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Kleinnaundorfer Schule wird Kindergarten

Zunächst war ein Verkauf des Altbaus geplant. Nun sollen darin dringend benötigte Kitaplätze geschaffen werden. Das kostet erst mal Geld.

Die alte Kleinnaundorfer Schule soll Kindergarten werden. Ein Betreiber ist bereits gefunden.
Die alte Kleinnaundorfer Schule soll Kindergarten werden. Ein Betreiber ist bereits gefunden. © Andreas Weihs

Von außen wirkt das Haus noch ein bisschen wie von vorgestern: graubrauner Putz, braune Fensterrahmen, "Friedrich-Engels-Schule" steht über dem Eingang. Lebenslustig sieht anders aus. Doch Leben herrscht nach wie vor in dem alten Schulhaus. Derzeit lernen hier die fünften und sechsten Klassen des Wilsdruffer Gymnasiums, bis im Sommer ihr Schulneubau fertig ist. Und auch danach soll wieder Kinderlachen die Gänge und Zimmer füllen. Denn die Stadt Freital möchte dort Kindergartengruppen unterbringen.

Die Zeit eilt, weil Krippen- und Kindergartenplätze dringend benötigt werden. Zum Jahresanfang war bekannt geworden, dass das Defizit zwischen vorhandenen Plätzen und Nachfrage jenseits der 100 liegt. Und da sind nur die Fälle der Familien  eingerechnet, die einen rechtlichen Anspruch auf Kinderbetreuung geltend machen können. Bis zum Sommer, so die Prognose des Ersten Sozialbürgermeisters Peter Pfitzenreiter (CDU),  könnte sich das Defizit auf mehr als 300 Plätze belaufen. 

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Pfitzenreiter begründete den Platzmangel zuletzt immer wieder mit fehlendem Personal. Man habe eigentlich genügend Räume in den städtischen Kindertageseinrichtungen, könne sie aber gar nicht nutzen, weil Erzieher fehlen, trug er mehrmals im Stadtrat vor. Nun soll ein Verein in die Bresche springen, der in Freital bereits zwei Kitas betreibt und dessen Vorsitzender sagt: "Wir haben kein Problem, Personal zu finden."

Lebensbaum übernimmt in Kleinnaundorf

Es geht um Lebensbaum, geleitet von Chris Meyer. Meyer sitzt für die Bürger für Freital im Stadtrat und bot nach eigener Aussage schon vor Monaten der Stadt Hilfe beim Kitaplatz-Dilemma an. Der Verein hat einen guten Ruf und Erfahrung in Kleinnaundorf: Neben dem "Storchenbrunnen" an der Albert-Schweitzer-Straße betreibt Lebensbaum auch die Kita "Wurzelzwerge" - in Kleinnaundorf. Bevor die Wurzelzwerge vor einigen Jahren in den Neubau am Meßweg zogen, waren sie bereits in der alten Schule untergebracht.

Die muss nun trotzdem erst einmal auf Vordermann gebracht werden. Denn vor den Wilsdruffer Schülern lernten zwei Jahre lang die Grundschüler aus Freital-Wurgwitz in dem Gebäude. Dass die alte Schule nun wieder Kita wird, war so eigentlich gar nicht vorgesehen. Noch im November 2018 wollte die Stadt das Gebäude mit dem 4.000 Quadratmeter großen Grundstück verkaufen. Es ging damals um 100.000 Euro. 

Eine Initiative, die eine Umweltschule in Kleinnaundorf einrichten wollte, hatte Interesse angemeldet. Im Gespräch war damals auch, das Haus an einen Investor zu verkaufen, der dort Wohnungen einrichtet. Der Ortschaftsrat wiederum hatte die Idee, aus der Schule ein Multifunktionshaus für Vereine und das Dorfleben zu machen. Der Verkauf wurde letztendlich gestoppt.

Stadtrat Freital genehmigt 100.000 Euro für Umbau

Zum Glück muss man aus städtischer Sicht nun sagen. Denn so kann die Schule wieder Kita werden - zumindest übergangsweise. Vorgesehen ist, das gesamte Erdgeschoss sowie einige Räume in der ersten Etage zu nutzen. Ein Spielplatz ist vorhanden, der an Wochenenden und nach Kita-Schluss weiterhin auch der Allgemeinheit zur Verfügung stehen soll. Doch es muss noch einiges umgebaut werden. So braucht man für die Kleinen neue Sanitäreinrichtungen im Erdgeschoss. Das kostet etwa 100.000 Euro. Der Stadtrat hat die überplanmäßige Ausgabe genehmigt.

Gebaut werden soll, sobald die Wilsdruffer Gymnasiasten ausgezogen sind. Anschließend wird der Lebensbaum-Verein die Räume einrichten und ab dem 1. Oktober mit dem Betrieb beginnen. Es geht um 40 Plätze, für die der Verein einen Betriebskostenzuschuss von 20.200 Euro im Monat bekommt. Um jetzt bereits Personal zu gewinnen und es einzuarbeiten, wird Lebensbaum bereits ab Juni zwei Räume in der Kita Willi in Potschappel belegen und dort Kinder betreuen, die dann im Herbst als erste in Kleinnaundorf einziehen.

Lebensbaum ist nicht per Zufallsprinzip als Betreiber ausgewählt worden. Hintergrund ist, dass deren Kita Storchenbrunnen erweitert werden soll. Im Blick hat die Stadt dabei das Gelände des ehemaligen Busbahnhofes an der Albert-Schweitzer-Straße. Bis der Anbau fertig ist, wird die Schule Kleinnaundorf quasi als Interimsquartier genutzt - voraussichtlich bis 2022.

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Was danach aus dem Altbau wird, ist noch nicht ganz klar. Weiterhin liebäugelt der Ortschaftsrat damit, es für seine Bürger nutzbar zu machen. Bereits ab Herbst soll zunächst der Verein G-Haus gegen eine Miete wieder Räume im Gebäude nutzen können. 

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