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Kleiner Piks – große Wirkung

Masern, Keuchhusten, Hepatitis, Tollwut – vor vielen Krankheiten schützen Impfungen. Doch was ist wann sinnvoll?

Mit Impfungen können sich Menschen von jung bis alt gegen eine ganze Reihe von Krankheiten schützen lassen.
Mit Impfungen können sich Menschen von jung bis alt gegen eine ganze Reihe von Krankheiten schützen lassen. © dpa

Bautzen. Impfungen können vor Krankheiten schützen. Doch so mancher hadert mit der Spritze und verzichtet. Das macht Dr. Annett Krutz von den Oberlausitz Kliniken in Bautzen vor allem in einem Bereich Sorgen. Die SZ hat mit ihr gesprochen.

Frau Dr. Krutz, gibt es Informationen, wie es um den Impfschutz hier steht?

Dazu gibt es viele Informationen, das Robert-Koch-Institut, also die Bundeseinrichtung für Krankheitsüberwachung und -prävention, aber auch Länderbehörden und andere Einrichtungen sammeln dazu Daten. Dadurch wissen wir, dass es um den Masernimpfschutz nicht so gut bestellt ist. Das macht uns Sorgen. Bei Kindern fehlt dieser Schutz inzwischen häufiger. Aber auch nicht jeder Erwachsene weiß, dass er da eine Impflücke hat. Deswegen liegt die Zahl der Masernerkrankungen auf hohem Niveau – und das bei einer Krankheit, die eigentlich ausgerottet werden soll.

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Nehmen die Menschen Masern nicht so Ernst, nach dem Motto: Ach, das ist doch nur eine Kinderkrankheit?

Die Gründe sind vielschichtig. Oft kennen Eltern die Krankheit heute nicht mehr. Die aktuelle Elterngeneration ist teilweise noch in der DDR aufgewachsen. Da war Masernimpfung selbstverständlich und deswegen ist aus dieser Generation kaum jemand an Masern erkrankt. Außerdem stoßen Eltern, die sich über den Impfschutz für ihre Kinder informieren zum Teil auf Informationen in den Medien, die sie nicht einordnen können. Sie fürchten dann Nebenwirkungen, von denen sie erfahren, deren Dimension sie aber nicht richtig einschätzen können.

Wie oft muss man sich gegen Masern impfen lassen?

Man braucht zwei Impfungen in seinem Leben. Wenn ausreichend Menschen auf diese Weise immun sind, lässt sich die Infektionskette bei Masern unterbrechen. Wir sprechen dann vom sogenannten Herdenschutz – der Großteil der Menschen ist immun und kann die Krankheit weder bekommen, noch übertragen. Dadurch sind dann auch diejenigen geschützt, die aus verschiedenen Gründen keine Impfung bekommen können oder beispielsweise an einer Immunschwäche leiden.

Können sich Erwachsene noch gegen Masern impfen lassen?

Da gibt es keine Altersbeschränkungen. Es ist möglich ab dem ersten Geburtstag, vorher ist das Kind normalerweise noch durch die Antikörper der Mutter geschützt. Nach oben gibt es dann keine Altersgrenze.

Im Idealfall weist der Hausarzt den Patienten darauf hin, dass man in Sachen Masernschutz etwas tun muss? Oder muss man im Impfausweis nachsehen?

Im Idealfall kommt der Hinweis tatsächlich vom Hausarzt. Allerdings ist es gut und wichtig, wenn man einen Impfausweis hat, denn die Impfungen sollten dokumentiert sein. Dort kann man nachschauen, wie es um den eigenen Schutz bestellt ist. Wenn man sich unsicher ist, sollte man unbedingt den Hausarzt fragen und den eigenen Schutz prüfen lassen.

Wie gefährlich sind Masern?

Masern sind eine schwere Erkrankung, unabhängig vom Alter des Betroffenen. Durch Bakterieninfektionen können dabei Komplikationen auftreten, zum Beispiel Entzündungen des Mittelohrs und der Lunge. Gefürchtet ist eine durch Masern ausgelöste Hirnentzündung, die aber erst später ausbricht, nicht behandelbar ist, langsam verläuft und zum Tod führt. Besonders gefährlich ist dabei, dass Kinder bis zum ersten Lebensjahr theoretisch durch mütterliche Antikörper geschützt sind. Deswegen werden sie erst ab dem ersten Geburtstag gegen Masern geimpft. Aber es ist auch möglich, dass die Antikörper der Mutter kein ganzes Jahr lang wirken. Das Kleinkind wäre dann nur durch die Herdenimmunität geschützt, die aber derzeit nicht ausreichend gegeben ist.

