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Kleinstadtgesichter gesucht

Film. Die Meißnerstanden Schlange bei den Filmleuten, um sich als Komparsen für dieDreharbeiten für eineKrimiserie zu bewerben.

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Von Ulrike Körber

So turbulent wie Freitagmittag ging es selten im ehemaligen Verwaltungsgebäude auf dem Schlossberg 9 zu. Scharenweise strömten die Menschen in die Amtsstuben, in denen seit Wochen die Hamburger Film- und Fernsehgesellschaft Polyphon residiert.

Ansturm ist enorm

Dicke, Dünne, Männer und Frauen, Blonde oder Braune, welche mit oder ohne Hut. Das Gros der Menge waren jedoch Schülerinnen oder junge Frauen. Sie kamen alle zum Casting. Die Filmgesellschaft suchte Komparsen für die Dreharbeiten in Meißen. Noch bis zum 4. August wird in der Altstadt eine Folge der Krimireihe „Pfarrer Braun“ mit Ottfried Fischer gedreht.

Schon gegen elf Uhr stand eine Menschenschlange vor dem Büro. Dabei sollten die Tests erst eine Stunde später beginnen. Zwei Minuten nach zwölf war schon der 28. Kandidat aufgenommen. Das Fotografieren und Registrieren ging im Akkord, und im schmalen Flur auf dem Schlossberg stand die Luft.

„Der Ansturm ist wirklich enorm“, sagt die Produktionsleiterin Christa Lassen. So etwas haben die Filmleute selten erlebt. Scheinbar hat sich halb Meißen auf die Strümpfe zum Casting gemacht. „Vielleicht wird ja sogar mehr daraus“, sagte Kathrin Buchwald. Sie ist mit Mann und Sohn losgezogen „Manche verdienen immerhin ein kleines Zubrot mit solchen Arbeiten“, sagt sie. Wie viel Geld sie als Komparsen verdienen können, wissen sie zwar noch nicht, auch nicht, was sie eigentlich zu tun haben, aber wir versuchen es erst einmal“, so Mario Buchwald, der mit dicker Goldkette und schwarzem Hut vor dem Fotoapparat posierte. „Was sollen wir am Drehort schon machen? Viel warten natürlich, das ist bei Film und Fernsehen nun einmal so“, weiß der 25-jährige Tom Naundorf. Er kennt sich aus in diesem Metier. Schließlich studiert der Meißner Medientechnik in Mittweida und weiß Bescheid. Als Komparse heuert er allerdings das erste Mal an, um sich einige Cent zum Studium dazu zu verdienen.

Erfahrung mit Filmaufnahmen

Allerdings kann er in den Sommermonaten nicht in der Altstadt drehen. „Das ist mir dann doch zu kurzfristig“, sagt der Student. „Macht aber nichts“, heißt es von den Filmleuten. „Vielleicht klappt es ja im Herbst.“ Da will das Team wiederkommen. Ob aber nach Meißen, ist noch nicht heraus. Aber zumindest in der nahen Umgebung wollen die Kameraleute und Schauspieler noch einmal drehen. „Weil es so schön hier ist“, sagt die Produktionsleiterin.

Sie sucht 150 Komparsen für die Aufnahmen zur Krimifolge „Papststein und Teufelsturm“. „Für verschiedenen Szenen brauchen wir sie. Der Regisseur wird sich die Aufnahmen ansehen und auswählen“, sagt Christa Lassen. Besondere Kriterien gebe es nicht. Vertreter jeder Altersgruppe, jedes Typs werden gesucht. Die Filmleute brauchen Kleinstadtgesichter, die im Hintergrund der Szenen die Kulissen bevölkern. „Spaziergänger, Passanten, Trauergäste - all so etwas brauchen wir“, sagt die Produktionsleiterin.

Die Aufnahmen, aus denen der Regisseur wählen wird – das sind Frontalfotos, bei denen sich die Kandidaten Nummern vor den Bauch halten. Weder reden, noch laufen, noch etwas anders wurde von ihnen verlangt. „Wir sollten lediglich einen Zettel ausfüllen und konnten wieder gehen“, sagt Nicole Zechel. Die Schülerin am Franziskaneum kam mit ihrer Freundin Christin Kloppisch gleich nach der Zeugnisübergabe zum Casting. Ob sie genommen wird? Die Blondine zuckt mit den Schultern. „Vielleicht“, sagt sie. Filmerfahrung haben sie schließlich bei den Dreharbeiten zu der TV-Serie „Mama ist unmöglich“ sammeln können.