merken
PLUS Dresden

Kleiner Junge von der Strömung erfasst

Beim Flussbaden verliert ein Kind die Kontrolle. Die Eltern sind zu weit weg, um zu helfen. Doch eine Mutter reagiert.

Baden im Fluss kann gefährlich enden: Eine Mutter hat es selbst erlebt – sie musste schnell reagieren, weil ein Kleinkind vor ihren Augen an der Prießnitzmündung von der Elbströmung erfasst wurde.
Baden im Fluss kann gefährlich enden: Eine Mutter hat es selbst erlebt – sie musste schnell reagieren, weil ein Kleinkind vor ihren Augen an der Prießnitzmündung von der Elbströmung erfasst wurde. © Sven Ellger

Es war eine Sache von Sekunden. Ein kleiner, vielleicht dreijähriger Junge wird am Dienstag plötzlich von der Elbströmung erfasst. Er treibt im Wasser, der Blick irritiert, weil er die Situation nicht begreift. Catrin Große reagiert. Sie springt zu dem Jungen hin und streckt ihm die Hand entgegen, erzählt sie. „Ich hatte schon ein seltsames Gefühl, als ich ihn dort vorn allein spielen sah.“ Deshalb sei sie in einer gewissen Alarmbereitschaft gewesen. Jetzt sagt sie: „Für Nichtschwimmer ist das Baden an dieser Stelle lebensgefährlich.“

Die Brandenburgerin Catrin Große war zu Besuch in Dresden und badete mit ihrer zehnjährigen Tochter und der elfjährigen Nichte am Zulauf der Prießnitz in die Elbe. „Dieser Ort ist erholsam. Es war sehr heiß, wir wollten uns im Schatten und mit den Füßen im Wasser abkühlen.“ Rund 60 andere Menschen hatten nach Großes Schätzung am Dienstag diese Idee. 

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Wie sie am Telefon erklärt, nimmt sie regelmäßig an Ausbildungen für Rettungsschwimmer teil. Deshalb habe sie die Situation vielleicht auch eher als gefährlich erkannt: „Zwei kleine Kinder spielten ohne Schwimmflügel direkt an der Elbe.“

Da die Eltern nicht in erkennbarer Nähe waren, habe sie sich auf die Kinder zubewegt. „Ich habe mich in Flussnähe positioniert und kurz darauf trieb einer der Jungen schnell an mir vorbei. Ihm hatte offensichtlich der Sog die Füße weggezogen“, schildert Große die Szene. „Er wäre ganz sicher ertrunken, wenn ich ihn nicht ergriffen hätte.“

Große möchte nach diesem Erlebnis Eltern auf die Gefahr aufmerksam machen. Nirgends seien an der inoffiziellen Badestelle Hinweisschilder zu finden. Natürlich bade man im Fluss auf eigene Gefahr, aber für Nichtschwimmer ist die Situation dennoch zu bedrohlich, um sie unkommentiert zu lassen, findet sie. 

„Die Mutter der beiden Jungen war gut zehn Meter vom Ufer entfernt. Sie kam auf mich zu, umschloss ihr Kind und küsste es vom Kopf bis zu den Füßen ab.“ Auch sie habe den Ernst der Situation erkannt – aber zu spät.

Flussbaden ist in der Stadt beliebt. Immer wieder beobachtet die Deutsche Lebens-Rettungsgesellschaft im Bezirk Dresden (DLRG), dass Menschen in der Elbe baden. „Vor allem Kinder, wo sich die Eltern gemütlich am Ufer aufhalten“, berichtet Benjamin Böhme. Neben unbeaufsichtigten Kindern gehen an Sommerabenden seiner Erfahrung nach auch alkoholisierte Personen ins Wasser. 

Die Gefahren würden unterschätzt, seien teils unbekannt. „Besonders tückisch ist die Strömung. Kaum ein geübter Schwimmer kann es damit aufnehmen“, so Böhme. Außerdem bildeten sich an Brückenpfeilern Wirbel und Strudel, die einen Schwimmer unter Wasser ziehen können. Wer auf dem steinigen Flussbett der Elbe ausrutscht, kann ebenso der Strömung zum Opfer fallen. Im Ernstfall könnten da auch Schwimmflügel bei Kindern nichts ausrichten. „Schwimmflügel sind eine Hilfestellung, aber kein Rettungsmittel“, betont er. Vom Flussbaden rät er ganz grundsätzlich ab.

Ebenso wie die Stadt Dresden. Rathaussprecher Karl Schuricht verweist neben Gefahren wie Strömungen, Wellengang, Sog und Gegenständen unter Wasser, an denen man sich verletzen kann, auch auf die Wasserqualität. „Mögliche Keimbelastungen machen das Baden in Flüssen, Bächen und Kies-Seen zu einem gesundheitlichen Risiko.“ Die Stadt sei nur für Gewässer zweiter Ordnung zuständig, zum Beispiel den Zuläufen zur Elbe. 

Zum Thema Hinweisschilder erklärt er: „Es müsste dann ja vermutlich auch der Freistaat am Zwingerteich und im Großen Garten Tafeln aufstellen. Aus unserer Sicht verbietet sich das Baden an solchen Stellen – eben auch an der Prießnitz“. Man setze zudem auf das Verantwortungsbewusstsein der Bürger, was Sicherheit und Wasserqualität angehe.

Sollten Familien dennoch in der Elbe Abkühlung suchen, dürfen sie ihre Kinder nie unbeaufsichtigt lassen, sagt Benjamin Böhme vom DLRG. Bei einer Notsituation gelte zudem: Ruhe bewahren. „Man sollte nicht versuchen, gegen die Strömung anzuschwimmen. Das kostet unendlich viel Kraft, sodass man schließlich durch Kraftlosigkeit ertrinkt.“ 

Treiben lassen, versuchen ans Ufer zu kommen und um Hilfe schreien – all das rät der Rettungsschwimmer. Wer einen Ernstfall beobachtet, sollte sich „nicht in die Fluten stürzen. Im schlimmsten Fall sind dann zwei hilfsbedürftige Personen im Wasser“. Besser ist es, den Notruf zu wählen, die abtreibende Person am Ufer zu begleiten und sie zu beruhigen. Am sichersten ist aber, wer im Freibad oder offiziellen Seen badet.

Für Catrin Große ist der Schockmoment inzwischen verdaut. Mit der Mutter des Jungen sei dankbar gewesen, leider haben die Damen aber keinen Kontakt ausgetauscht, sagt sie. Alles sei zu schnell gegangen. Sie erklärt auch: „An der Prießnitz selbst gibt es keinerlei Probleme.“ Bei den heißen Sommertemperaturen ist von dem Bächlein derzeit nicht mehr als ein Rinnsal übrig, indem man die Füße kühlen kann. Aber gerade das verlocke Kinder, sich weiter zur Elbe vorzutrauen. „Allein sollten sie das aber in keinem Fall tun“, sagt sie.

Mehr zum Thema Dresden