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Kletterfelsen gesperrt

Um Balz und Brut der Wanderfalken nicht zu stören, werden Gebiete im Elbsandsteingebirge als Horstschutzzonen ausgewiesen, etwa im Amselgrund.

Erste Zugänge und Kletterfelsen im Nationalpark sind gesperrt worden.
Erste Zugänge und Kletterfelsen im Nationalpark sind gesperrt worden. © Mike Jäger

Die Balz der Wanderfalken beginnt im zeitigen Frühjahr, dann suchen sie nach einer Nistgelegenheit in den Sandsteinfelsen der Sächsischen Schweiz. Die streng geschützten Vögel bevorzugen hohe Felswände, genau wie die Bergsteiger. Wenn diese die frühlingshaften Temperaturen zum Klettern am warmen Fels nutzen, kann es passieren, dass die Tiere vom Menschen verschreckt werden. Die Nationalparkverwaltung teilt mit, dass erste Horstplätze als Horstschutzzonen ausgewiesen und somit auch Kletterfelsen gesperrt worden sind.

Im Rathener Klettergebiet hat sich ein Falkenpärchen einen Nistplatz im Amselgrund gesucht. Am Dienstag haben deshalb Nationalpark-Ranger ein Sperrschild auf dem Kletterzustieg zu den Gipfeln Amselspitze und Vexierturm aufgestellt. Kletterer standen am Schild und wunderten sich. Bei den Bergsteigern beliebte Kletterwege konnten nicht begangen werden.

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„Das Schild ist falsch gestellt“, ärgert sich Ulrich Augst, der Vogelexperte im Nationalpark Sächsische Schweiz. Es muss etwa 200 Meter weiter nördlich aufgestellt werden, wo der Pfad zu den Gipfeln Admiral und Klabautermann aufsteigt. Das werde umgehend nachgebessert. Auch ein Lageplan mit Zusatzhinweis, wo der wirklich gesperrte Bereich genau ist, wird noch angebracht.

Altbewährte Horste

Der Horstplatz beim Gipfel Admiral ist ein altbewährter. Zwar lange Zeit nicht mehr besetzt, ist er aber derjenige, wo vor dem zeitweiligen Aussterben der Vögel im Elbsandsteingebirge der letzte Jungvogel im Jahr 1964 ausgeflogen war.

Normalerweise werden die gesperrten Plätze veröffentlicht, wenn der Brutnachweis als nahezu gesichert gilt. Informationen über Horstschutzzonen findet man auf der Internetseite des Nationalparks. Sollte sich an den Plätzen jedoch kein Brutnachweis ergeben, werden die Kletterfelsen bald wieder freigegeben. 

Das führt bei manchem aber auch zu Verwirrung. In einem Kletterforum klagt ein Internetnutzer: „Auch wir standen letzte Woche vor der gesperrten Glasergrundscheibe im Bielatal. Auf der zitierten Sperrliste ist davon aber nichts zu lesen. Klar, im Bielatal gibt’s genügend Ausweichziele, aber ich find es schon merkwürdig, dass von offizieller Seite unvollständige Listen herausgegeben werden. Irgendwas scheint bei der Informationsweitergabe schief zu laufen...“

Augst informiert, bekannte Plätze im Bielatal haben sich bisher nicht bestätigt. Weder im Glasergrund, noch an der Verlassenen Wand brüten die Wanderfalken. „Wahrscheinlich suchen die Vögel einen ganz neuen Platz, den wir noch nicht kennen“, vermutet Augst. Am Gründonnerstag wurde noch einmal gesucht. Aufgrund von Hinweisen der tschechischen Kollegen entdecken die Vogelschützer den Horst an den Grenztürmen, die jetzt auch gesperrt sind.

Das Falkenjahr 2019 in der Sächsischen Schweiz war ein schlechtes gewesen. Von den begonnenen Bruten waren nur sehr wenige erfolgreich. Augst meint: „Das kann an Störungen durch Menschen gelegen haben.“ Nachweise gäbe es nicht, aber wegen des hohen Besucheraufkommens läge die Vermutung nahe.

„Heuer sind wir gut aufgestellt“, ist Augst optimistisch. Überall sei reger Brutbetrieb. Durch die momentane, Corona-bedingte Ruhe im Gebirge könne er sich einen großen Bruterfolg in der diesjährigen Saison vorstellen.

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