschneider den Aufbau der Grotte erklären, die anhand einer Animation erfolgte. Zum Wiederaufbau wurden alte Steine katalogisiert, gesäubert, mit neu angefertigten Steinen verbaut. © Joachim Rehle

Wer gestern den Kromlauer Park besuchte und am Rakotzsee vorbeikam, konnte mit etwas Glück ein besonderes Ereignis miterleben. Als Zaungast hinter einem Bauzaun. Denn davor, wo sich etwa 50 Personen – unter ihnen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer – zur Einweihung der fertig sanierten Grotte versammelten, war Zutrittsverbot. Dennoch konnten Zaungäste die Reden hören und Schnappschüsse vom Event machen, welches – im Vergleich zur Planung – ein „Kleiner Bahnhof“ für ein großes Bauwerk war.

Ursprünglich hätte ab gestern in Kromlau das Park- und Blütenfest mit Zehntausenden Besuchern stattgefunden. Durch Corona fiel das Fest komplett und die Grottenweihe nur klein aus. Höhepunkt des Festakts war die feierliche Enthüllung einer kleinen Figur in einer Grottenhöhle durch den Bürgermeister der Gemeinde Gablenz, den Landesvater und die Blütenkönigin des Ortsteils Kromlau. Die Sandsteinfigur ist nur ein Beiwerk, aber eine Sensation. Ihre Reste wurden 2019 durch Zufall gefunden. Inzwischen ist klar, dass sie 250 Jahre alt ist. „Laut Untersuchungen muss sie Parkschöpfer Rötschke gekauft und aufgestellt haben. Ich vermute, weil sie in den romantischen und mit Figuren der griechischen Mythologie gestalteten Park passt“, sagt Steinbildhauer Sven Schubert. Seine Firma war für die Restaurierung der in Fachkreisen als Sensationsfund bezeichneten Figur verantwortlich. Geld nahm er für die Herkules-Figur nicht. Er sponsorte die Wiederherstellung.

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Kompletteinweihung im Mai 2021

Was die nun wieder in einstiger Größe und historischer Form stehende Grotte betrifft, so war sie die letzten 70 Jahre ein „unter dem Wasser des Rakotzsees schlummerndes Trümmerwerk“, wie es Bürgermeister Dietmar Noack bezeichnete. Kein Wunder. Der Erhalt des rund 200 Hektar großen Azaleen- und Rhododendronparks überfordert seit Jahren die knapp 2.500 Einwohner zählende Gemeinde. Eine großzügige und teure Restaurierung des Rakotzensembles mit See, Grotte, einmaliger Bogenbrücke und Basaltstelengruppen war lange Utopie.

4,2 Mio Euro werden verbaut

Doch der Park samt Bauwerken hat viele Freunde und Förderer, Liebhaber und Unterstützer in Politik, Wirtschaft und Denkmalpflege. So setzten sich ab 2015 auch Michael Kretschmer, damals noch CDU-Bundestagsmitglied, und sein Weißkeißeler SPD-Kollege Thomas Jurk für den Wiederaufbau des Ensembles und seine Finanzierung ein. Ein städtebaulicher Vertrag zwischen dem Freistaat Sachsen und der Gemeinde wurde 2017 geschlossen. Bund und Land gaben letztlich 4,2 Millionen Euro für die Umsetzung des 2019 gestarteten Sanierungsprojekts der denkmalgeschützten Bauwerke.

„Vor zehn Jahren sprachen wir und viele Enthusiasten erstmals im Kromlauer Schloss darüber, wie die Rakotzsanierung möglich werden kann. Es gab viele Krisensitzungen. Doch die alle verbindende Liebe zur Region und ihren Denkmalen, Haltung und gemeinsame Verantwortung machten es möglich“, so Michael Kretschmer. Für die Einweihung des Gesamtensembles zum Park-und Blütenfest im Mai 2021 hat er bereits seine Teilnahme zugesagt. Sicher wird da auch der verantwortliche Architekt Thomas Bauer wieder vor Ort sein. Er hatte gestern sogar die Teilnahme an der Aufsetzung der Laterne samt Kreuz auf die Kuppel am Berliner Stadtschloss, wo er ebenfalls mitwirkte, abgesagt. „Ich bin lieber hier. Kromlau liegt mir sehr am Herzen.“

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