Wie läuft die Masernimpfung ab?

Für einen sicheren und langfristigen Schutz gegen Masern sind insgesamt zwei Impfungen mit einem Mindestabstand von vier Wochen erforderlich. Die Masernimpfung wird wie andere Impfungen auch in den Oberarm geimpft.

Wie sieht es denn mit den Gefahren durch anderen fehlenden Impfschutz aus – zum Beispiel mit Tetanus?

Fälle von Tetanus-Erkrankungen sind in Deutschland sehr selten. Diese betrafen vorrangig ältere Patienten, bei denen schon lange keine Impfung mehr erfolgt war. Das ist aber nicht mit der Masernproblematik vergleichbar. Mit Blick auf die Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung ist der Keuchhusten eher ein Thema. Denn diese Krankheit wird leicht durch Tröpfchen übertragen, beispielsweise beim Husten. Impfungen mit einem Kombinationsimpfstoff sind deshalb für Erwachsene alle zehn Jahre wichtig.

Welche Risiken birgt das Impfen?

Bei Nebenwirkungen von Impfungen müssen normale Impfreaktionen von Impfkomplikationen abgegrenzt werden. Typische Beschwerden nach einer Impfung sind Rötung, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle. Diese lokalen Beschwerden treten häufig auf. Allgemeinreaktionen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sind möglich, aber deutlich seltener. Beide Reaktionen sind Ausdruck der erwünschten Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff und klingen in der Regel nach wenigen Tagen komplett ab. Impfkomplikationen sind gesundheitliche Auswirkungen, die über das übliche Maß einer Impfreaktion hinausgehen. Sie kommen sehr selten vor.

Welche Impfungen sollte man haben?

Die Sächsische Impfkommission empfiehlt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Mumps, Masern, Röteln, Windpocken und unabhängig von Fernreisen gegen Hepatitis A und B. Seit 2018 ist der Kreis Bautzen Risiko-Endemiegebiet für die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FMSE), übertragen durch Zeckenbisse. Deswegen sollte man sich dagegen impfen lassen. Für Kinder und Jugendliche wird Impfschutz gegen Meningokokken und Pneumokokken empfohlen, ebenso die Impfung gegen Humane Papillomviren, die vor allem durch Sexualkontakte übertragen werden. Sie können Gebärmutterhalskrebs und Genitalwarzen verursachen. Auch Jungen sollten dagegen geimpft werden, denn sie können die Viren ebenfalls übertragen. Für Personen ab 60 sind Impfungen gegen Gürtelrose zur Vermeidung von damit verbundenen anhaltenden Schmerzen und gegen Pneumokokken (Lungenentzündung) ratsam.

Wie sieht es aus mit Grippeschutz?

Da Grippe eine schwer verlaufende Erkrankung ist, ist eine Impfung dagegen ebenfalls sinnvoll. Sie kommt ganzjährig vor, die Hauptsaison liegt zwischen Jahresanfang und März/April. Die beste Zeit, sich gegen die Influenza impfen zu lassen reicht von September bis Dezember. Da viele Menschen heute aber reisen und die Grippesaison in den Ländern unterschiedlich liegt, ist für Reisende ein Schutz sogar ganzjährig sinnvoll. In Sachsen ist die Grippeschutzimpfung für alle Altersgruppen empfohlen, besonders wichtig ist sie für alle Menschen ab 60 Jahre sowie für Personen mit chronischen Krankheiten an Herz, Lunge oder Nieren sowie Diabetes unabhängig vom Alter.

Und wenn einer eine Reise tut ...

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Dr. Annett Krutz (52) ist Fachärztin für Allgemein- und Betriebsmedizin in Bautzen.
Dr. Annett Krutz (52) ist Fachärztin für Allgemein- und Betriebsmedizin in Bautzen. © Irmela Hennig

Tipps zum Thema

Erster Ansprechpartner fürs Thema Impfungen sind Haus- und Kinderärzte. Patienten sollten Impfausweise haben und bei Reisen mit sich führen.

Einen Überblick zum Thema Impfungen gibt es auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de.

Die Kosten für die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen tragen normalerweise die Krankenkassen. Im Einzelfall können dazu Hausärzte oder Kassen Auskunft geben. Bei Fernreisen und den damit verbundenen Impfungen sollte man seine Kasse vorab fragen.

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