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Kleiner Bon – großer Ärger

Seit Anfang des Jahres gilt die Kassenbon-Pflicht auch für Mini-Beträge. Die Zettelwirtschaft nervt Kunden und Verkäufer.

Von Verena Toth
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Corinna Rühle ist Verkäuferin in der Döbelner Filiale der Bäckerei Jung und zeigt, wie viele ungewollte Kassenbons sich innerhalb eines Tages ansammeln.
Corinna Rühle ist Verkäuferin in der Döbelner Filiale der Bäckerei Jung und zeigt, wie viele ungewollte Kassenbons sich innerhalb eines Tages ansammeln. © Dietmar Thomas

Döbeln. Seit wenigen Tagen ist sie in Kraft und schon jetzt sind fast alle davon genervt: die Kassenbon-Pflicht. Wer sich beim Bäcker schnell ein Brötchen fürs Frühstück holt, bekommt für seinen Einkauf in Höhe von 50 Cent nun automatisch einen Kassenzettel dazu.

„Meine Mitarbeiter schwimmen förmlich in Kassenbons. Was sich da innerhalb eines Tages ansammelt, ist wirklich Wahnsinn“, sagt Kathleen Waldbrunner, Mitglied der Geschäftsführung der Bäckerei Jung. Einen ganzen Brötchenkorb füllen die Verkäuferinnen in der Döbelner Filiale nun beinahe jeden Tag mit den kleinen weißen Zetteln, die fast niemand will. „Von zehn Kunden nimmt vielleicht einer seinen Kassenbon mit“, bestätigt Corinna Rühle.

 Die meisten ließen den Zettel auf der Theke liegen. „Viele sind auch genervt und fragen, warum wir das jetzt machen“, berichtet die Verkäuferin. „Das ist ab jetzt nun mal Gesetz, daran müssen wir uns eben halten, ob wir das gut finden oder nicht“, erklärt ihre Chefin Kathleen Waldbrunner. 

Nicht besonders gut findet die Prokuristin der Riesaer Bäckerei, die zwei Filialen in Döbeln hat, aber den exorbitant angestiegenen Papierverbrauch. „Das Problem ist auch, dass wir nun die ganzen Kassenzettel auch noch entsorgen müssen“, ergänzt sie.

Für Markus Hessel und seine Mitarbeiter des Döbelner Grillgeschäftes, die aus dem Verkaufswagen heraus frisch gegrilltes Geflügel verkaufen, gilt die Bonpflicht nicht. „Wir müssen uns noch nicht mit diesem Thema auseinandersetzen.

 In unseren Verkaufswagen werden nur offene Ladenkassen eingesetzt und ein Kassenbuch geführt. Da es keine Pflicht ist, eine Registrierkasse einzusetzen, deshalb wird auch kein Kassenbon ausgestellt. Wenn der Kunde es wünscht, wird aber eine normale Quittung ausgestellt“, erläutert der Geschäftsführer.

Das kann Annett Wagner vom Döbelner Finanzamt bestätigen. „Die Bonpflicht gilt für alle Unternehmen, die bereits mit einer Registrierkasse arbeiten. Diese Kassen müssen ab sofort höheren Standards genügen. Dazu gehört auch die Kassenbon-Pflicht“, erläutert die Sachgebietsleiterin und Vertreterin der Finanzamtschefin.

 Alle Gewerbetreibende, die bislang mit einer offenen Ladenkasse und der manuellen Buchführung gearbeitet haben, können das auch weiterhin tun. „Eine Pflicht zur Verwendung einer Registrierkasse gibt es nämlich nicht“, macht die Finanzexpertin klar. Demnach müssten auch beispielsweise kleine Händler auf dem Wochenmarkt, die meist ohne Registrierkasse arbeiten, weiterhin keine Bons ausstellen.

Außerdem können Händler unter bestimmten Bedingungen auch eine Ausnahmeregelung beantragen. Die gilt zum Beispiel für einen Inhaber, der kurz vor der Aufgabe seines Geschäftes steht. Somit wäre die nötige Investition in die neue Software und die Umrüstung der Registrierkasse finanziell zu aufwendig.

„Das gilt aber leider nicht für mich“, sagt Katja Dierbeck. Für ihre drei Buchläden Dierbooks in Mittweida, Frankenberg und Waldheim musste die Inhaberin jeweils neue Software für die Kassen anschaffen. 

„Die kann man entweder leasen und dafür jeden Monat 100 Euro zahlen oder aber für bis zu 2.000 Euro kaufen. Dazu kommt dann noch irgendwann eine sogenannte Schnittstelle, an die sich das Finanzamt bei einer Kontrolle direkt andocken kann. Dafür werden pro Kasse auch noch einmal 150 Euro fällig“, rechnet Katja Diebeck vor.

Doch dass sind nicht die einzigen zusätzlichen Kosten, die sie nun erwirtschaften muss. „Wenn jemand in unseren Geschäften eine Bildzeitung für 80 Cent oder einen Lottoschein für 1,50 Euro kauft, muss ich letztlich für den Kassenbon noch einmal drei Cent obendrauf legen“, erklärt sie. 

Bislang brauchte sie in einem solchen Fall einen Kassenbon nur auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden ausdrucken. Ab sofort muss sie es, ganz gleich, ob der Zettel dann auch mitgenommen wird oder nicht. Bislang sei sie pro Tag und etwa 300 Kunden mit einer Kassenbonrolle ausgekommen. Die kostet etwa zwei Euro. Das reicht nun nicht mehr.

Ärgerlich sei auch, dass Gewerbetreibende wie sie unter Generalverdacht der Steuerhinterziehung stünden. „Und das Schlimmste ist eigentlich, das in Zeiten des Klimawandels für diesen Unsinn Bäume sterben müssen. Dazu kommt noch, dass die Bons auf umweltschädlichem Thermopapier gedruckt werden. Diese müssen als Sondermüll entsorgt werden“, empört sie sich. 

Deshalb hat die Buchhändlerin im sozialen Netzwerk Facebook ihrem Ärger Luft gemacht. Dort schlägt sie vor, dass jeder seine Kassenbons mitnehmen und sammeln soll. „Bei Ihrem nächsten Spaziergang nehmen Sie bitte die gesammelten Belege und stecken Sie Ihrer zuständigen Finanzbehörde in den Briefkasten. Somit dürfen auch die sich mit dem Sondermüll beschäftigen und selbstverständlich auch entsorgen“, so ihr Vorschlag.

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