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Kleinste Burg Sachsens wiedereröffnet

Der Steingut-Verein hat den Wohnturm der mittelalterlichen Wehranlage restauriert. Die Burg wird Bürger- und Vereinshaus.

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Von Dieter Hanke

Es riecht nach Farbe und Holz. Die breiten Dielenbretter und die weiß gestrichenen Wände mit den tiefen Fensternischen im zweiten Obergeschoss lassen historisches Flair sichtbar werden. Das verstärkt sich noch durch eine mehrere Meter dicke Natursteinmauer an einer Seite, die den Besuchern dieser Wehranlage aus dem 14. Jahrhundert das Gefühl des Besonderen vermittelt. Auch originale Putzschichten sind noch sichtbar.

„Vermutlich sind diese zwischen 300 und 500 Jahre alt“, sagt Markus Flade, der Vorsitzende des Vereins Steingut. Der etwa 65 Quadratmeter große Raum wird künftig der Saal sein. „Für Konzerte, Veranstaltungen und anderes“, sagt der Semmelsberger. Die 25 Mitglieder des Vereins Steingut haben den markanten 15 hohen Wohnturm dieser kleinsten Burg Sachsens in Burkhardswalde restauriert. Am 18. April war feierliche Eröffnung. Den Besuchern bietet sich ein Bild, wie Historisches und Modernes zu einer gelungenen Einheit verschmolzen sind. „Wir haben Wert darauf gelegt, dass dieses Denkmal weitgehend in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten blieb“, sagt der 40-Jährige. Neue Glastüren wirken da nicht störend, und die nun mal unumgängliche neue Haustechnik wurde so geschickt installiert, dass sie nicht dominiert.

Im Erdgeschoss zeigt Flade auf eine barocke Balkendecke: „Sie kam unter Putz zum Vorschein, wurde freigelegt. Um 1689 entstanden.“ Der Verein öffnete auch einst vermauerte Schießscharten an der Ostseite des Turmes wieder. Sie dokumentieren die Wehrhaftigkeit des Steingutes im Mittelalter. Flade: „Die Scharten wurden vermutlich während des Dreißigjährigen Krieges eingebaut, wahrscheinlich für Bogenschützen.“ Auch eine Wallanlage, die sich um den Turm zieht und wo in der Folgezeit Fachwerkgebäude zur späteren Nutzung als bäuerliches Wohnhaus aufgesetzt wurden, prägt die kleinste Burg Sachsens.

Diplom-Restaurator Markus Flade kennt sich in deren Geschichte gut aus. Bei seiner Masterarbeit im Studiengang Denkmalpflege an der TU Dresden war er vor Jahren auf das verlassene Gebäude im Triebischtal gestoßen und machte es sich mit Kommilitonen zur Aufgabe, das historische Bauwerk vor dem Verfall zu retten. 2007 gründeten zehn Enthusiasten dafür den Steingut-Verein.

Zunächst wurden die Mitglieder von nicht wenigen belächelt, sie würden sich mit der Burg übernehmen, die sie aus Privathand erworben hatten. Doch der Verein erwarb sich durch seine Leistungen Respekt. So entrümpelte er zunächst das Gebäude, erneuerte dann Dachstuhl und Dach. Fenster und Sandsteingewände wurden saniert, ebenso Böden, Wände und anderes. Dabei halfen Denkmalschützer und Handwerker. Es sprach sich herum, was der Verein in vielen Freizeitstunden leistet. So unterstützen unter anderem die EU, die Hornsche Stiftung und die Sparkasse Meißen und auch der Landkreis und die Gemeinde Klipphausen den Verein. Da waren 100 000 Euro Ile-Fördermittel der EU sowie auch Spenden und Sachleistungen willkommen, um den Turm in Schuss zu bringen. Und was vor allem wichtig ist: Die kleinste Burg Sachsens wird sich weit öffnen. „Sie soll ein Bürger- und Vereinshaus werden“, sagt der Vorsitzende. Genutzt werden sollen die Räume vom Erd- bis zum zweiten Obergeschoss für Ausstellungen, Vorträge, Feierstunden, kulturelle Treffs, private Feiern, Vermietungen und anderes. Der Gewölbekeller wird Weinkeller.

Schon jetzt hat der Verein guten Kontakt zu Kindereinrichtungen. Bekannt ist er auch durch Benefizkonzerte, die auf einer Freilichtbühne hinter der Burg stattfinden. Am 11. Juli wird zum Beispiel der Auftakt zur Konzertreihe „Sommerklänge 2015 im Meißner Land“ im Steingut sein.