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Kletterer wollen nächstes Jahr bauen

Bis Ende des Jahres soll die Finanzierung für die Halle „Kommklettern“ in Görlitz stehen. Eine Firma hat jetzt Geld gespendet.

Von Ingo Kramer
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Symbolbild ©  dpa

500 Euro haben die Görlitzer Kletterer vorige Woche von der Firma Hoy-Reha erhalten. „Das Geld kam aus der Weihnachtskalenderaktion des Unternehmens“, sagt Enno Deege, einer der zwei Görlitzer Ortsgruppenleiter des Alpenvereins, in dem die Kletterer organisiert sind. Das Geld sei endlich mal wieder eine Motivationsspritze. Es soll in das Klettertraining für Kinder fließen, in neue Kletterschuhe und -griffe. Kinder von fünf bis 13 Jahren machen bei den Kletterern derzeit einen Schwerpunkt aus.

Solche Motivationsspritzen sind bitter nötig, denn seit dem Brand im Tivoli, bei dem sie ihre alte Trainingsmöglichkeit verloren haben, stehen die Kletterer ohne feste Halle da. Görlitz ist inzwischen vermutlich die einzige deutsche Stadt mit mehr als 50 000 Einwohnern, in der es keine Kletterhalle gibt. Der Alpenverein hat aber beim städtischen Großvermieter Kommwohnen bereits ein Gebäude mit dem Projektnamen „Kommklettern“ in der Hilgerstraße angemietet. Kommwohnen hat kürzlich sogar das Dach repariert. Die Kletterer müssen keine Kaltmiete zahlen, sondern nur die Nebenkosten. Allein: Es fehlt nach wie vor an Geld, das Gebäude auszubauen. Wenn sich das noch lange hinzieht, springen immer mehr Mitglieder ab, fürchtet Deege: „Die Motivation sinkt, die Leute gehen nach Zittau, wo eine Halle da ist.“

Praktikant soll daran arbeiten

Um das zu verhindern, will er nun Nägel mit Köpfen machen: „Bis Ende des Jahres soll die Finanzierung der Halle stehen.“ Damit das gelingt, hat Deege jetzt Paul Stöbe als Praktikanten eingestellt. Er ist selbst Kletterer, studiert Soziale Arbeit an der hiesigen Hochschule und soll sich während seines Ende Februar beginnenden Praktikums ausschließlich um dieses Thema kümmern – insgesamt 20 Wochen lang. Er soll einerseits Finanzierungsmöglichkeiten finden und „Kommklettern“ andererseits mehr in die Öffentlichkeit bringen.

Insgesamt 300 000 Euro sind nötig – über die Hälfte davon für die Kletterwand und deren Einbau, der Rest, um das Gebäude instand zu setzen. Hauptsächlich soll es eine 21 Meter lange, vier Meter breite und 4,50 Meter hohe Boulderhalle werden. Bouldern bedeutet Klettern auf Absprunghöhe. Zusätzlich ist im ehemaligen Sanitärtrakt ein Trainingsschacht mit drei mal vier Metern Grundfläche geplant. Er soll elf Meter Höhe haben und zum Klettern am Seil genutzt werden. Andere Sportarten wie Parcours und Bogenschießen könnten in dem Gebäude ebenfalls Platz finden. Auch die Nähe zur am Leipziger Platz geplanten neuen Oberschule könnte ein Bonus sein, so Deege: „Bouldern und Bogenschießen könnten in den Schulsport integriert werden, das gibt es in anderen Städten auch.“

Sportausschuss spricht über Halle

Parallel hat er auch um ein Gespräch bei der Stadt gebeten, dazu aber nach eigener Aussage noch keine Rückmeldung erhalten. „Der CDU-Stadtrat Christian Wiesner will das Thema im März auch auf die Tagesordnung des Sportausschusses nehmen“, sagt Deege. Wenn es gelingt, bis Ende des Jahres eine Finanzierung zu haben, soll nächstes Jahr gebaut werden. Das dürfte bis Ende 2020 geschafft sein, glaubt Deege: „Die Gebäudesubstanz ist relativ gut.“ Die Klettergriffe, die er jetzt von dem Hoy-Reha-Geld kauft, will er aber erst einmal in der Mini-Boulder-Anlage in der Ca-Tee-Drale montieren – und später wieder ausbauen, um sie in die neue Halle mitzunehmen.

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