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Kleinstes Pony Deutschlands in Löbau

Morgen öffnet erstmals dieses Jahr in Löbau ein Zirkus seine Zelte. Im Gepäck hat der Zirkus Aeros einzigartige Tiere. Die SZ verlost Freikarten.

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© SZ Thomas Eichler

Von Marcus Scholz

Beim Zirkus Aeros haben es Kamele, Pferde und Esel besonders gut. Sie logieren gebettet auf Stroh, in einem extra für sie aufgebauten Zelt. Nur für ein paar Minuten müssen sie ihr gemütliches Zuhause verlassen, um für ein Foto auf dem harten Asphalt zu posieren. Von den Arbeiten direkt hinter ihnen lassen sich die Tiere nicht stören. Denn dort sind die Mitglieder des Zirkus Aeros gerade dabei, das riesige blau-weiße Vier-Mast-Zirkuszelt auf dem Löbauer Messegelände aufzubauen. „Das ist jedes Mal ein logistisches Meisterwerk und dauert einen ganzen Tag“, sagt Marvin Schmidt. Er ist der Sohn der Familie Schmidt, die den Zirkus Aeros seit mittlerweile zehn Jahren betreibt. Und natürlich muss auch er in den Woche für Woche wechselnden Veranstaltungsorten beim Zeltaufbau mit anpacken und sich nebenbei um die vielen zirkuseigenen Tiere kümmern.

Während der Vorstellungen schlüpft Marvin Schmidt dann aber in seine bunten Kostüme. Denn der junge Mann ist Clown, Feuerschlucker und Artist in Personalunion. Sein gesamtes Leben bestehe schon aus Zirkus und er habe nie etwas anderes kennengelernt. Etwas besonders vermissen würde er dabei nicht. „Ich bin gern mit unseren Leuten unterwegs und es macht auch Spaß in der Gemeinschaft“. sagt Marvin Schmidt. Die meiste Zeit des Jahres in einem Wohnwagen zu verbringen sei für ihn auch kein Problem. „Ich bin sowieso nur zum Essen und zum Schlafen da drin. Den ganzen Tag an der frischen Luft zu sein, hat schon auch seine Vorteile“, erzählt er.

Zur großen Zirkusfamilie gehören neben Marvin, seinen Eltern und Geschwistern um die 50 Personen. Dabei hat jeder seine Aufgaben. Denn das Schaustellerleben besteht nicht nur aus der Belustigung der Zuschauer in der Manege. Um den Gästen bei den Veranstaltungen eine gute Show zu liefern, müssen bereits im Vorfeld Dinge erledigt werden, die über Erfolg oder Misserfolg der Darbietungen entscheiden. Marvin Schmidt kennt sie alle. „Wichtig ist natürlich, den passenden Standort für unser Zelt und gute Bedingungen für unsere Tiere auszuwählen“, sagt der junge Mann. Außerdem seien viele Genehmigungen, zum Beispiel für das Anbringen von Werbeplakaten, einzuholen. Das Löbauer Messegelände schätzt der Feuerschlucker als perfekt ein. „Hier ist genügend Platz und vor allem ist alles sehr sauber“, sagt Schmidt. Das habe er auch schon ganz anders erlebt.

Komplettiert wird die Zirkusfamilie von 50 Tieren. Sie sind der große Stolz der Schausteller. Das liegt vor allem an den einzigartigen Exemplaren. Eines davon ist Fridolin. Fridolin sei das kleinste Pony Deutschlands. Und wie es sich für ein echtes Zirkuspony gehört, beherrscht es auch Kunststücke. Immer dann, wenn Marvin Schmidt seine linke Hand hebt, fängt das kleine Pony an, nur auf seinen Hinterbeinen zu laufen. Nur wenige Meter von Fridolin entfernt, steht Sabo in seinem Stall. Sabo ist das perfekte Gegenstück zu Fridolin und damit auch so eine besondere Attraktion des Zirkus Aeros. Das Texas Longhorn-Rind beeindruckt durch seine mächtige Statur und die riesigen Hörner am Kopf. “Sabo ist der größte seiner Art in Deutschland“, erzählt Schmidt. Beim kurzen Spaziergang über das Messegelände zieht der Rinderbulle auch immer wieder an seiner Kette und kann nur mit viel Mühe in der Spur gehalten werden.

Neben dem Pony und dem Bullen gehören aber auch noch Friesenpferde, die sogenannten Schwarzen Perlen, und die Kamelkarawane zu den Show-Höhepunkten des aktuell größten Zirkusses in Ostdeutschland. Unter der Leitung von Familie Schmidt feiert der Zirkus nun in Löbau sein zehnjähriges Jubiläum. Eigentlich gibt es ihn aber schon seit Anfang der 1940er Jahre. Gegründet worden ist der Zirkus nämlich von seinem Namensgeber und ehemaligem Raubtierdompteur Cliff Aeros. Nach seinem Tod, der Eingliederung in den DDR-Staatszirkus und dem vorläufigen Aus nach der Wende ist nun Familie Schmidt Herrscher über Akrobaten und Zirkustiere. Wie sie die jahrzehntelange Tradition in der Manege fortführen wollen, zeigen die Schausteller ab Donnerstag im blau-weißen Zelt im Messepark.